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Natur, Kultur und Kulinarik: Die 3-Flüsse-Route

17.07.2020

Bevor ich euch von meinem neuesten Erlebnis erzähle, muss ich ein Geständnis ablegen: Ich bin seit 25 Jahren nicht mehr Fahrrad gefahren! Heute ist also mein großer Tag und für mein Vorhaben habe ich mir eine ganz besondere Route am Niederrhein ausgesucht – die 3-Flüsse-Route. Exakt 161 Kilometer lang ist die Strecke durch die Region Lippe-Issel-Niederrhein, die aufgeteilt ist in verschiedenen Rundkursen und Etappen. Ich habe mich für den „Rundkurs Mitte: Stadt, Land, Fluss“ entschieden. Mein Ausgangspunkt: Wesel. Meine „Ausrüstung“: Die neue 3-Flüsse-Route-App und ein NiederrheinRad. Wenn ihr Natur pur, Kultur und Kulinarik genießen und erleben möchtet, kommt ihr hier voll auf eure Kosten.

NiederrheinRad to go

Bevor es losgehen kann, benötigen mein Fotograf Malte und ich noch ein Fahrrad. Sehr praktisch, dass man sich am Niederrhein an über 30 Verleihstationen ein apfelgrünes NiederrheinRad einfach und bequem ausleihen kann. Wir haben nur kurz angerufen und an der gewünschten Station – in unserem Fall beim Welcome Hotel in Wesel – zwei Drahtesel für einen Tag gebucht. Auch online ist eine Reservierung möglich über www.niederrheinrad.de . Die Kosten sind absolut im Rahmen für neun Euro den ganzen Tag bzw. ab dem dritten Tag wird es mit acht Euro was günstiger. E-Bikes sind auf Anfrage auch erhältlich. Ebenfalls sehr praktisch – die Räder von Velo de Ville haben eine spezielle Rahmengeometrie für komfortables Fahren, eine Bereifung gegen Plattfuß, einen Gel-Sattel, einen stabilen Gepäckträger und eine bedienungsfreundliche 7-Gang-Schaltung. Das NiederrheinRad passt übrigens für alle Größen und die Sattelhöhe ist ohne Werkzeug einstellbar. Bei mir passt alles perfekt und meine ersten Meter nach 25 Jahren Fahrrad-Abstinenz sind ungewohnt, aber ich komme schnell wieder rein. Fahrradfahren verlernt man wohl doch nicht.

Die 3-Flüsse-Route-App

Jetzt kann unser „Rundkurs Mitte: Stadt, Land, Fluss“ beginnen. Von Wesel geht es Drevenack, dann nach Marienthal, Brünen, Dingden, Hamminkeln und wieder zurück nach Wesel. Die 3-Flüsse-Route-App, die ich mir vorab runtergeladen habe, verrät mir, dass unser Rundkurs eine Streckenlänge von stolzen 68,1 Kilometer misst und die Fahrtzeit etwa vier Stunden und 35 Minuten beträgt. Unter Beschreibung ist vermerkt, dass unsere Route aussichtsreich und familienfreundlich ist, es Einkehrmöglichkeiten gibt und es auch kulturelle, historische und botanische Highlight gibt – hört sich doch perfekt an. Ein Höhenprofil sagt uns zusätzlich, dass wir keinen großen Auf- oder Abstieg zu erwarten haben. Die besten Monate für diese Tour sind laut App übrigens von März bis Oktober, also alles richtig gemacht. Eine detaillierte Kartendarstellung, die auch offline abgespeichert werden können, eine Tourenplaner mit Routingfunktion und eine Umgebungsanzeige von Sehenswürdigkeiten, Gastronomie- und Übernachtungsbetrieben bietet die App ebenfalls. Mein Fazit schon mal zur App: Es ist alles übersichtlich und detailliert erklärt und die App ist sogar kostenlos in den jeweiligen Stores sowohl für iOS- als auch für Android-Geräte downloadbar.

Startpunkt: Wesel

Der erste Weg führt uns zum Willibrordi-Dom im Herzen von Wesel, eine spätgotische Basilika mit fünf Kirchenschiffen. Die größte Stadt der Region Lippe-Issel-Niederrhein ist ein beliebter Anlaufpunkt für viele Touristen: Das Berliner Tor, das Kulturzentrum Zitadelle mit dem Preußen-Museum Wesel, die Schill-Kasematten – nicht nur die ideale Lage an Rhein und Lippe zeigt von einem besonderen Charme, auch Geschichtsinteressierte bekommen hier einiges zu sehen.

Dünen am Niederrhein

Der Lippe folgen wir jetzt auch in Richtung Osten zum Naturschutzgebiet Drevenacker Dünen nach Hünxe. Dünen am Niederrhein? Ich bin beim ersten Mal lesen auch drüber gestolpert, aber hier könnt ihr tatsächlich niederrheinisches Nordseefeeling erleben. Das Naturschutzgebiet ist fast 200 ha groß und neben sandigen Wegen und kleinen Dünen – vor allen Dingen etwas nördlich der Pliesterbergschen Sohlen – gibt es hier noch mehr zu entdecken: tolle Heide- und Ginsterflächen, moorige Bereiche, grüne Wiesen, ein bunter Eichen- und Birkenmischwald und natürlich einige Tiere wie die Zauneidechse, die Schlingnatter oder der Schwarzspecht fühlen sich hier heimisch. Auch zum Wandern sind die Drevenacker Dünen übrigens ideal.

Von dort führt uns unsere Tour in das zur Gemeinde Hünxe gehörende Dorf Drevenack, hier geht es über die Nebenroute 2 vorbei am Naturschutzgebiet Dämmerwald bei Marienthal – eines der meist besuchten Waldgebiete im Westen des Naturparks Hohe Mark – wieder auf die 3-Flüsse-Route.

Otto-Pankok Museum

Auf unsere nächste Station bin ich schon sehr gespannt – das Wohnhaus der Künstlerfamilie Pankok in Hünxe, das heute mit einem Museum verbunden ist, liegt auf dem direkten Weg. Die Hofanlage mit dem denkmalgeschützten Haus ist aus dem 17. Jahrhundert und auch innen ist alles wohl alles so geblieben, wie es zu Lebzeiten des Malers, seiner Frau Hulda und seiner Tochter Eva war. Nach Umbauarbeiten, die 2021 abgeschlossen werden sollen, könnt ihr euch hier auf eine kleine Zeitreise begeben und in wechselnden Ausstellungen die rund 12.000 Arbeiten des Malers bewundern. Aber auch die Anlage ist ein Besuch wert. Eingebettet in Felder und Wiesen zwischen dem Flusslauf der Issel und dem Mühlengraben und den üppig blühenden Streuobst- und Wildblumenwiesen wird mir schnell klar, warum der Künstler Otto Pankok die Natur so liebte und in zahlreichen Werken verewigte.

Über Brünen und Dingden geht es erstmal für uns weiter in den Ortskern Hamminkeln, wo wir erst vor kurzem in der Niederrheinisch-Westfälischen Braumanufaktur waren.

Märchenhafte Kulisse

Mein Po und meine Oberschenkel machen sich mittlerweile mit jedem Kilometer mehr bemerkbarer. Morgen habe ich definitiv Muskelkater! Noch ein kurzes Stückchen, dann kommen wir über die Nebenroute 1 bis zum Schloss Diersfordt erneut auf die 3-Flüsse-Route. Die Natur und die Umgebung um uns herum ist schon toll und auf einmal liegt fast 700 Jahre Geschichte vor uns. Die wunderschöne Anlage im Weseler Stadtteil Diersfordt mit dem Wasserschloss, einer Rokoko-Kirche auf dem Schloss-Platz und eigene Wasserflächen befindet sich im Privatbesitz, kann man aber auch für Feierlichkeiten aller Art mieten. Auch Übernachtungen sind hier möglich. Allein die Kirche ist schon ein echtes Highlight, der perfekte Ort, um zu Heiraten.

Endpunkt: Auesee am Rhein

Wir haben fast wieder unser Ausgangsziel erreicht, passieren aber vorher noch das beliebte Ausflugsziel Auesee in Wesel. Der Badesee liegt direkt am Rhein, misst fast 160 Hektar, bietet 60.000 Quadratmeter Liegewiese und lässt die Herzen von Wassersport-Fans höherschlagen. Ob Surfer, Segler oder Freizeittaucher, hier ist alles möglich. Wenn ihr also nach der Tour eine Abkühlung braucht, seid ihr am Auesee genau richtig. Wir haben ein kleines, verstecktes Plätzchen direkt am Ufer entdeckt und genießen kurz den Blick über den See, bevor es wieder zurück zum Welcome Hotel geht.

Mein Fazit

Ich bin ganz schön kaputt, aber – festes Ziel – ich werde künftig öfters mit dem NiederrheinRad den schönen Niederrhein entdecken und mit Sicherheit die zahlreichen anderen 3-Flüsse-Route testen. Auf insgesamt 161 km durch die Region Lippe-Issel-Niederrhein gibt es noch jede Menge zu entdecken und da freue ich mich schon drauf. Immerhin verbinden die 3-Flüsse-Routen sieben Kommunen: Hamminkeln, Hünxe, Raesfeld, Rees, Schermbeck, Voerde und Wesel. Die Etappen und Rundwege sind natürlich individuell anpassbar und auch verkürzbar. Noch ein Tipp für die E-Bike-Fahrer unter euch: Entlang der Strecken gibt es zahlreiche Möglichkeiten, euren Akku wieder aufzuladen. Und wenn ihr zwischendurch Hunger bekommt, freuen sich die gemütlichen Bauernhofcafés und urigen Gasthäuser, von denen es auf den Routen jede Menge gibt, über euren Besuch.

Hier findet ihr mehr Infos:

https://niederrhein-tourismus.de/freizeit/3-fluesse-route-3

 

 

2 Kommentare zu “Natur, Kultur und Kulinarik: Die 3-Flüsse-Route”

    Lony says:

    Guten Morgen liebe Nicole,
    wie geht es Dir inzwischen? ;-)))) 25 Jahre sind schon eine Nummer, Hut ab, dass Du dann gleich die 16 km angegangen bist!

    Eine schöne Route hast Du uns vorgestellt, vielen lieben Dank dafür! Wir ziehen voraussichtlich noch im Herbst vom Kreis Viersen in den Kreis Heinsberg und ich freue mich jetzt schon darauf, im kommenden Frühjahr die neue Heimat mit dem Rad zu erkunden!

    Unsere Radtouren dauern immer doppelt so lange, weil ich immer wieder schöne Motive sehe, anhalten und fotografieren muss 😉 Ich liebe den Niederrhein!

    Hab einen schönen Sonntag,
    herzliche Grüße sendet
    LONY (www.herbstperle.de)

    Nicole Marks says:

    Guten Morgen liebe Lony,

    der Muskelkater hielt nur kurz, bin also wieder fit. 😉

    Das ist lieb und hab ich sehr gerne gemacht! Das hört sich doch toll an, dann wünsche ich dir schon mal einen stressfreien Umzug und viel Spaß beim Entdecken der neuen Heimat!

    Dir noch eine schöne Woche und liebe Grüße, Nicole

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

Ich freue mich, wenn ihr mich auf meiner Reise durch den Niederrhein begleitet!

 

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