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Von Xanten bis Nimwegen auf der Via Romana: 260 Kilometer römische Geschichte

10.09.2021

Kennt ihr den grenzüberschreitenden Radfernweg Via Romana? Die 260 Kilometer lange Strecke wollte ich schon immer einmal fahren und jetzt ist endlich die perfekte Gelegenheit. Achtung Spoiler: Die komplette Strecke habe ich nicht absolviert, aber auf einer verkürzten Strecke und in charmanter Begleitung jede Menge abwechslungsreiche, niederrheinische Landschaft und römische Geschichte erleben dürfen. Meine Highlights der Strecke verrate ich euch hier…

 

Bevor ich euch mehr über meine Erlebnisse auf der Tour erzähle, gibt es eine kleine Einführung in die Welt der Via Romana. Die grenzüberschreitende Rundroute auf der antiken Limesstraße der Römer wurde 1992 zum Leben erweckt und führt 260 Kilometer von Xanten über Kalkar, Bedburg-Hau, Kleve und Kranenburg und auf der niederländischen Seite weiter nach Berg en Dal, Mook en Middelaar, Cuijk, Nimwegen und wieder zurück. Das Besondere auf diesen Radfernweg sind die zahlreichen Sehenswürdigkeiten aus der Römerzeit, gepaart mit einer wunderschönen, vielseitigen Landschaft.

Mehr über die Via Romana

Hättet ihr gewusst, dass der Süden der Niederlande mehrere hundert Jahre lang zum Römischen Reich gehörte? Und die Grenze zwischen dem Römischen Reich im Süden und den germanischen Stämmen im Norden in dieser Gegend der Niedergermanische Limes bildete? Somit verband die Limesstraße, die wir heute auf der Via Romana erkunden dürfen, nicht nur Siedlungen und Kastelle miteinander, sondern war einer der wichtigsten Handels- und Heeresstraßen in der Römerzeit. Das Gebiet umfasste auch zwei wichtige große niederrheinische Römersiedlungen: Ulpia Noviomagus Batavorum (das heutige Nimwegen) und die Colonia Ulpia Traiana (bei Xanten gelegen). Damals wie heute finden sich entlang der Limesstraße historische Städte, Schlösser, Gartenanlagen, Kirchen, Kunstwerke und kulturelle Sehenswürdigkeiten, die entdeckt und erkundet werden wollen.

Unterwegs auf der Via Romana bieten sich zahlreiche Zwischenstopps in den Gaststätten und Cafés am Wegesrand an, die ebenso jede Menge Abwechslung bieten. Und wenn ihr nicht die komplette Strecke fahren möchtet, könnt ihr euch auch für kürzere Etappen entscheiden. Hierbei hilft auch gerne die Tourist Information der Stadt Kleve weiter, die ihr direkt am Minoritenplatz findet.

 

 

Unser Startpunkt: Rilano Hotel Cleve

Wie schon kurz verraten, sind mein Fotograf Malte und ich nicht allein unterwegs und werden auf einem Teil der Strecke von Martina Gellert begleitet, die Tourismus-Teamleiterin bei der Wirtschaft & Tourismus Stadt Kleve GmbH. Mit ihr treffen wir uns am Rilano Hotel Cleve und hier leihen wir uns auch direkt einfach und unkompliziert wieder die schönen grünen NiederrheinRäder, die uns ja schon auf viele Touren treue Dienste geleistet haben. Das Hotel dient auch als NiederrheinRad-Station und bietet diesen Service nicht nur für Hotelgäste, sondern auch für Besucher an.

Bevor wir starten, bekommen wir von Martina nicht nur eine praktische Übersichtskarte der kompletten Via Romana mit allen wichtigen Informationen, sondern auch noch etwas Nervennahrung in Form von kleinen Pralinen von der Klever Schokoladenmacherei. Mein klarer Favorit: die Sorte Nougat mit Rosenpfeffer. Wenn ich wieder ihn Kleve bin, weiß ich auf jeden Fall, wo mich mein erster Weg hinführt.

 

 

Vom Rilano Hotel Cleve aus führt uns der erste Weg auf die 2019 eröffnete Europar-Radbahn, vorbei an den Schienen der Grenzland-Draisine, bis zu den barocken Gartenanlagen. Hier müssen wir natürlich einen kurzen Fotostopp einlegen und genießen einen perfekten Blick auf das Amphitheater am Springenberg. Zu verdanken haben wir diese Anlage aus dem 17. Jahrhundert übrigens Johann Moritz von Nassau-Siegen, dem brandenburgischen Statthalter im Herzogtum Kleve. So setzte er sich nicht nur selbst ein Denkmal, sondern seine Anlage diente auch als Anregung für die Gärten in Versailles.

 

 

Nächster Stopp: Das Museum Forum Arenacum

Von hier aus geht es weiter durch Rindern über die Hohe Straße. „Übrigens reicht Rinderns Geschichte bis weit in die römische Zeit hinein. Der Ort war damals ein kleines Heerlager direkt an den Verbindungswegen zwischen Nimwegen, Xanten und Köln und auch Ausgrabungsfunde in Rindern selber bezeugen diese römischen Spuren, die man sich u.a. im Museum Forum Arenacum anschauen kann“, erklärt uns Martina schon auf dem Weg. Und genau das ist auch unser nächstes Ziel.

In dem 2002 eröffnete Museum sind wir mit Josef Gietemann vom Heimatverein Rindern Arenacum e.V. und dem ehrenamtlichen Museumsleiter Frank Mehring verabredet. Auf fast 300 Quadratmetern könnt ihr hier nicht nur römische, sondern auch fränkische Funde aus Rindern und Umgebung entdecken.

 

 

Los geht unsere kleine Führung im Erdgeschoss mit einem der größten Exponate des Museums, einer Nachbildung des Mars-Camulus-Stein. „Das Original befindet sich in der Kirche St. Willibrord gleich um die Ecke, da gehen wir auch später nochmal hin“, beginnt Josef Gietemann. „Entstanden ist der Stein etwa 70 nach Christus. Er stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Nero. Da dieser durch seine Schreckensherrschaft bekannt war, bekam der Stein den Namen Tiberius Claudius Caesar Augustus, bezogen auf den römischen Kaiser Claudius, der gutmütigere Vorgänger von Nero. Der Name „Nero“ wurde sogar auf dem Stein entfernt, was auf dem Original-Stein deutlich zu erkennen ist.“

 

 

Zu den weiteren Highlights im Museum gehören auch Münzen und Gebrauchsgeschirr aus dem römischen Reich, Schiffsfunde aus dem Spyck und Bronzefunde aus Düffelward, zu denen Josef jede Menge zu erzählen hat. Besonders ins Auge fällt mir auch die römische Fußbodenheizung. Denn nicht nur römische Badehäuser wurden seit dem 1. Jahrhundert vor Christus mit diesem ausgeklügelten Heizsystem erwärmt, auch Wohnräume, Häuser und Villen. „Der hierbei verwendete 1.800 Jahre alte Beton war übrigens deutlich besser, als der, der heute im Einsatz ist“, lacht Josef.

Zusätzlich komplettieren römische Funde aus einem Teil der größten Privatsammlungen in NRW von Helmut Langfeld die Ausstellung, weitere Exponate aus Rindern aus der Fürtjes-Sammlung und auch einige Stücke von Joseph Beuys, der in Kleve-Rindern aufgewachsen ist. Sogar sein Kinderbett und Jugendzimmer lassen sich derzeit in einer Sonderausstellung bestaunen. Geöffnet ist das Museum sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

 

 

Mehr Zeugnisse römischer Geschichte

Vom Museum aus folgt, wie kurz schon angedeutet, ein kurzer Abstecher in die St.-Willibrord-Kirche. „Vor kurzem haben wir hier 1.300 Jahre St. Willibrord gefeiert“, erzählt mir Josef auf dem Weg in die Kirche und hält kurz an einer schönen Platte inne, die links außen an der Kirche angebracht ist. „Dieses besondere Jubiläum haben wir mit einer schönen Platte verewigt, die die Entstehungsgeschichte der Kirche nochmal zusammenfasst.“ Als wir die Kirche betreten, fällt mir sofort der Mars-Camulus-Stein auf, der ganz am Ende der Kirche präsent und dennoch ganz unaufdringlich dar steht. Bis er dort seinen Bestimmungsort wiedergefunden hatte, wurde er schon an einigen Orten in Kleve zur Schau gestellt. Er thronte u.a. im früheren Antiquitätensaal der Schwanenburg, war dann bis 1969 im Innenhof dieser zu finden und wurde dann vom damaligen Pastor der St. Willibrord Kirche in die Kirche zurückgeholt und heilig einige Reliquien eingemauert.

Leider endet hier auch schon unsere kleine Zeitreise in Rindern und unsere Rückfahrt über den Drususdeich führt an der Wasserburg Rindern vorbei, ein ehemaliger Herrensitz und heutiges Bildungs- und Tagungshaus in Trägerschaft des Bistums Münster. Auch die Landschaft ist bis zum Rilano Hotel Cleve sehr abwechslungsreich und überall gibt es etwas zu entdecken. An dieser Stelle auch an großes Dankeschön an Martina für die tolle Begleitung.

Weitere Highlights der Via Romana…

Unser Weg entlang der Via Romana führt uns jetzt aber weiter zu ganz besonderen Orten am Niederrhein, die ich schon teilweise kennenlernen durfte und ich euch nicht vorenthalten möchte.

 

 

Bedburg-Hau

Der nächste Ort ist nämlich Bedburg-Hau. Hier lohnt sich ein Besuch im Museum Schloss Moyland samt Parkanlage. Aktuell zeigt sich ein ganz bestimmter Bereich im Park von seiner schönsten Seite – der Hortensiengarten. Noch bis in den Herbst rein könnt ihr hier mehr als 2.500 Pflanzen aus über 530 unterschiedlichen Hortensiensorten bewundern, die jetzt in voller Blüte stehen. Aber auch der Skulpturen- und Kräutergarten solltet ihr genauso fest bei eurem Besuch einplanen, wie einen Rundgang durchs Museum. Dieses beherbergt wechselnde Ausstellungen sowie die weltgrößte Sammlung von Arbeiten des Künstlers Joseph Beuys.

Die Ausstellung „Joseph Beuys und die Schamanen“ zum Beuys-Jahr 2021 ist gerade bis zum 19. September verlängert worden. Sie bietet einen Einblick in das Werk von Beuys, den es so bisher noch nicht gegeben hat. Es gibt sogar eine Museums-App mit einem Quiz zur Ausstellung sowie die grenzüberschreitende Spiele-App „Sofias Smuggeling“. Kurz: das perfekte Ziel für die ganze Familie.

Kalkar

Von hier aus führt die Via Romana weiter in die Hansestadt Kalkar. Einer der Hotspots hier: Der historische Marktplatz mit den tollen Treppengiebelhäusern, dem gotischen Rathaus und der alten Gerichtslinde mit einer tollen gastlichen Atmosphäre, nostalgischem Charme und gastronomischer Vielfalt.

Das Juwel von Kalkar ist aber die berühmte Nicolai-Kirche mit den neun weltberühmten Eichenschnitzaltären und bedeutenden spätgotischen Skulpturen.

Auch das Freizeitangebot in Kalkar ist enorm: Neben der historischen Stadtwindmühle, dem Freizeitpark Wisseler See, der Rheinpromenade Grieth mit Fährstation, gleich drei Museen (Städtisches Museum Kalkar, Stiftsmuseum Wissel, Heimatmuseum Grieth) und der Möglichkeit Stadt-, Rad- und Themenführungen zu buchen, ist die Hansestadt auch Heimat vom Wunderland Kalkar, das ich auch schon für euch besuchen durfte.

 

Xanten

Der nächste Halt der Via Romana ist die Stadt Xanten, die auf 2.000 Jahre bewegte Geschichte zurückblicken kann. Die Überreste der ehemaligen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana Stadt könnt ihr vor allem im Archäologischen Park Xanten des LVR und im RömerMuseum bewundern. In Deutschlands größtem archäologischen Freilichtmuseum mit beeindruckenden, rekonstruierten antiken Bauwerken und besonderen Exponaten erwacht die römische Vergangenheit gekonnt zum Leben. Mein Tipp: Probiert auch im RömerMuseum mal die grenzüberschreitende Spiele-App Sofias Smuggeling aus. Das habe ich auch schon erfolgreich getan und hatte jede Menge Spaß dabei.

Auch die historische Xantener Innenstadt mit seinen zahlreichen Cafés, Restaurants und gemütlichen Gassen ist ebenfalls einen Besuch wert. Hier gehören definitiv der Dom St. Viktor, eine romanisch-gotische Stiftskirche mit Wurzeln in römischer Zeit, das StiftsMuseum und das SiegfriedMuseum auf eure Agenda. Beide Museen konnte ich mir auch schon ansehen und so noch viel mehr über die Geschichte von Xanten erfahren.

Besonders angetan hat es mir auch der barrierefreie Kurpark, angelegt in den ehemaligen Wallanlagen rund um die Stadt, mit einem Gradierwerk, einer Kneippanlage, einem großen Spielplatz und vielen weiteren Highlights.

Nicht zu vergessen sind auch die Bislicher Insel, ein Naturschutzgebiet in der Auenlandschaft des Rheines, und die Xantener Nord- und Südsee mit Urlaubsfeeling, die ich ebenfalls schon erkundet habe.

Kranenburg

Auch Kranenburg ist Teil der Via Romana und gleichzeitig idealer Ausgangspunkt für erlebnisreiche Rad- und Wandertouren. Wenn ihr etwas Zeit mitbringt, könnt ihr hier eine Fahrt mit der Grenzland Draisine auf der ehemaligen Bahnstrecke Kleve – Kranenburg – Groesbeek machen und Kranenburg bzw. den Niederrhein von einer neuen Seite kennenlernen.

Ebenfalls zu empfehlen: ein Besuch in den historischen Ortskern von Kranenburg mit dem Museum Katharinenhof, der Stadtscheune und dem Mühlenturm als Wahrzeichen der Stadt sowie die Wallfahrtskirche St. Peter und Paul. Auch hier sind geführte Radtouren und interessante Themenführungen möglich. Wie wäre es mit einer spannenden Krimitour mit einem Nachtwächter im historischen Gewand?

Niederländische Highlights der Via Romana…

…. gibt es natürlich auch zu entdecken. Dazu gehört der Museumspark Orientalis, ein Freilichtmuseum, in dem ihr das Leben der Römer live erleben könnt, und das Aquaduct Berg en Dal, ein Meisterwerk römischer Ingenieurskunst, für das insgesamt 300.000 Kubikmeter Erdreich bewegt wurde.

Auch in Mook en Middelaar findet ihr Überreste der römischen Villa Plasmolen, in Cuik ist das Museum Ceuclum empfehlenswert und auch die älteste Stadt der Niederlande – Nimwegen – mit dem Museum het Valkhof solltet ihr nicht verpassen. In dem zuletzt genannten Museum befand sich übrigens ein römisches Heerlager. Heute findet ihr hier einer der bedeutendsten Sammlungen römischer Archäologie.

Ihr habt Lust die Via Romana selbst zu erkunden? Hier gibt es weitere Informationen für euch:

www.niederrhein-tourismus.de/freizeit/via-romana

www.via-romana.de

www.outdooractive.com/de/route/radtour/nordrhein-westfalen/via-romana-/24687671/

Ihr wollt mehrere Tage auf der Via Romana verbringen? Das passende Pauschalangebot findet ihr hier:

www.niederrhein-tourismus.de/gastgeber/die-via-romana-roemische-geschichte-erfahren

 

 

 

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

Ich freue mich, wenn ihr mich auf meiner Reise durch den Niederrhein begleitet!

 

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