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Geschichte erleben im Niederrheinischen Freilichtmuseum

20.09.2019

Von der bäuerlich-handwerklichen Kultur bis zum Bügelspiel

Habt ihr schon mal das Niederrheinische Freilichtmuseum des Kreises Viersen in Grefrath besucht? Für mich ist das Museumsgelände rund um die Dorenburg definitiv einer meiner Lieblingsplätze am Niederrhein und das schon seit meiner Kindheit. Hier wird nicht nur Kultur und Geschichte erlebbar gemacht, sondern es finden auch das ganze Jahr über tolle Veranstaltungen und spannende Workshops statt. Ich freue mich schon, euch diesen besonderen Ort zeigen zu dürfen, aber auch darauf, selber neue Ecken und Dinge kennenzulernen…

Mein Ansprechpartner heute: Museumspädagoge Kevin Gröwig, mit dem ich mich am neuen Eingangsgebäude des Freilichtmuseums verabredet habe. Wobei neu relativ ist, denn seit 2013 steht dieses architektonische Meistwerk schon. Was mir besonders gefällt: Die großen Fensterfronten geben direkt den Blick zum Herzstück des Museums – der Dorenburg – frei. Was hier allerdings neu ist, es gibt an der Museumskasse nicht nur die Eintrittskarten und süße Souvenirs, sondern auch Futter für die Hühner, die sich auf dem Museumsgelände frei bewegen können und genau das nehmen wir mit, bevor unsere kleine Tour startet.

Neu: Die Miertzkate

Vorbei an historischen Hofanlagen und Werkstätten wie ein Sägewerk aus Hinsbeck und eine Kornbrennerei aus Straelen, die zeigen, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben, geht es direkt zu einem neuen Ausstellungsbereich, den ich selbst auch noch nicht kenne – die Miertzkate. „Wir zeigen hier das Thema Armut auf dem Land. Neben dem bäuerlichen Leben und den Handwerksberufen möchten wir auch diesen ebenso wichtigen Bereich zeigen, der auch zum Leben der Menschen am Niederrhein gehört,“ erklärt Kevin Gröwig. „Urspünglich stand das Häuschen der Familie Miertz im Kreis Kleve und wurde hier in Grefrath wieder aufgebaut.“ Eingerichtet ist die Kate wie im Jahre 1900 mit einem Ofen, Petrollampen & Co. und einem Webstuhl, der wichtig war, um ein bisschen Geld zu verdienen. Schautafeln informieren zusätzlich, was Armut in der damaligen Zeit bedeutet hat und stellen mit einer riesigen Twitter-Wall und dem Hahstag #unten einen Bezug zum Thema Armut in der heutigen Zeit her.

Geheim-Tipp Nr. 1

„Unser nächster Stopp ist ein kleiner Geheimtipp, weil er etwas versteckt liegt: Unsere Flachsdarre“, erzählt Kevin Gröwig. „Was viele nicht wissen: Flachs war am Niederrhein einer der wichtigsten Kulturpflanzen am Niederrhein. Die Fasern der Pflanze wurden gesponnen und zu Leinenstoff gewebt. Um die Fasern zu gewinnen, waren viele verschiedene Arbeitsschritte nötig. Dazu gehörte auch das Trocknen des Flachses in der Flachsdarre.“ In deren Nähe befindet sich die Museumsweberei, in der ihr zu bestimmten Zeiten live zuschauen könnt, wie früher gearbeitet wurde.

Landleben hautnah

Auf dem Weg zum museumseignen Tante-Emma-Laden kommt auch endlich das an der Kasse gekaufte Futter für die Hühner zum Einsatz, die sich über meinen kleinen Zwischenstopp sichtlich freuen. Beobachtet vom Hahn, der erst mal schaut, dass seine Damen versorgt werden, erzählt mir der Museumspädagoge, welche Tier es noch so auf der Anlage zu entdecken gibt: Kaltblutpferde, zwei Esel, Enten, Gänse und Pfauen wohnen auf dem Gelände und auch Bienen haben hier sogar ihr eigenes Häuschen inklusive Imkerbetreuung. „Den gewonnenen Honig kann man übrigens auch im Tante-Emma-Laden erwerben“, ergänzt Kevin Gröwig. Geführt wird der Laden von dem Nettetaler Verein Kindertraum, in dem behinderte und nicht-behinderte Menschen zusammen arbeiten. Was mir direkt auffällt und mich wieder in meine eigene Kindheit zurückbefördert – hier gibt es neben Wundertüten, die ich als Kind echt geliebt habe, auch die Möglichkeit, sich gemischte Süßigkeiten-Tüten wie am Kiosk früher zusammenzustellen. Aber das ist noch längst nicht alles: Regionale Spezialitäten wie Apfelchips und Rübenkraut treffen auf hausgemachte Backwaren wie den Klassiker Marmorkuchen. Ein zauberhafter Ort, der Nostalgie und Charme versprüht und zum kurzen Verschnaufen einlädt.

Geheim-Tipp Nr. 2…

Gleich um die Ecke vom Tante-Emma-Laden erreichen wir schon den nächsten Geheim-Tipp – den Kräutergarten, der von einer echten Kräuterhexe betreut wird. „Wir bieten von April bis Oktober mittwochs Kräutersprechstunden an und auch Kräuterführungen und Kräuter-Workshops“, ergänzt Kevin Gröwig. „Erst vor kurzem gab es auch eine Art Crossover-Workshop nach dem Motto „Bäcker trifft Kräuterhexe“, dabei ist ein total leckeres Bärlauchbrot entstanden.“ Hier im Kräutergarten gibt es übrigens auch eine kleine Bank, auf der man wunderbar den Duft des Kräutergartens genießen kann.

… und Nr. 3

Bevor wir uns eine kleine Pause im Familienrestaurant Pannekookehuus gönnen, bekommen wir noch eine kleine Führung durch das Spielzeugmuseum. „Im Sommer sind hier konstant 24 Grad, sehr angenehm, wenn es draußen zu heiß ist“, schmunzelt Kevin Gröwig. Hier erlebe ich meinen nächsten Flashback-Moment aus meiner Kindheit bzw. Jugend. In einer der Vitrinen befindet sich die Videospielkonsole Sega Mega Drive und der gute alte Game Boy – Wahnsinn, meine Kindheitsbegleiter nochmal zu sehen, obwohl… den Game Boy müsste ich noch im Keller bei meiner Ma haben. Memo an mich: Morgen unbedingt mal nachschauen fahren! Insgesamt befinden sich im Spielzeugmuseum auf drei Etagen Spielzeug der letzten 200 Jahre und hier erlebt jeder mit Sicherheit seinen ganz persönlichen Flashback-Moment.

Pfannkuchenliebe

Jetzt geht’s ins Pannekookehuus, das im Gebäude der ehemaligen Posthalterei aus dem 18. Jahrhundert aus Willich-Schiefbahn untergebracht ist und seit 2012 von Judith Peeters und Igor Tot betrieben wird. Hier bin ich auch privat öfters zu Gast und genieße vor allen Dingen die leckeren Pfannkuchen, die es hier in den verschiedensten Varianten von süß bis herzhaft gibt. Mein Favorit, für den ich mich heute auch wieder entscheide: Ein Pfannkuchen mit Thunfisch und Käse. Sehr mächtig, aber auch sehr lecker! Und da ich zu Nachtisch nie nein sagen kann, entscheide ich mich noch für einen Pfannkuchen mit Erdbeeren, Vanilleeis und Sahne, den ich mir aber mit meinem Fotografen Malte teile. Das Pannekookehuus ist übrigens auch außerhalb der Öffnungszeiten des Niederrheinischen Freilichtmuseums zugänglich. Am Wochenende empfiehlt sich allerdings eine Tischreservierung.

Schon mal gebügelt?

Also nicht das, wie ihr jetzt denkt, mit Wäsche hat das hier wenig zu tun! Als letzte Station des heutigen Tages versuche ich mich am Bügeln. Das Geschicklichkeitsspiel ist mit dem Kegeln und dem Boulespiel verwandt und im niederrheinisch-niederländischen Grenzgebiet besonders verbreitet. Das über 800 Jahre alte Spiel hat im belgisch-niederländischen Raum seinen Ursprung. „In Holland bügeln schon die Kinder“, erklärt mir der erste Vorsitzende Roland Hommes vom Bügel-Club Dorenburg, der extra mit dem amtierenden deutschen Meister im Doppel Ralf Krzywda heute gekommen ist, um mir das Bügelspiel näher zu bringen. Nach einer kurzen Einführung kann es auch direkt losgehen. Und was soll ich sagen – ich bin anscheinend ein Naturtalent. Schon beim zweiten Versuch hab ich die vier Kilo schwere Kugel von der Rinne aus, dem Startpunkt der Bügelbahn, mit einer sogenannten Schüppe durch einen eisernen Ring – dem Bügel – befördert. Dann kann ich mich ja schon fast für die Bügelmeisterschaften anmelden.

Veranstaltungs-Highlights im Herbst

Das Niederrheinische Freilichtmuseum ist das ganze Jahr über das perfekte Ausflugsziel für die ganze Familie und hält zusätzlich noch jede Menge Veranstaltungen bereit. Hier ein paar Anregungen im Herbst:

22. September, 10 bis 16 Uhr

Erntedankfest mit großem Bauernmarkt

Die Kulturlandschaft des Niederrheins war und ist von der Landwirtschaft geprägt. In Zusammenarbeit mit dem Kreisbauernverband, der Landwirtschaftskammer, den Ortslandwirten und den Landfrauen veranstaltet das Niederrheinische Freilichtmuseum ein großes Erntedankfest mit attraktivem Bauernmarkt. Nach einem ökumenischen Freiluft-Gottesdienst um 10.30 Uhr werden landwirtschaftliche Erzeugnisse von A wie Apfel bis Z wie Zwiebel durch regionale Anbieter verkauft. Ein Begleitprogramm für die ganze Familie rundet die Veranstaltung ab. Der Eintritt ist an diesem Tag bis 13 Uhr kostenlos.

29. September, 11 bis 16 Uhr

Treckertreff

Mehrere hundert historische Traktoren treffen sich traditionell am letzten Sonntag des Septembers zu einer gemeinsamen Ausfahrt durch die Gemeinde Grefrath. Der Korso startet um 11 Uhr am Parkplatz des EisSport & EventParks in unmittelbarer Nachbarschaft des Museums. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Ziel der Ausfahrt ist das Museumsgelände, auf dem die stählernden Oldtimer bis etwa 16 Uhr von den Besuchern bestaunt werden können. Mit frischer Erbsensuppe und Fleisch vom Grill ist auch für das kulinarische Wohl gesorgt. Der Museumsverein Dorenburg bietet im Museumscafé in der Dorenburg außerdem Kaffee und selbstgebackenen Kuchen an. Es ist lediglich der reguläre Eintritt zu entrichten.

2. Oktober , 17 bis 21 Uhr

Hexen, Räuber, wilde Biester

Trefft an diesem schaurig-schönen Familienabend im Museum sagenhafte Gestalten vom irischen Schlitzohr Stingy Jack bis zur eleganten Vampirfürstin. Besucht den Kräutergarten und lernt Walburga Walnuss kennen. Nach Einbruch der Dunkelheit präsentiert euch das NiederrheinTheater in einer Freiluftaufführung das Stück „Peer und Gynt – ein Märchen aus der Trollwelt“. Unheimlich wird es in der Kulisse einer alten Hofanlage. Das Theater der Dämmerung lädt dort zur Lesung aus Otfried Preußlers „Krabat“ ein. Der Eintritt beträgt an diesem Abend drei Euro für Kinder von 6 bis einschließlich 17 Jahre und sechs Euro für Erwachsene.Passende Verkleidung und Taschenlampe nicht vergessen!

Weitere Infos findet ihr hier: 

https://niederrhein-tourismus.de/freizeit/niederrheinisches-freilichtmuseum

2 Kommentare zu “Geschichte erleben im Niederrheinischen Freilichtmuseum”

    Lony says:

    Liebe Nicole,

    ja, das Freilichtmuseum ist ein herrliches Fleckchen Erde. Ich fühle mich dort immer in eine andere Zeit versetzt. Mit Kevin Gröwig habe ich vor einiger Zeit mit meiner Familie mal eine Rundführung gemacht, wo er von alten Bauernregeln erzählt hat und was dahinter steckt… schon jetzt freue ich mich wieder auf den wunderschönen Weihnachtsmarkt. Dir noch ein relaxtes restliches Wochenende und danke für den schönen Beitrag. Lony vom Autumnberry Blog x

    Nicole Marks says:

    Hey Lony,

    vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ja, das Freilichtmuseum ist echt toll und ich freue mich auch schon sehr auf den Weihnachtsmarkt. Ich freue mich sehr, dass du meinen Blog verfolgst und ich wünsche dir und deinen Lieben morgen einen schönen Feiertag!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

Ich freue mich, wenn ihr mich auf meiner Reise durch den Niederrhein begleitet!

 

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