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Besondere Wanderrouten – Teil 15: Mit dem LandStreifer auf Zeitreise durch die Dingender Heide

05.01.2024

Neues Jahr, neue Wanderwege! Wie kann man besser in 2024 starten, als mit einer besonderen Wanderroute? Dieses Mal möchte ich euch mit auf eine Zeitreise durch die Dingender Heide in Hamminkeln nehmen. Hier treffen urige Wege und Pfade auf verschiedene Zeitzonen durch die Landschaftsgeschichte der letzten 700 Jahre – ideal für Kulturbegeisterte, Naturhungrige und Familien, denn der LandStreifer ist nur fünf Kilometer lang. Ihr wollt mehr erfahren? Lest weiter…

In einen meiner Blogbeiträge habt ihr sicherlich schon mal von den LandStreifern im Naturpark Hohe Mark gelesen. Als Rundwanderwege angelegt, sind die insgeamt elf LandStreifer immer für eine landschaftliche, aber auch kulturelle Überraschung gut. Besonders für Einsteiger oder Familien mit Kindern eignen sich diese Ausflüge in die Natur, die zwischen vier und sechs Kilometer lang sind. Für erprobte Wanderer gibt es allerdings auch Wandererlebnisse zwischen neun und 16 Kilometern.

Start: Alte Schäferei

Meine Wahl ist auf den fünf Kilometer langen LandStreifer „Zeitreise“ gefallen, der in knapp 1,5 Stunden erkundet ist. Der Startpunkt ist der kleine Wanderparkplatz „Alte Schäferei“ an der Klausenhofstraße, Ecke Zum Venn in Hamminkeln-Dingden. Dass wir richtig sind, macht ein großes Hinweisschild deutlich, dass sich direkt in der Einfahrt des Parkplatzes befindet. Hier erfahre ich nicht nur wo dieser LandStreifer lang führt, sondern auch, welche andere Wanderrouten sich in der Nähe befinden, was es mit diesem überhaupt auf sich hat und wie man diesen noch verlängern kann.

 

 

Verlängerung gewünscht?

Habt ihr gewusst, dass das Gebiet Dingender/Büngerner Heide eine der größten Grünlandflächen in NRW ist? Übrigens führt die Route durch Hudewald, Heide, Kiefernforst, Grün- und Ackerland und passende Zeitfenster, an denen ihr mehr über die über 700 Jahre alte Landschaftsgeschichte erfahrt, findet ihr unterwegs.

Wollt ihr den LandStreifer „Zeitreise“ verlängern, ergänzt ihr diesen um den Wanderweg A7, folgt Wirtschaftswegen, passiert Grünlandflächen, entdeckt einen alten Ziehbrunnen und könnt eine Aussichtskanzel erklimmen. So kommt ihr auf eine Länge von 14,4 Kilometern.

Viele Informationen

Das erste Zeitfenster gibt es noch auf dem Parkplatz zu entdecken und führt mich in die Zeit von 1320 bis heute. Dabei erfahre ich, dass noch fünf weitere Fenster folgen und ich durch sie die typischen Landnutzungsformen der verschiedenen Epochen anschauen kann. Die Beispielflächen sollen durch die passende Bewirtschaftung dem historischen Zustand möglichst nahekommen. Das Zeitfenster Hudewald wird mir als nächstes begegnen.

Aber das ist noch nicht alles, was ihr an Informationen an diesem Parkplatz bekommt. Der NABU und die Stiftung Büngerner Heide hat zwei Hinweistafeln aufgestellt, die sich mit dem Thema Wolf befassen und u.a. darüber informieren, was zu tun ist, wenn man einem Wolf begegnet: Nicht weglaufen, sich ruhig verhalten, Abstand halten und nicht anlocken sind einige der Tipps.

 

 

Folgt den lila Wanderzeichen

Dann geht es los und wir halten uns vom Parkplatz im Rücken nach links und stehen an der Kreuzung Zum Venn und Klausenhofstraße, wo wir zuvor reingefahren sind. Hier befindet sich auch das erste lila Wanderzeichen „LandStreifer Zeitreise“ mit einem Pfeil, der nach links zeigt. Der Wanderweg ist übrigens in beiden Richtungen mit diesen kleinen, lila Schildern sehr gut ausgeschildert.

Zeitfenster: Hudewald

Wir folgen dem Weg und gehen in Richtung „Zum Schießstand“ vorbei an einem Haus. Schräg gegenüber finde ich schon quasi das erste Zeitfenster, in dem es, wie schon erwähnt, um den Hudewald in den Jahren 1320 bis 1540 geht.

Der hier neu entstehende Hudewald ist ein Laubwald, der in Dingender Mark damals von allen Bauern gemeinschaftlich genutzt wurde. Sie lieferten Bau- und Brennholz, Wildbret und Beeren. Rinder, Ziegen und Schweine weideten im Wald und getrocknetes Laub diente als Winterfutter. Damit sich eine neuer Hudewald entwickeln kann, weiden hier akteull ganzjährig Rinder.

Übrigens: Auch der Vogel mit dem Namen Kleiber liebt lichte Laubwälder mit alten Bäumen, wie es Hudewälder waren. Das Besondere: Er läuft kopfüber die Stämme hinab und pickt Insekten aus der Baumrinde.

 

 

Aussichtskanzel: Zum Schießstand

Dann geht es geradeaus weiter. Auf der rechten Seite sehe ich wieder ein lila Wanderzeichen und wir passieren einen kleinen Bach. Links ist ein weites Feld und vor uns liegt ein Waldstück, das wir durchqueren bis wir an einer Aussichtskanzel ankommen.

Hier machen wir einen kleinen Abstecher nach rechts, gehen ein paar Stufen die Kanzel hoch und können einen herrlichen Blick auf die weite Landschaft genießen. Von hier aus könnt ihr auch zahlreiche Wiesen- und Wasservögel, wie die Graugans, beobachten – der perfekte Ort für eine kleine Pause.

 

 

Zeitfenster: Grünland

Genau vor der Kanzel steht auch das nächste Zeitfenster zum Thema Grünland. Zwischen 1920 und 1960 war die Blütezeit des Grünlandes. Der Hintergrund: Als hier Anfang der 1920er Jahre vierzig Hektar Kiefernforst abbrannten, wurden die meisten Brandflächen und letzten Heidereste in Wiesen und Weiden umgewandelt. Denn in dieser Zeit stieg die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten. Heute erinnert besonders das Feuchtgrünland im zentral gelegenen Naturschutzgebiet an die Dingdener/ Büngerner Heide vor etwa 60 Jahren.

 

 

Zeitfenster: Heide

Von hier aus geht es weiter durch den Wald und am Ende führt uns das lila Wanderzeichen nach links. Nach einigen Schritten fällt auf der rechten Seite ein eingezäunter Bereich auf, der den Blick auf eine riesige Heidelandschaft frei gibt, die aktuell leider nicht blüht. Klar, dass  das nächste passende Zeitfenster zum Thema Heide nicht lange auf sich warten lässt.

Ich erfahre, dass die Ausbreitung der Heide zwischen 1540 und 1843 das Resultat einer Übernutzung der Dingender Mark war. Aus den Wäldern wurden durch den Bevölkerungszuwachs so viel Holz und Humus entnommen, dass diese sich allmählich in baumlose Heideflächen verwandelten. Wohl fühlt sich hier aber die „seelenvollste Sängerin unter unseren einheimischen Vögeln“ – die Heidelerche. Leider ist sie sehr selten und so Heidegebiete wichtige Rückzugsorte für besondere Tiere und Pflanzen geworden.

Während der ganzen Wanderroute gibt es übrigens Sitzmöglichkeiten und die Wege sind unterschiedlich breit. Wir gehen weiter bis zu einer Kreuzung und halten uns an dieser schräg geradeaus. An dieser Stelle befindet sich kein lila Wanderzeichen, aber ihr müsst einfach nur den Weg quasi weiterlaufen.

 

 

Zeitfenster: Ackerland

Einige Meter weiter entdecke ich dann das nächste Zeitfenster und wieder lila Wanderzeichen. Bei dem Zeitfenster geht es dieses Mal um das Ackerland bzw. um die moderne Landwirtschaft ab 1960. Zu dem Zeitpunkt setzte ein tiefgreifender Wandel in der Landwirtschaft ein. An die Stelle der Grünlandwirtschaft trat die intensive Tierhaltung. Der Mais wurde die vorherrschende Futterpflanze. Pflanzenzüchtung, Maschinen, Kunstdünger, Gülle und chemischer Pflanzenschutz vervielfachten den Ertrag eines Bauernhofes. Der Maisacker steht für diese Entwicklung, mit der auch die Aufgabe kleinerer Betriebe und ein drastischer Artenrückgang in der Natur verbunden sind.

Direkt gegenüber befindet sich auch ein Hof, den wir aber links liegen lassen. Wir gehen weiter geradeaus, bis uns das nächste lila Wanderzeichen nach ein paar Metern nach links in den Wald schickt – in den Konstantinforst.

 

 

Zeitfenster: Kiefernforst

Bevor der Weg nach rechts einen Knick macht, erreichen wir auch schon das letzte Zeitfenster, was aber noch längst nicht das Ende des Wanderweges bedeutet. Thematisiert wird der Kiefernforst bzw. die Heidekultivierung und der Waldbau von 1843 bis 1920.

Nach der Aufteilung der gemeinschaftlich genutzten Flächen in Privatbesitz wurden damals zunehmend Kiefern angepflanzt. Sie wuchsen trotz der kargen Heideböden schnell heran und ließen sich auch gut als Grubenholz zum Abstützen der Stollen im Bergbau verkaufen. Denn Kiefernholz knackt warnend, bevor der Stollen zusammenbricht. Auch der Buntspecht freut sich über seinen neuen Lebensraum.

 

 

Naturschutzgebiet: Kleine Dingender Heide

Unser weiterer Weg führt uns mitten durch eine riesige Acker- und Wiesenlandschaft, wir sehen ein paar Reiher und biegen an der nächsten Gelegenheit links ab. Nach einigen Metern stoßen wir auf die Straße Finkenweg, die wir aber nach ein paar Schritten schon wieder verlassen, um rechts in das nächste Waldstück abzubiegen.

Hier treffen wir nach kurzer Zeit wieder auf einen eingezäunten Bereich, auf gleich drei Hinweistafeln und erhöhten Sitzmöglichkeiten, die ich gleich testen muss. Wir befinden uns im Naturschutzgebiet Kleine Dingender Heide, genauer in der Feuchtheide. Im Laufe der Jahre haben sich spezielle Pflanze und Tiere dem kargen Lebensraum angepasst und was hier wächst und wohnt, erfahre ich auf den Hinweisschildern. Neben der Besenheide dominiert hier vor allen Dingen das Pfeiffengras und beheimatet sind u.a. die Zauneidechse, die Schlingnatter, der Schmetterling Hauhechel-Bläuling und der seltene Vogel Ziegenmelker.

Für den Naturschutz ist die Heide mit ihrem besonderen Erscheinungsbild ein seltenes Biotop und ein besonderer Lebensraumtyp, was sogar von der Europäischen Union gefördert wird.

Von hier aus geht es weiter geradeaus und wir erreichen wieder eine befestigte Straße. Folgt ihr von hier aus weiter den lila Wanderzeichen, erreicht ihr wieder euren Ausgangspunkt.

Gut zu wissen

Hat es einige Tage geregnet, sind Teile des Weges durch den oft losen Untergrund nicht nur sehr matschig, sondern auch von Wasser überflutet. Generell empfiehlt sich hohes, festes Schuhwerk.

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

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