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Haus Deckers im Spargeldorf Walbeck – Traditionshaus mit Herz

04.06.2021

Endlich darf man wieder im Restaurant essen gehen! Mein letzter Gastronomie-Besuch ist schon Monate her und daher freue ich mich sehr, dass ich heute im Haus Deckers in Walbeck, dem ältesten Spargelrestaurant NRWs, zu Gast sein darf. Für euch durfte ich mich nicht nur im Hotel umschauen, sondern habe natürlich auch das Highlights der Spargelkarte – den Huchelspargel getestet. Was es damit auf sich hat, was ihr unbedingt noch testen müsst und warum ihr das idyllische Dorf besuchen solltet? Einfach weiterlesen…

 

Schon von weitem fällt das denkmalgeschützte Haus Deckers auf dem Walbecker Markt im Herzen des idyllischen Spargeldorfes ins Auge. Das 3-Sterne-Hotel mit 25 Zimmern, einem Restaurant mit Außenterrasse und Innenhof, sowie einem Tagungsraum und Möglichkeiten zum Feiern kann auf eine über 155-jährige Hausgeschichte zurückblicken und hat sich in all den Jahren, von Generation zu Generation, immer weiter entwickelt und vergrößert.

Als ich mit meinem Fotografen Malte das Haus Deckers betrete, habe ich das Gefühl einen kleinen Zeitsprung gemacht zu haben: Urig, gemütlich, viel Holz, alte Lampen und Bilder und viele weitere kleine Details, die an vergangene Zeiten erinnern. Während wir kurz auf Norbert Deckers, den Inhaber in der 5. Generation, warten, habe ich Zeit, mich in aller Ruhe umzuschauen und freue mich total, überall „alte“ Dinge zu entdecken. Dann kommt auch schon Norbert und seine Partnerin Sarah um die Ecke. Mit dabei die kleine Elisa, die 6. Generation, gerade sieben Monate alt. „Schön, dass ihr hier seid, kommt wir gehen direkt nach draußen in den Innenhof“, begrüßen uns die beiden. Durch einen weiteren großen Restaurantbereich geht es in einen neueren Trakt, vorbei am Empfang, nach draußen. Von hier aus können wir sogar direkt auf die Dorfkirche schauen und auch das Wetter ist mild und sonnig.

Alles begann 1863

Natürlich muss ich direkt nachfragen, was es mit der geschichsträchtigen Einrichtung vorne am Eingang auf sich hat und bekomme einen kleinen Abriss über die Geschichte von Haus Deckers. „Ganz vorne ist das Stammhaus von 1863, das wir weitestgehend so gelassen haben. Damals war der Bereich eine Gaststätte mit einer Post, einer Bäckerei, Kolonialwarengeschäft und sogar selbst angebauten Spargel haben wir von 1935 bis Anfang 1960 verkauft. Auch Übernachtungen waren damals in den 12 Zimmern schon möglich“, erinnert sich Norbert zurück. „Dann kam der Krieg und Walbeck wurde zum Hauptquartier der Briten. Das Haus Deckers wurde besetzt und hier im Dorf gab es sogar eine Fleet Street, die es ja in London auch gibt. Unser „The Savoy-Menü“ mit einer Rinderkraftbrühe mit Einlage, einem Pfund Spargel Walbecker Art mit Petersilienkartoffeln, geriebenen mittelalten Gouda und zerlassener Butter und als Nachtisch eingekochtes Apfelmus vom Winterrambur aus dem eigenen Garten mit Sahne, erinnert heute an diese Zeit.“ Hört sich schon sehr lecker an und langsam fängt auch mein Magen schon an zu knurren.

Kleiner Rundgang

„Damit du dir alles was besser vorstellen kannst, drehen wir am besten mal eine kleine Runde durch das Haus und danach musst du unbedingt mal unseren Huchelspargel probieren, da erzähl ich dir aber später mehr zu“, lädt mich Norbert ein.

Wir starten unsere Tour in der zweiten Etage und machen einen kurz Stopp an einem Foto, einer Luftaufnahme von 2006. Hier zeigt mir Norbert, was sich mit der Zeit alles verändert hat. „1936 kam der Kronensaal dazu und 2006 wurde der neue Hoteltrakt eröffnet. Im letzten Jahr kam dann noch die Fahrradgarage, eine E-Bike-Ladestation und ein kleiner Park dazu, der in Kürze mit einzelnen Wildblumeninseln organisch angelegt sowie einer Boule-Bahn bestückt wird“, erklärt mir Norbert. „Auch heute entwickeln wir uns immer weiter und waren auch im Lockdown fleißig und haben viel renoviert.“

Das erste Zimmer, was wir uns anschauen, trägt den Namen „Steprather Mühle“, ein historisches Walbecker-Gebäude, das tatsächlich vom Zimmer aus zu sehen ist. „Das ist übrigens die älteste voll funktionierende Windmühle Deutschlands, stammt aus dem 15. Jahrhundert, und man kann sogar noch sehen kann, wie das Mehl gemahlen und daraus Brot und Kuchen gebacken wird“, verrät mir Sarah. In einem unserer Arrangements gibt es auch Eintrittskarten zur Besichtigung der Mühle. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.“

Vom „Weißen Haus“ bis zur „Marktkamer“

Auf dem Weg durch das Hotel fallen mir immer wieder Fotografien aus der direkten Umgebung, aber auch von Island auf. „Die Fotos habe ich gemacht. Ich bin Hobbyfotograf und liebe es, besondere Eindrücke festzuhalten“, lächelt Norbert. Ein besonderes Bild ist auch das „Weiße Haus“. Nicht nur das Zimmer mit der Nummer 22 im neueren Hoteltrakt von 2006 ist nach diesem Haus benannt, das übrigens auf dem Nachhause Weg der Familie Deckers liegt, sondern auch der Himmel hat eine tragende Rolle übernommen. „Wir haben die Blautöne des Himmels von diesem Foto aufgegriffen und einige Zimmer zum Teil in diesen Tönen neu gestrichen“, bestätigt Sarah lachend. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen und passt perfekt zu der gemütlichen Einrichtung der Zimmer.

Auch das Gästezimmer mit der Nummer 37 ist ein weiteres, besonderes Zimmer mit einem tollen Weitblick bis zum holländischen Wald über den Dächern von Walbeck und ebenso die „Prinzessinnen-Kamer“ hat eine kleine Geschichte: „Hier dürfen unsere Spargelprinzessinnen übernachten und sind auch mit einem Foto im Zimmer verewigt. 2006 war meine Schwester Nicola ebenfalls Spargelprinzessin“, ergänzt Norbert. Im alten Trakt von 1863 werden die Zimmernamen dann noch historischer mit „Mans Kamer/Hebincks Kamer“, benannt nach einer Walbecker Familie, die hier gewohnt hat, oder die „Marktkamer“ mit direktem Blick auf den Marktplatz.

Egal, für welches Zimmer ihr euch entscheidet, ihr dürft euch auf eine gelungene Verbindung zwischen Tradition und Moderne freuen. Bucht ihr eine Übernachtung, gilt der Zimmerpreis übrigens immer inklusive Frühstücksbuffet, WLAN und Parkplatz bzw. Fahrrad-Garagenplatz mit E-Bike-Ladestation. Ihr habt zusätzlich die Wahl zwischen einem Komfort-, Komfort plus-Doppel- oder Einzelzimmer sowie einem größeren Zimmer mit Wohn- und Arbeitsbereich und separatem Schlafzimmer.

Viel Liebe zum Detail

Als wir wieder im Erdgeschoss ankommen, zeigt Norbert mir noch den Caeciliensaal, der mit einer eigenen Bar ideal für Tagungen, Hochzeiten und weitere Feierlichkeiten ist, sowie die Fahrradgarage und den kleinen Park. Hier treffen wir auch auf Max, der 2-jährige Sohn von Norbert und Sarah, der uns auf dem Weg zum Restaurant begleitet. „In diesem Bereich haben wir zuletzt den Boden und die Tischplatten erneuert, haben aber versucht, dem „alten“ Stil treu zu bleiben, damit alles immer noch authentisch bleibt“, erklärt Norbert. Ergänzt wird das Ganze wieder mit vielen alten Fotos und Gemälden u.a. von dem niederrheinischen Künstler Reinhard Maria Bongartz.

Der feine Huchelspargel

Jetzt geht es für uns wieder raus in den Innenhof und werfe endlich einen Blick auf die Speise- bzw. Spargelkarte. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz eines Spargelfans höher schlagen lässt. Jeden Mittwoch (also sehr gut, dass wir heute hier sind) und Donnerstag steht sogar die Hausspezialität, der Huchelspargel, auf der Karte. „Das ist eine alte Sorte, die es seit 2007 wieder im Haus Deckers gibt und in den 50er-Jahren vom Spargelprofessor August Huchel in Walbeck gezüchtet wurde. 2015 haben wir dann einen Verein gegründet, um die alte Sorte zu erhalten und fast alle Spargelhöfe aus der Region bauen ihn an“, führt mich Norbert in die Welt des Huchelspargels ein. „Auch der WDR5-Foodjournalist und Radiokoch Helmut Gote hat diese besondere Sorte quasi geadelt und ihn als fein und elegant beschrieben. Wenn du ihn gleich probierst, wird dir auffallen, dass er nussig, leicht süßlich und einfach besonders schmeckt.“ Früher gab es hier jedes Jahr einen Huchelabend mit Kabarett, einem Vortrag, Besuch von der Spargelprinzessin und vielem mehr. Coronabedingt kann der in diesem Jahr leider nicht stattfinden, steht aber schon fest im Veranstaltungskalender 2022.

Gelebte Nachhaltigkeit

Da fällt meine Wahl natürlich auf den Huchelspargel im Duett mit Petersilienkartoffeln, zerlassener Butter und einem, wie kann es anders sein – Schnitzel. Als kleiner Schnitzel-Fan muss ich diese Gelegenheit natürlich nutzen. Malte entscheidet sich ebenfalls für ein Schnitzel mit Schmorzwiebeln, hausgemachten Kroketten und einem Salat. Während wir auf das Essen warten, erzählt uns Norbert, dass Regionalität und Saisonalität die beiden Grundpfeiler der Küche sind und besonders der Aspekt der Nachhaltigkeit bei Haus Deckers eine große Rolle spielt. „Alle Wurst- und Fleischwaren stammen von einem regionalen Metzger, der z.B. auch das Wild selber schießt, und auch Plastik ist aus Restaurant und Hotel komplett verbannt worden. Zusätzlich haben wir ein Blockheizkraftwerk im Keller und beziehen Ökostrom, nur ein paar Aspekte, die uns in Sachen Nachhaltigkeit wichtig sind“, betont Norbert weiter. „Auch unser Biowein-Anteil liegt aktuell bei 90 %, in Kürze schon bei 100 %, den wir übrigens direkt vom Winzer oder von Bioweinhändlern beziehen.“

Genuss pur

Aus dem Augenwinkel sehe ich auch schon die Kellnerin mit dem Essen und das sieht wirklich nicht nur phantastisch aus, sondern schmeckt auch so. Und auch das Schnitzel, da bin ich ja schon verwöhnt, kann einiges. Positiv überrascht war ich vor allen Dingen von dem Huchelspargel, der gar nicht mit normalen Spargel vergleichbar ist und wirklich tatsächlich sehr elegant schmeckt. Auch Malte ist von seinem Essen begeistert und schwärmt besonders von den hausgemachten Kroketten, die ich natürlich auch probieren muss. Wer übrigens zum Spargel kein Schnitzel mag, kann sich zwischen folgendem Beiwerk entscheiden: magerer, gekochter Hinterschinken; roher, westfälischer Knochenschinken; gemischter Schinken; Rührei; Schweinelendchen; Filetsteak; geräucherter Lachs; pochierter Lachs oder gebratener Zander.

„Ihr müsst im Sommer nochmal wiederkommen, dann haben wir wieder frische Heidelbeeren aus der Region und einen mega leckeren Heidelbeerpfannkuchen“, schwärmt Sarah „und auch im Herbst kann ich euch unsere Wildgerichte mit frischen Pfifferlingen empfehlen.“ Das hört sich doch toll an, habe ich mir auf jeden Fall gemerkt. Vielleicht kommen wir auch mal mit dem Fahrrad, denn das Knotenpunktsystem – Radeln nach Zahlen – ist hier in der Gegend sehr beliebt und viele Radfahrer nutzen das Haus Deckers als Ausgangspunkt für viele Touren.

Noch ein Tipp

Interessant sind auch die verschiedenen Arrangements, die Familie Deckers liebevoll zusammengestellt hat. Wie wäre es mit den Walbecker-Tagen im Dorfhotel – das Wochenend-Arrangement? Neben zwei Übernachtungen in einem der gemütlichen Hotelzimmer, habt ihr natürlich auch die freie Auswahl vom reichhaltigem Frühstücksbuffet, bekommt zwei Tage ein Leihfahrrad gestellt und gleich Karten für ausgewählte Rad- und Wanderrouten. Zusätzlich dürft ihr euch auf zwei Eintrittskarten für das Thermalbad in Arcen und auf eine Besichtigung der Steprather Mühle freuen. Kulinarisch werdet ihr selbstverständlich ebenfalls verwöhnt. Euch erwartet Freitagabend ein niederrheinisches 3-Gänge-Menü bei Kerzenschein in der Poststube und Samstagabend ein 4-Gänge-Menü mit zwei Hauptspeisen zur Auswahl und eine Flasche Wein aus biologischem Anbau. Das Ganze gibt es ab 179 Euro pro Person in der Kategorie II (mit Einzelzimmer-Zuschlag 24 Euro on top). Der Anreisetag ist freitags und das Arrangement gilt für Wochenenden außerhalb der Spargelzeit von Juli bis April.

Gut zu wissen

Über die aktuellen Corona-Regeln könnt ihr euch übrigens auf der Homepage informieren und die Küchenzeiten sind aktuell bis zum 24. Juni täglich von 11.30 bis 14 Uhr und von 17.30 bis ca. 21 Uhr, Sonntag bis 20 Uhr. Sonn- und feiertags ist die Küche durchgehend geöffnet. Das Restaurant selber hat aber bis 22.30 Uhr und Sonntag und Montag bis 21 Uhr geöffnet. Die Küchenzeiten ab dem 25. Juni bis Mitte April sind Montag, Dienstag und Freitag bis Sonntag von 11.45 bis 14 Uhr und von 17.45 bis 21 Uhr (Sonntag bis 20 Uhr).

Ausführliche Tipps, was ihr von hier aus alles entdecken könnt, findet ihr auf der Homepage von Haus Deckers. Hier ist nicht nur was für Sportliebhaber dabei, sondern auch für Radfahrer und Wanderer, aber auch für Kinder.

Aktuell empfiehlt sich natürlich auch ein Besuch bei den Spargellieferanten von Haus Deckers. So seht ihr nicht nur, wo die gute Qualität her kommt, sondern könnt auch an einer Hofführung teilnehmen (je nachdem, ob dies aktuell möglich ist) und im Hofladen noch etwas einkaufen gehen. Der Spargelhof Janßen an der Maasstraße ist nur einen Kilometer entfernt und der Spargelhof Dercks am Bosserweg nur 1,5 Kilometer.

Mehr über das Haus Deckers erfahrt ihr auch hier:

https://niederrhein-tourismus.de/gastgeber/posthotel-haus-deckers

 

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Über mich

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