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Besondere Wanderrouten – Teil 3: Neue Wildnis Dämmerwald in Schermbeck

19.03.2021

Unberührte Wildnis, reine Natur, echter Urwald und dazu jede Menge Informationen am Wegesrand, auch digital via App – hört sich doch wieder nach einer besonderen Wanderroute an, oder? Das alles findet ihr auf dem 2,6 Kilometer langen Erlebnispfad „Neue Wildnis Dämmerwald“ in Schermbeck. Hier soll sich ein alter Buchen- und Eichenwald künftig ohne menschliches Eingreifen auf 128 ha und auf ganz natürliche Weise entwickeln. Besucher können diese neue Wildnis hautnah kennenlernen und das Voranschreiten mitverfolgen. Neuierig?

 

Als ich das erste Mal von dem Dämmerwald gehört habe, hatte ich einen düsteren, irgendwie mystischen Ort vermutet. In Verbindung mit dem Begriff „Neue Wildnis“ dachte ich dann an die frühen Indiana Jones-Filme, sattes Grün, Wege, durch die man sich durchkämpfen muss… Was mich aber erwartet hat, war überraschend, abwechslungsreich, aber auch sehr informativ und ein ideales Ausflugsziel für die ganze Familie. Kleiner Tipp vorab, bevor es losgeht: Ladet euch die App „Wildnisgebiete-NRW“ am besten zu Hause schon runter, sowie die dortige Übersichtskarte mit den einzelnen Stationen.

Unser Startpunkt des barrierefreien Rundweges ist das sogenannte Wildnistor am Teufelstein an der Malberger Straße. Hier bekomme ich erste Informationen, was es mit dem Dämmerwald, deren Geschichte und dem Erlebnispfad auf sich hat. Auf einer großen Karte bekomme ich nicht nur eine gute Übersicht über das Gebiet, hier finde ich auch einen QR-Code, hinter dem sich ein kurzer Podcast verbirgt. Die zentrale Frage: Was passiert mit einem Wald, wenn man ihn der Wildnis überlässt? Und genau darum geht es hier, einfach die Natur erleben, wie sie wirklich ist und das u.a. mit Hilfe von Informationstafeln und „Fenstern“.

Fenster im Wald?

Ja, gemeint sind sogenannte Wildnisfenster von denen es insgesamt sechs Stück hier gibt. Diese geben Ein- und Ausblicke in die laufenden, spannenden und natürliche Prozesse inklusive Entwicklungsphasen, Wildnisstrukturen und Tierspuren. Dazu gesellen sich, wie schon erwähnt, Tafeln mit jeder Menge Informationen. Dazu, und was es dabei noch Besonderes zu entdecken gibt, später mehr.

Mein Fotograf Malte und ich beginnen unsere kleine Wanderung am Wildnistor, folgen dem Weg und achten dabei auf die kleinen grünen „Wildnis“-Schilder, die uns die Richtung durch den Erlebnispfad weisen. So geht es nach ein paar Metern schon nach rechts und auf der linken Seite taucht schon das erste Fenster mit dem Titel „Stockwerke des Waldes“ samt Tafeln als Holzkonstruktion auf. Ich muss mich erstmal orientieren und schaue mir alles in Ruhe an. Erklärt wird auf den Tafeln, welche Tiere eigentlich in den Kronen der Bäume leben, aber auch Zitate und Sprüche finde ich auf kleineren Tafeln, wie das von Aristoteles: „Denn die Natur tut, wie wir behaupten, nichts planlos.“

Aktiviere die App

Jetzt bin ich aber gespannt, was die App mir noch verrät und starte mit einem 360 ° Panorama, klicke auf „Panorama öffnen“ und entdecke so virtuell einen Baummarder, Pflanzen und Bäume, die ich aber zuerst suchen muss. Für einen Ausstehenden mag das was befremdlich wirken, dass ich mein Handy scheinbar unkoordiniert mal nach oben halte, mal nach unten, aber mir macht es total viel Spaß so auf Entdeckungsreise zu gehen. Noch eine Überraschung gibt es, wenn man die App auf die kleine Tafel unten links richtet und den ArtenScanner der App startet. Dann wird das dort gezeigte Tier, in diesem Fall ein Eichhörnchen, quasi lebendig und man sieht eine kleine Videosequenz dank Augmented Reality (= erweiterte Realität). So eine gut durchdachte Kombination aus Informationen vor Ort und der Möglichkeit diese via App zu ergänzen, habe ich bis jetzt so noch nirgends gesehen. Ich bin auf jeden Fall begeistert. 

Entspannung pur

Unser Weg führt uns noch ein Stück geradeaus weiter, bevor wir links abbiegen. Keine Sorge, auch auf diesen Richtungswechsel wird mit dem schon bekannten, grünen Schild hingewiesen. Mittlerweile, vor ein paar Jahren war das noch anders, finde ich es mega entspannend durch den Wald zu laufen, tief einzuatmen und so eine kleine Auszeit zu genießen. Dazu gibt es noch jede Menge zu beobachten, zu hören und auch zu riechen. Ja, der Wald hat einen ganz besonderen Geruch, der mich irgendwie beruhigt. Und das ist auch tatsächlich richtig, ich habe das recherchiert, und herausgefunden, dass der Geruch der natürlichen Duftstoffe des Waldes nachweislich Stress abbaut. Gerade im Frühling bekommen wir sogar ganz besonders viel von diesen Duftstoffen bei einem Besuch im Wald ab. Und, was ich noch ergänzen muss, der Dämmerwald ist keineswegs düster, wie vermutet, sondern sonnendurchflutet, hell und freundlich.

Viel zu entdecken…

Über einen kleinen, süßen und natürlichen Bach finden wir auch schon das nächste Fenster mit dem Thema „Wildnis aus Werden und Vergehen“. Die Tafeln hier geben einen Einblick in die verschiedenen Entwicklungsphasen des Waldes vom Wachstum bis zum Zerfall. Und genau das, könnt ihr auch sehen, wenn ihr durch die Fensterläden schaut. Das Tier, auf das hier einen besonderen Augenmerk gelegt wird, ist der Schwarzspecht. Hättet ihr gewusst, dass das auch der größte Specht Europas ist? Dank dem ArtenScanner der App kann ich übrigens sehen, wie dieser seine „Babys“ füttert.

Auf unserem weiteren Weg müssen wir noch einmal links abbiegen und hören immer wieder, total passend zum letzten Fenster, einen Specht bei der Arbeit. Leider sehen wir ihn nicht, aber dafür gibt es ein paar Meter weiter, wieder einiges zu sehen. Das nächste Fenster erklärt mehr über die „Strukturen zum Leben“. Hier öffne ich in der App nochmal das 360 ° Panorama und als erstes finde ich die Stechpalme, die ihr wahrscheinlich von Adventsgestecken kennt. Ihre Beeren sind übrigens für uns Menschen giftig. Mittels Augmented Reality und dem ArtenScanner der App wird hier die Gelbhalsmaus lebendig und entlockt mir ein kurzes „Oh“, weil sie so süß ist. Erst nachts wird sie so richtig munter, genauso wie die verschiedenen Fledermausarten, die auf der Rückseite der Tafel vorgestellt werden.

… und jede Menge zu lernen

Nach dem nächsten Fenster, ein paar Meter weiter, in dem es um die „Lebensgemeinschaften im Dämmerwald“ geht und u.a. die Waldschnepfe eine Rolle spielt, müssen wir links abbiegen. Vorbei an einer Lichtung gibt es gleich zwei Stationen mit Fenstern und Infotafeln. Was es hier zu entdecken gibt, verrate ich euch nicht, nur so viel – es bleibt spannend und ihr seht sogar eine kurze Kampfszene.

Wir folgen dem Weg weiter und sehen auf der rechten Seite hinter einem Zaun Dammwild, dass gerade entspannt in der Sonne liegt oder wahlweise steht. Am Zaun vorbei gibt es nur die Möglichkeit, wieder links abzubiegen und ab hier geht es immer geradeaus bis zu unserem Ausgangspunkt. Bevor wir wieder den Parkplatz erreichen, bemerke ich auf der rechten Seite eine größere Hütte mit jeder Menge Informationstafeln, u.a. zu den anderen Wald- bzw. Wildnisbewohnern. Zusätzlich erfahre ich auch mehr über die Hintergründe des Projektes, denn der Erlebnispfad-Projekt der Gemeinde Schermbeck ist in Kooperation mit Wald und Holz NRW entstanden und im Rahmen des Projektes WALDband der Regionale 2016 entwickelt worden. Gefördert wurde das 380.000-Euro-Projekt zu 60 Prozent durch das europäische LEADER-Programm. Die Planung, Redaktion und Gestaltung stammt von cognitio Kommunikation & Planung GmbH.

Gut zu wissen

Ihr könnt übrigens auch eine zweistündige Wildnisführung donnerstags um 15 Uhr buchen. Treffpunkt ist der Wanderparkplatz Teufelstein, unser Ausgangspunkt, und anmelden könnt ihr euch unter 0281-338320 oder per Mail an die wildnis.niederrhein@wald-und-holz.nrw. Kinder und Jugendliche zahlen nichts und Erwachsende fünf Euro pro Person.

Mein Fazit: Ich kann euch diesen Erlebnispfad nur ans Herz legen und ist perfekt für einen kleinen Familien-Ausflug. Wo ihr in Schermbeck noch wandern könnt, erfahrt ihr übrigens hier.

 

 

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

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