A A A

Tiergarten Kleve – Tierliebe trifft Artenschutz

25.03.2022

Wisst ihr, was ich festgestellt habe? Ich war tatsächlich in meiner Zeit als Niederrhein Fräulein noch in keinem Zoo. Daher freue ich mich umso mehr, dass ich heute einen ganz besonderen Zoo besuchen darf – den Tiergarten Kleve. Begleitet werde ich von dem Tiergartenleiter und Tierarzt Martin Polotzek, der mir nicht nur verrät, was der Zoo alles dieses Jahr noch vor hat; ich komme auch in den Genuss von einem Rendezvous mit gleich zwei von meinen Lieblingstieren. Und das Beste: Das könnt ihr auch buchen! Neugierig, welche Tiere ich füttern durfte? Dann schnell weiterlesen…

 

Heute haben mein Fotograf Malte und ich uns perfektes Zoo-Wetter ausgesucht: die Sonne scheint, es ist trocken und beinahe windstill. Als wir uns dem Eingang nähern, sehen wir, dass der Tiergarten Kleve auch schon gut besucht ist und man überall fröhliches Kinderlachen hört.

Rund 300 Tiere aus 60 verschiedenen Arten und Rassen leben hier auf sechs Hektar. Waren es durchschnittlich 90.000 Besucher pro Jahr, wird in diesem Jahr die 100.000 Besuchermarke geknackt. Langfristig peilt der Tiergarten 150.000 bis 200.000 Besucher pro Jahr an. Somit ist der Tiergarten Kleve die meist besuchteste Freizeitmöglichkeit in Kleve.

Am Eingang treffen wir uns auch mit Martin Poloztek. Er kommt ursprünglich aus Wien und ist seit über einem Jahr der neue Tiergartenleiter sowie Tierarzt. Zusammen mit seinem Team haucht er dem Zoo neues Leben ein, hat schon einiges verändert, aber noch jede Menge vor. Sein Fokus – den Tiergarten Kleve zu einem modernen Zoo zu machen, der aus vier Säulen besteht: Artenschutz, Forschung, Erholung und Bildung.

 

 

Artenschutz im Fokus

„Und das fängt schon auf dem Gang zur Toilette bei uns an“, lacht Martin und öffnet eine der Türen direkt neben dem Eingangsbereich. „Hier erfährt man durch Plakate mehr über in diesem Fall die bedrohten Przewalski Wildpferde, die man auch ein paar Meter weiter live sehen kann. Die Stute haben wir damals aus dem Tierpark in Berlin bekommen. Wir arbeiten eng mit anderen Zoos, aber auch mit Hochschulen in ganz Deutschland und aus dem Ausland zusammen.“

Auf dem Weg zu den Seehunden, erzählt mir Martin, dass ihm ein Satz von seiner damaligen Chefin nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist: „Wir Menschen sind die einzige Spezies, die in der Lage ist, andere Spezies auszurotten, aber auch, diese zu erhalten.“ Jeden Tag sterben Schätzungen zu Folge bis 140 verschiedene Tierarten aus. Der Tiergarten Kleve will aktiv etwas dagegen tun, Menschen für Tiere begeistern und weitere bedrohte Tierarten an den Niederrhein bringen. Einige der bedrohten Arten lerne ich heute bei meiner Führung noch kennen.

 

 

Eines der Highlights – die Seehunde

Wir starten unseren Rundgang bei den fünf Seehunden, die definitiv zu den beliebtesten Tieren hier gehören „Der Bereich hier wurde 1971 erbaut, ist mit Sicherheit kein Schmuckstück und erhöht gebaut. Aktuell kämpfe ich dafür, dass die Robbenanlage komplett neu gemacht, größer und mit einem begehbaren Bereich für die Besucher ausgestattet wird. Allerdings kostet der Umbau 10 bis 15 Millionen Euro, aber es sieht ganz gut aus, dass es funktioniert“, ergänzt Martin.

Im Tiergarten ist auch eine Doktorandin beschäftigt, die sich mit der Forschung der Seehunde befasst. Dabei arbeitet der Zoo eng mit dem Max-Planck-Institut in Nimwegen zusammen und kooperiert hier auch mit Hochschulen.

Hättet ihr gewusst, dass ein Seehund nur an Land träumen kann? Unter Wasser ist eine Gehirnhälfte immer aktiv bzw. auch ein Auge offen, damit die Sauerstoffzufuhr funktioniert. Spannende Infos rund um die Tiere im Zoo findet ihr übrigens auch an den Infotafeln, die sich an jedem Gehege befinden.

 

 

Tiere füttern erlaubt

Vorbei am Spielplatz, der bald zu einem Themenspielplatz umgebaut wird, gehen wir an den asiatischen Zwergottern vorbei, die vor kurzem Nachwuchs bekommen haben. Leider sehe ich sie nicht, aber das genau das gehört auch zu einem modernen Zoo, erklärt mir Martin. Die Tiere können selber entscheiden, ob sie sich zeigen wollen oder nicht.

Dafür nähern wir uns aber einer sehr aufmerksamen Kulan-Stute, ein asiatischer Wildesel aus der Gattung der Pferde. „Das ist unsere älteste Dame hier im Zoo mit 31 Jahren und offenbar hat sie deine grüne Futterbox entdeckt“, lacht Martin. Die hatte er mir am Eingang gegeben und damit kann man ausgewählte Tiere im Zoo selber füttern. Gekennzeichnet ist das ganz einfach und unkompliziert mit einem Schild am jeweiligen Gehege in Form von einem grünen Daumen nach oben und einem roten Daumen nach unten. Natürlich komme ich meinen Pflichten nach und füttere die Dame noch schnell ein bisschen, bevor es weiter geht.

 

 

Vom roten Panda bis zum Trampeltier

Denn wir kommen an einer Anlage vorbei, die auch bald vergrößert wird, und einen ganz besonderen Mitbewohner hat – einen roten Panda namens Spike. „Er ist unser Logotier, kommt ursprünglich aus dem Himalaya-Gebirge, ernährt sich vorwiegend von Bambus und ist ein geschickter Kletterer. Leider zählt auch er zu gefährdeten Arten. In diesem Jahr bekommt er aber ein Weibchen aus einem Zoo in Frankreich. Wir hoffen, dass es dann bald Panda-Nachwuchs gibt. So tragen wir aktiv zum Artenschutz bei“, ergänzt Martin.

Was mir auffällt, als wir weitergehen, dass es überall in den Gehegen Dinge gibt, wie etwa ein Heunetz oder ein Rohr gefüllt mit Futter, dass die Tiere beschäftigt. „Das ist uns auch sehr wichtig, dass wir die Tiere immer wieder herausfordern und sie auch selbst etwas dafür tun müssen, um an ihr Futter zu kommen“, fügt Martin hinzu.

In der Anlage von einem Trampeltier ist gerade ein Pfleger und lädt uns spontan ein, kurz reinzukommen und Saphira, so heißt die Dame, zu streicheln. Allerdings ist ihr das nicht ganz so geheuer, was auch an Martin liegt. „Ich bin als Tierarzt bei unseren Tieren nicht ganz so beliebt“, lacht er. Dann gehen wir auch schnell wieder weiter und machen uns auf dem Weg zu den nächsten Bewohnern des Zoos.

 

 

Bunte Tiervielfalt

Da ist u.a. die bulgarische schraubenhörnige Langhaarziege, eine der seltensten Ziegenrassen der Welt, der Poitou-Esel, der schwerste Esel der Welt oder der Polarfuchs, der in seiner Heimat unter dem Klimawandel leidet, die sehr erhaben wirkenden Weißkopfadler, deren Anlage gerade um das doppelte vergrößert wurde oder die Bunten Bentheimer Schweine, die genauso bedroht sind, wie die Barock-Esel – alles Tiere, die ich bislang noch nie gesehen habe und man in einem klassischen bzw. „normalen“ Zoo nicht unbedingt findet. „Früher waren wir als Tiergarten Kleve bekannt für unseren Ziegen und Schafe, wir wollen aber den neuen Fokus klar auf bedrohte Wildtiere legen. Allein letztes Jahr haben wir sechs exotische Tier dazubekommen, darunter das Gürteltier, das ich selbst im Leipziger Zoo abgeholt habe. Dieses Jahr bekommen wir eine hochbedrohte Affenart dazu – den Zweifarbentamariner“, verrät Martin.

Aber das ist noch nicht alles. Wenn Martin durch den Tiergarten geht, schaut er aktuell ganz genau hin, welche Tiere mehr Platz benötigen oder was man optimieren kann. So stehen noch einige tolle Projekte in diesem Jahr auf dem Plan, wie eine begehbare Präriehund-Anlage. Der Tiergarten Kleve ist jetzt schon bekannt für die Nähe zum Tier und das soll noch weiter in den Fokus rücken.

Spannend, was noch so alles im Tiergarten Kleve passiert, aber genauso spannend finde ich es auch, Martin auf dem Weg durch den Zoo zuzuhören. Er kennt alle Tiere beim Namen und weiß so viele Dinge über sie. Es macht echt Spaß so mehr über den Tiergarten und seine Bewohner zu erfahren.

Eine einstündige Führung zu verschiedenen Themen wie „Jungtiere und ihre Mütter“ oder „Wie funktioniert ein Zoo“ könnt ihr übrigens auch buchen bzw. gibt es auch die Möglichkeit, einen Schnupperkurs beim Tierpfleger zu machen, hinter die Kulissen zu schauen und sie bei der Arbeit zu begleiten.

 

 

Rendezvous mit meinen Lieblingstieren:

Nachdem ich einige Tiere gefüttert habe, darunter die Owamboziege Gustav und ein paar Rhön-Schafe in einem Gehege, in dem man reingehen kann, wird es Zeit für mein Rendezvous mit meinen Lieblingstieren, die nicht nur direkt nebeneinander wohnen, sondern auch noch die gleiche Leibspeise haben – lebende Mehlwürmer. Jetzt wollt ihr aber bestimmt wissen, welche Tiere ich mir ausgesucht habe, oder? Okay, ich verrate es euch – die zuckersüßen Erdmännchen, die aber trotzdem Raubtiere sind, und die hoch bedrohten Lisztaffen.

 

 

Die Lisztaffen…

Das Futter holen wir in einer separaten Station und betreten zuerst den Bereich der beiden Lisztaffen. „Nehm dir ein paar Mehlwürmer in die Hand und halte sie einfach ganz ruhig und flach, dann kommen die beiden von ganz alleine“, erklärt mir Martin. Und genau das mache ich auch und siehe da, das Männchen nähert sich und greift beherzt zu. Irgendwie schaut er mich ganz verzaubert an, weil er mich ja nicht kennt, aber wir scheinen uns gut zu verstehen. Und da das so ist, fällt mir der Abschied nicht leicht, aber die Erdmännchen warten ja auch noch auf ihr Sonderfutter.

 

 

… und die Erdmännchen

Hier müssen wir uns kurz den Weg rein in die Anlage erkämpfen bzw. die drei Erdmännchen mit ein paar Mehlwürmern ablenken, damit wir rein können. Das klappt hervorragend und ich setze mich auf einen großen Stein, strecke meine Beine aus, damit die Erdmännchen zu mir hochklettern können und verteile ein paar Mehlwürmer auf meiner Hose. Die nehmen sie sich auch und kommen mir ganz schön nah. Aber auch wir verstehen uns super und ich bin ganz verliebt in die kleine Familie. „Ich hoffe, dass wir hier auch bald Nachwuchs bekommen und die Erdmännchen-Familie sich vergrößert“, ergänzt Martin. Erdmännchen sind übrigens hochsoziale Wesen. Es gibt klare Strukturen wie u.a. einen Wächter und einen Babysitter, denn die Mutter kümmert sich selbst nicht um das Baby.

Wenn ihr auch unbedingt mal eurem Lieblingstier ganz nah sein wollt, könnt ihr das Angebot ebenfalls buchen. Ein/e erfahrene/r TierpflegerIn begleitet euch eine halbe Stunde lang zu eurem Lieblingstier und erzählt spannende Anekdoten aus dem Tierpflegeralltag. Als Highlight dürft ihr euer Tier natürlich selbst füttern. Das Angebot findet nur von Montag bis Freitag ab 13 Uhr (genaue Uhrzeit nach Absprache) statt (ausgenommen Feiertage), dauert 30 Minuten und ist für bis zu 2 Personen zum Preis von 70 Euro zzgl. Eintritt erhältlich, Ausnahme Seehund, das wären 100 Euro zzgl. Eintritt. Buchen könnt ihr das Ganze, was auch ein hervorragendes Geburtstagsgeschenk ist, unter info@tiergarten-kleve.de.

 

 

Gut zu wissen

Geöffnet ist der Tiergarten Kleve in der Sommersaison (1.3. bis 31.10.) von 9 bis 18 Uhr und in der Wintersaison (1.11. bis 28./29.2.) von 9 bis 17 Uhr. Letzter Einlass ist eine halbe Stunde vor Schließung.

Ein Ticket für Erwachsene kostet sechs Euro, Kinder von 2 bis 13 Jahren zahlen vier Euro und Kinder unter zwei Jahren haben freien Eintritt. Hunde sind nur montags erlaubt und kosten 2,50 Euro. Eine Jahreskarte für Erwachsene kostet 39 Euro, für Kinder 25 Euro.

Von jeder verkauften Eintrittskarte fließen 50 Cent an ein Artenschutzprojekt in der ganzen Welt, bei einer Jahreskarte ist dieser Betrag sogar noch höher.

Schaut regelmäßig auf die Instagram– und Facebook-Seite des Tiergartens – hier bekommt ihr spannende Neuigkeiten rund um die Bewohner des Zoos.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

Ich freue mich, wenn ihr mich auf meiner Reise durch den Niederrhein begleitet!

 

Hier findet ihr mich auch