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Xanten und sein SiegfriedMuseum

23.08.2019

Ein Streifzug durch die Geschichte

Während ich in einem meiner ersten Blogeinträge mit dem Freizeitzentrum Xanten beweisen durfte, dass man in der Römerstadt jede Menge Spaß und Action haben kann, freue ich mich, dass ich heute Xanten mal von seiner kulturellen und geschichtsträchtigen Seite zeigen darf. Mein Ziel: das SiegfriedMuseum! Mitten in der schönen, historischen Altstadt im Schatten des Doms gelegen, dreht sich hier alles um das Nibelungenlied und um Siegfried, dem Königssohn aus Xanten. Dank der Museumsleiterin Anke Lyttwin bekomme ich heute nicht nur eine exklusive Führung, sondern darf auch ein bisschen hinter die Kulissen schauen…

Schon bei meinen ersten Schritten im Museum schwelge ich in Erinnerungen. Als ich Germanistik studiert habe, war eins meiner Nebenfächer Mediävistik – ältere deutsche Literaturwissenschaften –, und das Thema meiner mündlichen Abschlussprüfung war tatsächlich das Nibelungenlied bzw. die beiden Königinnen Kriemhild und Brünhild im Vergleich. Das ist zwar schon ein paar Tage her, aber es ist schön, dass ich einen Teil aus meiner Vergangenheit nochmal erleben und neu entdecken darf.

Mittelalter live erleben

Im Siegfriedsaal treffen wir uns mit der Museumsleitung Anke Lyttwin. Hier finden nicht nur Kreativ-Programme wie „Haube und Gewand – eine mittelalterliche Modenschau für Kinder und Erwachsene“ statt, sondern auch Kindergeburtstage mit dem kleinen Drachen Faffi. Die wirklich zauberhafte Handpuppe, die ich auch kurz kennenlernen darf, ist übrigens auch bei allgemeinen Führungen speziell für Kinder im Einsatz und begleitet die Kinder durch das Museum. „Wir verstehen uns als lebendiges Museum und bieten einen spannenden und unterhaltsamen Mix aus Ausstellung und Begleitprogram“, erklärt mir Anke Lyttwin das Konzept. „Mit dem Nibelungenmythos erreichen wir Menschen vom Vorschulalter bis zum Senioren und sprechen mit unserem Konzept alle Altersstufen an. Neben Kooperationen mit Schulen gibt es bei uns z.B. auch Mitmachführungen wie „An Siegfrieds Hof“, bei denen man direkt das mittelalterliche, zivile Leben nachspielen kann. Ein oft gebuchtes Highlight ist bei uns auch die Kombiführung „Spurensuche im Fall Siegfried – Tatort Xanten: dem Mythos durch Stadt und Museum auf der Spur“.“

Bevor es in Richtung Ausstellung geht, darf ich mich kurz selbst in Welt des Mittelalters stürzen. Zusammen mit Anke Lyttwin durchstöbere ich die alten Truhen, die prallt gefüllt ist mit originalgetreuer mittelalterlicher Mode und Accessoires. Kopfbedeckungen & Co. sind hier fein säuberlich in Leinentücher gewickelt, genauso, wie es früher auch gehandhabt wurde. Ich probiere gleich zwei Kopfbedeckungen auf, einen schwarzen Hennin, passend zu meinem Kleid, und auch eine königliche Variante, wie ihn Kriemhild in einer illustrierten Handschrift getragen hat. Beim Aufziehen bekomm ich allerdings von der Museumsleiterin etwas Unterstützung. Das Aufziehen ist nicht so einfach, wie man denkt, und ehrlich gesagt auch etwas schwerer auf dem Kopf, als man vielleicht vermutet. „Wir versuchen das Nibelungenlied einfach greifbar zu machen und arbeiten ständig daran, auch aktuell zu bleiben. Es wird sogar eine App geben, in der man Fragen beantworten und das Museum quasi interaktiv entdecken muss“, ergänzt die Anke Lyttwin, die schon seit sieben Jahren das SiegfriedMuseum leitet. Im Herbst kommen nicht nur neue Exponate, auch das Museum selbst wird dann wieder etwas umgestaltet bzw. angepasst – ein ständiger „Work in Process“. Auch neue Erkenntnisse, neue Verflechtungen mit dem Niederrhein und neue Interessen der Besucher müssen natürlich eingebunden werden. So wird z.B. auch eine Verbindung zum Fantasy-Epos und Serien-Highlight „Game of Thrones“ hergestellt. Wie genau das aussieht – ihr dürft gespannt sein!

Auf den Spuren der Nibelungen

Nach meinem kleinen, mittelalterlichen Exkurs geht es direkt in die Ausstellung. Hier begegne ich dem aktuell ältesten Exponat der Ausstellung – einer Sandsteinfigur aus dem 14. Jahrhundert: dem Stadtpatron St. Viktor. Er ist der Namensgeber der katholischen Pfarr- und ehemaligen Stiftskirche in Xanten, die allerdings wegen ihrer Bedeutung und Größe oft nur als Xantener Dom bezeichnet wird. Geht es im ersten Raum also um Xanten und die Herkunft des strahlenden Helden und Drachentöters Siegfried, wird in der Ausstellung auch das Nibelungenlied in den Medien durchleuchtet. Es gab sogar eine Comic-Verfilmung und eine nicht ganz jugendfreie Umsetzung des Epos. Denn obwohl das Nibelungenlied schon um 1200 niedergeschrieben wurde, ist die Geschichte um Liebe und Hass, Treue und Verrat auch heute noch absolut zeitlos.

„Das Museum beherbergt insgesamt Ausstellungsstücke aus 600 Jahren Nibelungenrezeption und umfasst 1.500 Jahre Wirkungsgeschichte und das auf zum Teil überbauten, historischen Gebäuderesten“, erzählt mir die Museumsleiterin auf dem Weg zu einem geheimen Verbindungsgang aus dem 14. Jahrhundert zum mächtigen Meerturm, der ursprünglich zur spätmittelalterlichen Stadtbefestigung gehörte und als Gefängnis diente. Hier erreichen wir u.a. die mittelalterliche Schreibstube, in der es um die Niederschrift des Nibelungenliedes geht. Auch hierzu bietet das SiegfriedMuseum Workshops zur Einführung in die Schrift- und Schreibkultur des Mittelalters an. Überall in der Ausstellung befinden sich zahlreiche Objekte zum Thema Buchkunst. Angefangen von einer Faksimilehandschrift des Nibelungenliedes, über zahlreiche gedruckte Ausgaben bis zu wunderbaren illustrierten Büchern. Und ein paar Highlights darf ich mir jetzt exklusiv anschauen, die in einem Archiv unter Verschluss stehen und nur mit weißen Baumwollhandschuhen berührt werden dürfen. „Einige Exponate warten hier noch auf ihre Ausstellung, einige andere wurden ausrangiert oder müssen restauriert werden“, fügt die Museumsleiterin hinzu. Neben Sammeltellern von Hutschenreuther entdecke ich hier auch satirische Kunst und viele, vor allen Dingen, alte Bücher – eine absolut beeindruckende Sammlung. Das Lieblingsexponat von Anke Lyttwin ist übrigens eine gebundene Ausgabe des Nibelungenliedes, illustriert von dem Maler Josef Sattler von 1904, von denen es nur 200 Stück weltweit gibt. Bevor unser Rundgang leider schon vorbei ist, thematisiert das SiegfriedMuseum auch die politische Vereinnahmung des Nibelungenliedes. Während der beiden Weltkriege wurde das Nibelungenlied für Propagandazwecke missbraucht. Danach erlebte das Nibelungenlied eine Renaissance – Theater, Hörspiel, Film, Comics – und so schließt sich der Kreis auch im SiegfriedMuseum, denn jetzt befindet man sich wieder in einem der ersten Räume der Ausstellung.

Ihr möchtet jetzt selbst auf Entdeckungsreise gehen? Geöffnet ist das SiegfriedMuseum von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr (April-Oktober, 10 bis 17 Uhr November-März), Samstag, Sonntag und am Feiertag von 10 bis 17 Uhr. An jedem 2. Mittwoch des Monats gibt es einen langen Museumstag, dann ist von 10 bis 21.30 Uhr geöffnet. Kinder und Jugendliche unter 18 haben freien Eintritt und Erwachsene zahlen vier Euro.

Weitere Infos findet ihr wieder hier:

https://niederrhein-tourismus.de/auszeit/siegfriedmuseum-xanten

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

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