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Auf Entdeckungstour durch das schöne Moers

09.10.2020

Habt ihr schon mal eine Stadtführung in Moers gemacht? Ich durfte gleich zwei exklusive Führungen genießen und war mit zwei zauberhaften Damen unterwegs – mit Anne-Rose Fusenig in der Innenstadt und Christa Wittfeld im Jungbornpark. Ich hatte so viel Spaß, hab jede Menge über die größte Stadt des Kreises Wesel erfahren und am Ende hatte ich sogar Lehm an den Füßen… Neugierig? Dann lest unbedingt weiter!

 

Das Wetter zeigt sich heute zwar nicht von seiner besten Seite, aber wir haben ja auch schließlich Herbst und auch zu dieser Jahreszeit hat der Niederrhein jede Menge zu bieten. Meine Mission heute: Mehr über die schöne Stadt Moers zu erfahren und das zu Fuß. In einem meiner Blogbeiträge war ich schon mal zu Besuch im Grafschafter Museum im Moerser Schloss und durfte schon einiges über die Moerser Geschichte erfahren. Hier am Moerser Schloss ist auch mein Start- und Treffpunkt mit Anne-Rose Fusenig. Seit 2008 bietet sie jede Menge Stadtführungen für Erwachsene, aber auch für Kinder an. Ich komme heute in den Genuss einer „Best of“-Version aller Führungen, wie sie mir verrät, inklusives geschichtliches, ein bißchen Baumkunde im Schlosspark und viele Anekdoten aus der Alt- und Neustadt. Also aufgepasst… jetzt folgen meine Highlights… alles verrate ich euch aber nicht, das müsst ihr einfach selber erleben ;-)….

Das goldene Zeitalter von Moers

„Wir haben 42 Denkmäler hier in der Stadt und alle sind ein Stück Moerser Geschichte“, beginnt Anne-Rose die Führung. „Und das erste Denkmal steht direkt neben uns – die oranische Prinzessin und Nichte von Prinz Moritz von Oranien: Luise Henriette Kurfürstin von Brandenburg. Die Statue ist ein Symbol der oranischen Zeit von Moers von 1600 bis 1702. Denn mit Moritz von Oranien, dem Neffen der verwitweten Gräfin Walpurga von Neuenahr Moers, begann nach der Befreiung der Stadt von den Spaniern die goldene Zeit von Moers.“ Eine beachtliche Bronzestatue steht da vor mir, mit einem bestimmten Detail weiter unten – der Liebesgott Amor, der seinen Pfeil durch zwei Wappen schießt. „Das zeigt die Vermählung bzw. die Vereinigung zweier Häuser: Oranien und Brandenburg/Preußen. Luise Henriette hat den Kurfürsten von Brandenburg geheiratet. Ihr Sohn Friedrich I. – König in Preußen – beanspruchte später die Grafschaft Moers für sich“, erzählt mir die Stadtführerin weiter. „Ihn sehen wir übrigens auf dem Neumarkt, dort befindet sich sein Denkmal. Aber wir gehen erstmal in Richtung Grafschafter Musenhof und zum Rosarium.“

Der Grafschafter Musenhof

Beides befindet sich direkt um die Ecke vom Schloss und auf dem Weg erzählt mir Anne-Rose, dass genau an der Stelle der mittelalterlichen Spiel- und Lernstadt – der Grafschafter Musenhof – 1803 die Baumwollspinnerei des Fabrikanten Friedrich Wintgens stand. Er ließ nicht nur das verfallene Schloss damals wieder herrichten, sondern verschönerte Moers weiter mit einem wunderschönen Rosengarten und dem heutigen Schlosspark. „Aber dazu erzähle ich dir vor Ort mehr. Ich muss dir erst erzählen, was man hier im Grafschafter Musenhof erleben kann“, lächelt Anne-Rose. „Hier können Kinder bis 12 Jahren spielerisch mehr über das Leben in Moers im Mittelalter erfahren und Einblicke in eine Töpferei, einem Backhaus, einer Schmiede, einem bürgerlichen Fachwerk-Wohnhaus und vielen weiteren Stationen bekommen.“ Geöffnet ist dieses tolle museumspädagogische Angebot von April bis Oktober nicht nur für Schulklassen und Kindergärten, sondern auch für Familien samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 9 bis 14 Uhr.

Das Rosarium

Ein paar Meter weiter erreichen wir das Rosarium – ein prachtvoller Rosengarten, der seit zehn Jahren von ehrenamtlichen Damen jeden Mittwochmorgen gepflegt wird, eine davon ist auch Anne-Rose. Es gibt sogar eine eigene Rosenführung, bei der Anne-Rose in die Rolle der Frau Hedwig Wintgens schlüpft und mehr über die Geheimnisse der Königin der Blumen verrät. Aber eines verrät sie mir dann doch schon mal: „Die Urfarbe der Rose ist weiß, aber weißt du, wieso es auch rote Rosen gibt? Es gibt verschiedene Mythen, aber eine besagt, dass die Liebesgöttin Aphrodite einst zu ihrem sterbenden Geliebten eilte, dabei in die Dornen der Rosen trat und ihr Blut färbte die weißen Rosen rot.“ Spannend und nur einer der vielen Legenden, die sich um die Entstehung der roten Rose ranken. Wenn ihr mehr erfahren wollt – bucht bei Anne-Rose Fusenig unbedingt die Tour „Rosen, Düfte und Mythen“. 

Der Schlosspark

Vom Rosarium geht es weiter in den Schlosspark – einer der schönsten Landschaftsgärten am Niederrhein. Ja, richtig gelesen! Der Schlosspark wurde von Fabrikant Friedrich Wintgens 1836 als englischer Landschaftsgarten angelegt, alles sollte also ganz natürlich wirken, so, als ob s die Natur geschaffen hat. „Das Besondere hier: Friedrich Wintgens war ein großer Baumliebhaber und so findet man jede Menge exotische Bäume aus Übersee im Park. Einer davon ist die Sumpfzypresse hier vorne. Fühl mal, der Stamm ist ganz warm, auch im Winter ist das so“, erklärt mir Anne-Rose. „Da der Baum viel Wasser benötigt, das hier aber nicht bekommt, hat er so genannte Kniewurzeln entwickelt. Über diese zieht er sich die Feuchtigkeit aus der Luft.“ Auch ein original Mammutbaum aus Mittelamerika – der heilige Baum der Indianer – ein paar Wege weiter, ist ein echtes Highlight. Besonders fies sind aber die „Blätter“, denn diese ähneln eher Nadeln und haben kleine Widerhaken, also nicht unbedingt anfassen. 😉 „Wenn deine Leser mehr über die Bäume und den Park erfahren wollen, habe ich eine spezielle Baumführung im Angebot“, lacht Anne-Rose.

Bevor wir uns langsam der Alt- und Neustadt nähern, zeigt mir Anne-Rose noch ein paar Denkmäler und erzählt mir, dass Moers früher ohne die oranische Befestigungsanlage um die Stadt und Schloss von viel Wasser und sumpfigem Gebiet umgeben war. Der ganze Befestigungswall misst knappe frei Kilometer. Noch heute sind die Verteidigungsinseln der Befestigungsanlage im Wasser führenden Stadtgraben erhalten. „Die Befestigungsanlage wird in diesem Jahr 400 Jahre alt, da habe ich eine eigene Führung zu kreiert – Geheimnisvoller Festungsbau“, verrät Anne-Rose. 

Die Alt- und Neustadt

Unser Weg führt uns jetzt in die so genannte Neustadt in Richtung Fiesel- und Haagstraße. Vorbei an alten oranischen Häusern aus dem Jahr 1640 und typischen Fachwerkhäusern, die heute nach außen verputzt sind, biegen wir plötzlich in eine Art Hinterhof in eine winzige Gasse ab. „Das ist die Brandgasse und schau mal nach oben, da siehst du jede Menge Zwerge, die an alte Berufe erinnern sollen. Gefertigt hat das vor 100 Jahren in Zeiten der Inflation ein Stuckateur und Maurer aus Moers“, weiß Anne-Rose. „Neben dem Schultheiß (= der heutige Gerichtsvollzieher) sieht man hier den Schornsteinfeger, aber auch den Gärtner und Nachtwächter. Der Bierbrauer wird hier auch gezeigt, immerhin gab es früher in Moers 13 Bierbrauereien. Eine davon war hier sogar ganz in der Nähe.“

Alte Pumpen an Wegkreuzungen, das alte Klompenhaus, in dem früher Holzschuhe für die Moerser gefertigt wurden, das erste Lichtspielhaus, in dem damals Schattenspiele aufgeführt wurden und viele weitere Orte, die die Geschichte von Moers erzählen, passieren wir und führen uns weiter in die so genannte Altstadt. Wie schon anfänglich kurz erwähnt, begegnen wir hier auch dem Denkmal von Friedrich I. – König in Preußen –, das im Jahr 1902 die 200-jährige Zugehörigkeit von Moers zu Preußen symbolisiert. Auch ein paar Schritte weiter auf dem Altmarkt erinnert eine mächtige Säule mit einem Adler an die damalige Zugehörigkeit zu Preußen.

Ich finde es so spannend, Anne-Rose zuzuhören, mehr über die Geschichte von Moers zu erfahren und dabei die frische Luft zu genießen. Besonders gefallen mir die vielen kleinen Anekdoten, die Anne-Rose mir erzählt, wie z.B. die Justitia-Figur, die nicht in einem Gerichtsgebäude, sondern in einer Fensternische am Haus des ehemaligen Eichmeisters steht, und um die ein heftiger Besitzkampf entbrach. Oder dass ein Vater seine Töchter nicht unter die Haube bekam und kurzerhand die Abbilder ihrer Gesichter an ihr Haus anbringen ließ und zack waren sie verheiratet.

Kurz: Meine Zeit mit Anne-Rose verging wie im Fluge und endet für mich in der Nähe des Hanns-Dieter-Hüsch-Platzes, der Pionier des Kabaretts und Moerser Junge, der in Moers sogar als Ehrenbürger beerdigt wurde. Vielen Dank an dieser Stelle an Anne-Rose Fusenig für die vielen tollen Einblicke in deine Heimat und in die Geschichte von Moers! Ich komme definitiv wieder!

Der Jungbornpark

Mein Moers-Entdeckungs-Tag ist aber noch lange nicht zu Ende. Ich darf mich noch mit Stadtführerin Christa Wittfeld in Moers-Repelen treffen und zwar am Jungbornpark bzw. am Felke-Museum. Kurz mit dabei ist auch die Schriftführerin des Felke-Vereins, Marlies Stichel, die allerdings noch zu einer Sitzung weiter muss, mich aber kurz noch begrüßen wollte – total lieb. Total lieb und herzlich ist auch Christa Wittfeld. Auch wir duzen uns sofort und sie erzählt mir mit viel Liebe zum Detail, was es mit dem Felke-Museum und dem Pastor Felke auf sich hat. „Kennst du die alte Repelener Methode?“, fragt mich Christa. Da ich das verneinen muss, gibt es direkt die Lösung von ihr: „Diese Methode hat damals Pastor Felke entwickelt und umfasste Luft, Licht, Wasser, Lehm, viel Sport und eine fleischlose Ernährung. Moers-Repelen war um 1894 sogar ein Weltkurort und der Jungbornpark Zufluchtsort für viele kranke Menschen und solche, die Erholung suchten.“ Wahnsinn! Die damaligen Kurmethoden passen ja quasi perfekt in die heutige Zeit. „Ja, das stimmt Pastor Felke war damals seiner Zeit voraus und seine Methoden damals eine Sensation.

Das Felke-Museum

Komm wir gehen mal ins Felke-Museum, das ist übrigens ein Nachbau einer Licht-Luft-Hütte, wie sie damals auch hier gestanden hat.“ Etwas klein, aber durchaus gemütlich, würde ich sagen. Hier sehe ich aber nicht nur jede Menge Holz an den Wänden, sondern auch viele Bild- und Schrifttafeln und Vitrinen voller Exponate. „Die haben uns die Repelener Bürger alles gebracht. Sogar eine Original-Brille gibt es hier und die berühmte Felke-Mütze, um seinen Kopf vor der Sonne zu schützen, schon damals eine Art Merchandise-Produkt des Weltkurortes“, lacht Christa.

Vor dem Museum befindet sich ein kleiner Heil- und Kräutergarten. „Pastor Felke hat damals die Kräuterheilkunde von dem berühmten Pfarrer Kneipp übernommen und viele Tees kreiert“, erzählt mir Christa. „Er war aber auch Kenner der Iris-Diagnose, ein Stützpfeiler seiner Behandlungsmethoden. Im Auge konnte er sehen, was der Mensch für Krankheiten hat oder was ihm fehlt. Aber Lehm war sein wahres „Antibiotikum“, das die Giftstoffe aus dem Körper zieht. Und genau das probieren wir jetzt mal im Barfußpfad aus.“ Okay, darauf war ich nicht vorbereitet und ganz so passend bin nicht angezogen… aber das krieg ich schon hin!

Der Barfußpfad

Jetzt heißt es Schuhe und Socken aus, Hose hochkrempeln und rein in den zwei Kilometer langen Barfußpfad, der vor genau zehn Jahren eröffnet wurde. „Hier treffen Tradition und Moderne aufeinander und man kann die neue Repelener Methode erleben – Licht, Luft, Wasser und Lehm“, erklärt mir Christa das Konzept. „Barfuß durch die Natur, die Elemente mit allen Sinnen genießen, gepaart mit ausreichender Bewegung – das ist es, was Pastor Felke schon den Menschen damals näherbringen wollte.“ Kaum hat Christa das Wort „Bewegung“ ausgesprochen, verpflichtet sie uns kurzerhand zu einer Runde Heilgymnastik. Aber nicht nur ich darf ran, sondern auch mein Fotograf Malte, der gleich den kompletten Barfußpfad ebenfalls testet. Es hat aber auch Spaß gemacht, seine Runden durch Glas (keine Sorge, es war abgerundetes Glas), unterschiedliche große Kieselsteine (die großen sind etwas unangenehm), Mulch, Sand und Holzstämmen zu drehen. Das Wassertretbecken musste ich klamottenbedingt kurz auslassen, aber Malte hat es für mich getestet. Sein Fazit: Es ist kurz frisch, aber tut gut!

„Jetzt musst du ins Lehmbecken. Hier schleicht man durch und jeden Morgen wird dieser wieder aufgequirlt“, lädt mich Christa ein. Ich muss es zugeben! Etwas Überwindung hat es mich schon gekostet. Ich bin nicht so ein Freund davon, nicht zu sehen, worauf ich da trete, aber es ging tatsächlich. Es war sehr weich und angenehm auf der Haut. Aber gut, dass direkt neben dem Becken eine Möglichkeit war, seine Füße mit Wasser zu reinigen. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle für die herzliche Führung an Christa Wittfeld: Es war mir eine große Freude!

Ihr wollt den Barfußpfad auch mal testen? Der Eintritt beträgt drei Euro pro Person und der Bereich ist täglich im April bis Oktober von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Und es lohnt sich total! Die perfekte kleine Auszeit vom Alltag!

Und wenn ihr jetzt auch mal mit Anne-Rose Fusenig, Christa Wittfeld oder mit einem der anderen Stadtführer Moers von einer ganz anderen Seite erleben wollt, dann besucht die Stadtinformation Moers an der Kirchstraße 27a/b, ruft direkt an unter 02841-882260 oder schaut auf die Homepage unter www.moers-stadtportal.de oder www.moers.de

Auch hier gibt es weitere Infos, was euch noch alles beim Stadtmarketing erwartet:

https://niederrhein-tourismus.de/freizeit/stadtmarketing-moers

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

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