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Schloss Moyland – das perfekte Ausflugsziel für die ganze Familie

18.06.2021

Endlich bin ich wieder hier! Das Museum Schloss Moyland in Bedburg-Hau hat sich mittlerweile zu einem meiner Lieblingsorte hier am wunderschönen Niederrhein entwickelt. Nicht nur das Wasserschloss an sich ist beeindruckend, sondern die Mischung aus Gartenanlage, Skulpturenpark, Kräutergarten, wechselnden Ausstellungen und vielem mehr macht einen Besuch jedes Mal wieder spannend und interessant. Aktuell findet ihr im Skulpturenpark ganz besondere Highlights und auch Joseph Beuys steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung…

 

Ich bin gespannt, was ich heute wieder alles entdecken darf und nehme euch natürlich mit auf meiner kleinen Tour. Begleitet werde ich von der Leiterin der Kunstvermittlung Sarah Lampe und der Praktikantin Virginia Kaube. Wir starten direkt im Außenbereich und Sarah erzählt mir zunächst etwas über die Geschichte von Schloss Moyland. Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde sie übrigens im 14. Jahrhundert und wechselte oft den Besitzer. Unter der Familie Steengracht im 18. und 19. Jahrhundert verwandelte sich die alte Burg mit einer Backsteinummantelung, den vergrößerten Fenstern, den aufgestockten Türmen und den Zinnen immer mehr und Schloss Moyland wurde auch mit einer frei zugänglichen Kunstsammlung zu einem beliebten Ausflugsziel. Im Zweiten Weltkrieg und nach einem Brand wurde es weitestgehend zerstört und glich einer Ruine. Ab 1987 baute man das Schloss langsam wieder auf. 1997 wurde dann das heutige Museum eröffnet.

Von den Kräutern bis zu den Skulpturen

Auch die ehemalige barocke Gartenanlage, in der wir unseren Rundgang gestartet haben, wurde nach dem Vorbild der Anlage aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert rekonstruiert. Der Kräutergarten, den wir gerade passieren, entstand erst 1999. „Hier zeigen wir Kräuter aus allen Kontinenten von Asien bis Südamerika und du findest hier auch die Kräuter der Universalglehrten Hildegard von Bingen, die sie in ihren heilenden Rezepten verwendet hat“, erklärt mir Sarah bei unserem kurzen Stopp im Kräutergarten, der allein schon geruchstechnisch sehr intensiv und besonders ist.

Als wir ein Stückchen weiter gehen, fallen mir einige Skulpturen auf. „Da vorne siehst du einen Teil unserer letzten Neuankömmlinge, Skulpturen von Robert Schad, die in der ganzen Anlage verteilt sind und dessen Werke auch nochmal im Museum selber zu finden sind“, erklärt mir Sarah. „Noch bis zum 22. August wird seine Ausstellung „Tango“ mit insgesamt 16 imposanten Stahlkonstruktionen gezeigt“. Skulpturen ganz nach meinem Geschmack übrigens. Sie sind abstrakt, haben aber eine gewisse Leichtigkeit. „Schad hat sich am Körper des Menschen orientiert und die Skulpturen wirken beinahe tänzerisch“, ergänzt Sarah weiter. Während unseres Spazierganges horche ich immer wieder auf und staune die ganze Zeit über die Tiere und Geräusche, die man überall im Park wahrnimmt. „Wir haben sogar Nutrias hier, die aber leider unsere Seerosen anfressen“, lacht Sarah, „aber das ist hier schon ein schönes Schauspiel, was die Tierwelt uns hier bietet.“

Kleiner Geheim-Tipp

Jetzt erreichen wir einen etwas versteckten, geheimen Ort in der Anlage, den man über ein großes Rasenstück erreicht, dass wir querfeldein gehen. Unser Ziel: ein Mausoleum aus dem 19. Jahrhundert und eine Soundinstallation von dem Künstler Anatol Donkan. Wenn man ganz ruhig stehen bleibt, hört man jammernde, klagende Geräusche. Ein Ort, der dazu einlädt, um sich selber mal zu beschweren, über die Umweltverschmutzung, persönliche Dinge und vieles mehr. Ganz in der Nähe sieht man auch einen Baumstumpf mit einer überlebensgroßen Skulptur aus Lärchenholz mit dem Namen „Happy Birthday Joseph“, den der Künstler zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys gefertigt hat. Später begegnen wir Anatol Donkan übrigens auch noch mal im Museum.

Coming soon…

„An dieser Stelle entsteht im Sommer eine Baumhauslandschaft“, verrät mir Sarah. „Es wird u.a. Klettermöglichkeiten und die Seilbahn „Flying Fox“ geben. Ein spannendes Projekt, auf das wir uns alle hier sehr freuen.“ Der Startschuss fällt im Juli und die Eröffnung ist grob im August geplant. Ich sehe schon… ich muss spätestens im Sommer wiederkommen.

Pinky Winky?

Weiter durch die Anlage, erreichen wir einen schön angelegten Blumengarten mit Rosen & Co., der in Kürze richtig aufblühen wird, und den berühmten Hainbuchen-Gang. „Das ist eins unserer beliebtesten Hochzeitsmotive, dicht gefolgt von unseren über 530 Hortensiensorten, die bis zum Sommer ihre volle Pracht zeigen“, freut sich Sarah. Auch wenn ich sie noch nicht blühen sehe, zaubern die Sortennamen wie „Vanilla Sky“ oder „Pinky Winky“ ein Lächeln ins Gesicht. Ich musste übrigens bei dem Namen „Pinky Winky“ spontan an die Teletubbies denken.

Insgesamt befinden sich in der historischen Gartenanlage etwa 70 Kunstwerke mit kleinformatigen aber auch monumentalen Skulpturen, die sich wirklich perfekt in die Natur einfügen. Das Beste: Die Anlage befindet sich stets im Wandel und es gibt immer etwas Neues zu entdecken.

Die neue Joseph Beuys-Ausstellung

Jetzt geht es aber ins Museum, denn hier erwartet mich mit „Joseph Beuys und die Schamanen“ eine tolle neue Ausstellung zum 100. Geburtstag des Künstlers, die ihr noch bis zum 29. August besuchen könnt. In meinem letzten Blogbeitrag zum Thema „Beuys & Bike“ hatte ich euch ja verraten, dass Schloss Moyland ein Beuys-Zentrum ist und mit annähernd 6.000 Werken, einem Archiv und einer Bibliothek die weltweit größte Sammlung an Beuys-Werken umfasst. Auch die neueste Ausstellung stammt aus dieser Sammlung, die aus der ehemaligen Privatsammlung der Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten stammt.

Los geht es in der erste Etage im linken Bereich – Teil 1. „Wir haben das erste Mal Architekturelemente vor den Fenstern eingebaut und so die Ausstellung auf der einen Seite mit Werken von Beuys (hellbraun abgesetzt) und die andere Seite mit ethnologischen Aspekten besonders aus Eurasien (hellblau abgesetzt) unterteilt. Das dient auch zur besseren Orientierung für den Besucher. Auch die Beleuchtung ist extra sehr schwach ausgerichtet, damit die Werke nicht beschädigt werden“, erklärt mir Sarah vor der ersten Wand.

Was mir direkt auffällt, sind „Textkarten to go“, die an einer der Wände hängen, die es in drei Sprachen gibt und die wichtigsten Informationen des Raumes nochmal zusammenfassen. Ihr könnt entweder alle Karten mitnehmen oder nur die, die euch interessieren, um diese anschließend als kleine Sammelmappe (das Deckblatt gibt es direkt am Eingang) mit nach Hause zu nehmen und euch nochmal in Ruhe anzuschauen. Die grauen Karten verraten euch mehr zum Thema des Raumes an sich, die hellbraunen mehr über Beuys und die hellblauen etwas zum Schamanismus. „Die findest du in jedem Raum und kannst die gerne sammeln“, lächelt Sarah.

Jeder Raum beherbergt ein bis zwei Themen und zwischendurch gibt es auch mediale Stationen, Sitzgelegenheiten, Möglichkeit den umfassenden Katalog der Ausstellung durchzublättern und Ruhe- bzw. Leseräume.

Der Schamanismus…

Von Schamanen habt ihr sicherlich auch schon mal gehört. Ihnen sagt man spirituelle und heilende Eigenschaften zu, sind Vermittler zwischen den Welten und können mit den Geistern in der Unterwelt sprechen. Zum Schamanen wird man aber nicht einfach so, sondern wird von den Geistern dazu auserkoren und durchlebt auf dem Weg zum Schamanen einen schmerzhaften Übergang.  In den 50er-Jahren beschäftigte man sich zunehmend wissenschaftlich mit dem Schamanismus und auch Beuys wurde auf das Thema aufmerksam.

… und Beuys

Besonders die Vermittlerrolle hat Beuys damals u.a. fasziniert. Ein Schamane heilt und beeinflusst den Menschen positiv. Und genau das wollte Beuys auch, er wollte die Menschen durch Kunst verändern, durch Kunst heilen.   

Im nächsten Raum bekommt man zunächst einen Überblick über das Gebiet Eurasien und die thematisch passenden Werke von Beuys. „Joseph Beuys ist 1944 im Zweiten Weltkrieg als junger Soldat mit einem Flugzeug auf der Krim abgestürzt und angeblich von Tataren geborgen worden“, erklärt mir Sarah. „Und eines seiner Werke hier von 1957 trägt auch den Namen „Tatarenhäuser“. Betrachtet man das Kunstwerk genauer, fällt auf, dass Beuys kleine Liebesperlen in das Bild integriert hat – typisch für ihn, alltägliche Materialien zu verwenden.

Faszination Dschingis Khan

Gehen wir ein Stück weiter, kommen wir zu einem Ruheraum mit zahlreichen Büchern rund um den Schamanismus und ich nutze die Gelegenheit, auch mal kurz in diesen zu stöbern, bevor es in den nächsten Ausstellungsraum geht. Auch hier wird deutlich, dass Beuys viele Elemente aus der Kultur der Nomaden, die eng mit dem Thema Eurasien verknüpft sind, in seinen Werken übertragen und neu interpretiert hat. Besonders Dschingis Khan-Geschichten, die Beuys früher verschlungen hat, haben ihn nachhaltig beeinflusst, und er hat vor allem die leisen Momente des Begründers des Mongolischen Reichs künstlerisch aufgegriffen. Er hat ihn nicht nur als kriegerische Figur gesehen, sondern auch als Menschen, der andere Menschen miteinander verbunden und ein riesiges Reich geschaffen hat. Dass Dschingis Kahn auch heute noch präsent ist, macht eine besondere Vitrine deutlich, vor der ich kurz schmunzeln muss. Hier finden sich neben diversen Büchern, Comics, DVDs, auch Bier, Wodka und Geldscheine mit dem Konterfei von dem einstigen barbarischen Herrscher.

„Leben in Bewegung“

Vorbei am Raum zum Thema „Schamanenrolle in den Aktionen von Joseph Beuys“ in den 60er-Jahren, erreichen wir den 2.Teil der Ausstellung, in dem es um „Bewegung“ geht. Für Beuys war es sehr wichtig, vor allen Dingen geistig in Bewegung zu bleiben und nicht nur einzelne Personen, sondern eine ganze Gemeinschaft mit seiner Kunst zu verändern, in Bewegung zu bringen. Gerade nomadisch lebende Menschen sind immer in Bewegung und auch Schamanen bewegen sich zwischen den Welten, was Beuys sehr fasziniert hat.

Und genau hier begegnen wir auch einem Exponat, dass ich schon bei einem meiner letzten Besuche staunend betrachtet habe – ein Schlitten mit einer Filzdecke, einer Taschenlampe und einem Klumpen Fett. „Das ist Beuys Notfallpaket für die Menschheit. Für ihn steht der Schlitten als Fortbewegungsmittel, Fett für die Ernährung, die Filzdecke als Symbol für Wärme und auch Licht ist für ihn unerlässlich“, beschreibt Sarah den Hintergrund dieses besonderen Werkes. „Viele Elemente, die, wie besonders das Fett und der Filz, immer wieder in seinen Werken auftauchen.“ Dem Schlitten schräg gegenüber steht ein Fortbewegungsmittel aus Nordskandinavien, eine alte Pulka bzw. ein Rentierschlitten aus Holz – auch für die Nomaden ein zentrales Motiv, dass für die Bewegung steht.

 Tierischer Austausch

Einen Raum weiter treffen wir ebenfalls auf ein immer wiederkehrendes Element bei Beuys – den Hasen. Ein zentrales Exponat ist da das „Hasengrab IV“-Werk, an dem Beuys über zwei Jahre gearbeitet hat, und in dem man viel lesen kann. Die Basis ist ein toter Hase, den man aber nur noch bedingt erkennt. Entscheidender sind die Dinge, die über diesem toten Körper liegen. Zum einen ist das Müll im weitesten Sinne, weil sich Beuys schon früh Gedanken über die Zerstörung der Natur gemacht hat, aber auch Batterien, Zündkerzen & Co, was für Energie bzw. Veränderung steht.

Auch nordische Tiere, wie der Elch oder das Rentier haben ihren Weg in Beuys Werke gefunden. Tiere sind für Beuys und die Schamanen spirituelle Helfer des Menschen und verfügen über eine Art der Kommunikation, die der Mensch längst verloren hat. Gerade im eurasischen Raum dienten Tiere aber auch als Jagd- und Nutztiere, immer im Hinterkopf, dass Tiere beseelt sind.

Schamanismus als Inspiration

Im nächsten Zwischenraum wird der Film „Schamanen im Blinden Land“ von dem Ethnologen Michael Oppitz gezeigt, der in Nepal Schamanen gefilmt hat. Beuys sah damals Teile der Rohfassung und somit das erste Mal Schamanen in einem bewegten Bild.

Wie man ein Schamane wird, wird im nächsten Ausstellungsraum thematisiert. Gezeigt werden hier verschiedene Utensilien aus dem Schamanismus und auch das älteste bekannte Werk von Beuys, in dem das Wort Schamane benannt wird, findet sich hier – „Im Haus der Schamanen“ von 1954. In Interviews äußerte sich Beuys erst relativ spät zum Thema „Schamane“, vorwiegend in den 70er-Jahren.

Parallelen zwischen der Kunst von Beuys und ethnologischen Objekten wie dem Gewand einer tuwenischen Schamanin lassen sich an vielen Stellen in der Ausstellung finden. Eine Schamanentrommel aus Nepal sah der Künstler auch selbst Ende der 70er-Jahre bei dem Ethnologen Michael Oppitz.

Wer den Klängen einer Geisterbeschwörung lauschen will, kann dies an einer Audiostation tun. In einem separaten Raum könnt ihr auch Fotos von Schamanen heute von dem Fotografen Stanislav Krupař betrachten. Denn auch jetzt gibt es noch Schamanen, die sogar Supermärkte segnen oder in einem Ärztehaus zu finden sind.

Basteln erwünscht

An dieser Stelle verlassen wir die Ausstellung für einen Moment und gehen ein Stockwerk höher in die Kunst- und Kreativwerkstatt. Das erste, was mir hier auffällt, ist die Jurte, die aus Scherengittern und Schaf- und Ziegenhaar besteht. Gleich daneben gibt es wieder Sitzmöglichkeiten und kleine Bastelstationen. „In erster Linie haben Kinder hier die Möglichkeit, eine Schamanenhaube, ein persönliches Amulett oder eine Schamanentrommel zu basteln, aber auch viele Erwachsene nutzen diese Gelegenheit ein kleiner Auszeit“, freut sich Sarah. Das Material steht für Bastelaktionen vor Ort bereit. Auch ich setze mich kurz an die Seite und versuche mich an einem Amulett. Einen Tisch weiter finden sich verschiedene Materialien, die auch in der Ausstellung auftauchen und die man hier endlich einmal anfassen darf.

Zeitgenössische Künstler

Bevor mein Tag im Schloss Moyland endet, gehen wir noch schnell durch das Erdgeschoss. Hier befindet sich der vierte Teil der neuen Ausstellung, wo Werke von den zeitgenössischen Künstlern Lili Fischer, Igor Sacharow-Ross, Melanie Bonajo, Unen Enkh, Anatol Donkan und Marcos Coates gezeigt werden, die sich ebenfalls mit dem Thema Schamanismus beschäftigt haben.

Auch treffen wir in einem anderen Trakt des Erdgeschosses nochmal auf Robert Schad, den wir von den Skulpturen im Park schon kennen und dessen Skizzen und kleine Skulpturen wir hier nochmal erleben dürfen.

Zur Beuys- Ausstellung gibt es übrigens auch ein Entdeckerheft für Kinder, die die Ausstellung so auf ihre eigene, individuelle Art entdecken können und das verschiedene Aufgaben bereit hält. In Kürze sind auch Führungen und weitere Veranstaltungen geplant, desren Termine und weitere Informationen ihr auf der Homepage des Museums findet. Eine der Führungen findet ihr auch schon hier.

Mehr über das Schloss Moyland gibt es übrigens hier zu entdecken:

https://niederrhein-tourismus.de/freizeit/stiftung-museum-schloss-moyland

 

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Über mich

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