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Mit der Gräfin durch das Grafschafter Museum im Moerser Schloss

21.02.2020

Bei meinen Touren durch den Niederrhein, fällt mir eins immer wieder auf: Es gibt hier am Niederrhein soooo viele tolle Museen! Eines davon ist das Grafschafter Museum im Moerser Schloss. Das Besonderes: Alleine durch die Dauerausstellung läuft man nicht! Begleitet wird man von einer Projektion von der Gräfin Walburgis von Neuenahr-Moers. Und auch die Kinder bekommen mit dem Schlosspark-Hase Moritz von Oranien und seinen Freunden eine ganz eigene Führung durch die Moerser Geschichte.

Heute verwandele ich mich mal in ein kleines Burgfräulein und passe mich, zumindest namentlich, an das Moerser Schloss, eine ehemalige Wasserburg der Grafen von Moers, an. Hier treffe ich mich mit Museumsleiterin Diana Finkele und Fania Burger, die für den Bereich Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit im Museum verantwortlich ist, in einem alten Krämerladen aus dem 19. Jahrhundert. „Bis 1958 stand dieser noch in einem Haus in Hoerstgen bei Kamp-Lintfort. Der Winkel (niederrheinisch bzw. niederländisch für Kaufladen) ist nicht nur ein Teil unserer niederrheinischen Tradition, sondern auch sehr beliebt bei uns. Vor allem unsere älteren Besucher fühlen sich in ihre Kindheit versetzt“, erzählt mir Diana Finkele. „Hier können sich unsere Besucher kurz stärken und einen Kaffee oder einen Kakao genießen.“ Das machen wir jetzt auch direkt und besprechen kurz, was mich hier heute Nachmittag alles erwartet.

Interaktive Geschichte erleben

„Als erstes mache ich dich mit unserem Schlossgeist bzw. unserer Gräfin Walburgis von Neuenahr-Moers bekannt“, lacht Diana Finkele. „Sie geleitet unsere Besucher durch unsere Dauerausstellung und macht die Geschichte von Moers, speziell von den Herren von Moers, lebendig. Museumsbesucher erwarten heute mehr als eine statische Ausstellung. Interaktivität und digitale Angebote sind da wichtig. Und mit unserer Gräfin erwacht unsere Ausstellung zum Leben.“ Los geht es also im ersten Raum mit der Begegnung von Walburgis alias der Schauspielerin Eva Müller. „Sie war vor über 400 Jahren übrigens die letzte und einzige regierende Gräfin von Moers und hatte leider kein Glück mit ihren Männern. Ihr erster Mann wurde von den Spaniern geköpft und der zweite kam bei einer Pulverexplosion ums Leben“, ergänzt Fania Burger. Bin gespannt, was die Gräfin zu erzählen hat. Sehr unterhaltsam philosophiert sie, darüber, wann sie gelebt hat, weil die Geschichtsschreiber es nicht aufgeschrieben hatten, und dass ihre Burg 1294 das erste Mal schriftlich erwähnt wurde. Außerdem bestätigt sie, dass die Leute, die sagen, dass das Moerser Schloss ja nie fertig wird, vollkommen recht haben! „Erst vor ein paar Jahren wurde das Schloss wieder saniert, um einen Anbau erweitert und die Dauerausstellung neu gestaltet“, bestätigt auch Diana Finkele. „Los geht es im ersten Raum mit den Römern am Niederrhein bzw. mit einem ganz besonderen Fund aus dem Umfeld des ehemaligen Römerlagers Asciburgium, der ganz knapp vor Raubgräbern geborgen wurde – ein fast komplett erhaltenes Glasservice, das als Grabbeigabe zwischen 50 und 70 n. Chr. diente.“

Mit dem Schlosspark-Hasen auf Entdeckungstour

Aber das ist noch längst nicht alles, was es hier zu entdecken gibt! Ich mache auch Bekanntschaft mit dem Schlosspark-Hasen Moritz von Oranien, der zusammen mit der spanischen Ente Andreas de Miranda, dem preußischen Fritz von Schwan und der französischen Schnecke Fréderic Escargot Kinder auf ihre Weise durch die Ausstellung führt. Gemeinsam erleben die Kinder mit den Tieren die Moerser (Schloss-)Geschichte von der Römerzeit bis zur Einweihung des Grafschafter Museums im Moerser Schloss im Jahr 1908. „Moritz ist zum 100-jährigen Jubiläum entstanden und von dem Grafiker Jürgen Pankarz zum Leben erweckt worden“, ergänzt die Museumsleiterin, die auch das Buch „Schlosspark-Hase Moritz von Oranien und seine Freunde“ geschrieben hat. Passende Aktivstationen in Form einer Möhre komplettieren das Konzept, das das Museum so auch für Kinder lebendig und interaktiv macht. Ein kleines Quiz verbirgt sich übrigens nicht nur in der ersten Möhre…

Schon mal vom Moerser Möhrchen gehört?

Im zweiten Raum geht es um den Aufstieg der Herren von Moers, wie das Moerser Schloss immer weiter ausgebaut wurde und wie sich diese vor Angreifern geschützt haben. Dass das Grafschafter Museum definitiv ein Museum zum Anfassen ist, merke ich, als ich das recht unterschiedliche Gewicht von zwei Kanonenkugeln zur Verteidigung vergleiche und zusammen mit Diana Finkele und Fania Burger Stück für Stück mit Holzelementen die Baugeschichte des Moerser Schlosses nachbaue. Meine Rolle: Sich als Nicole von Moers vor Angreifern schützen. Dabei muss ich meine Burg immer weiter verändern, von der anfänglichen Turmburg bis zur Ringmauerburg usw.. Bevor es weiter geht, erzählt mir Diana Finkele noch, dass die Herren von Moers sogar ihre eigenen Münzen prägten und macht mir mit einem Rohling (oder Metallplättchen) und einem Hammer bewaffnet sogar direkt eine als kleines Andenken. „Früher konnte man mit dem `Moerser Möhrchen` eine Möhre auf dem Markt kaufen, das geht auch heute noch, teste das mal aus“, verrät mir Fania Burger.

Die Geschichte von Moers bleibt spannend…

Im nächsten Raum wird der Alltag auf dem Hof des Moerser Schlosses durchleuchtet. Zu sehen sind eine lange Tafel und diverse Ausgrabungsfunde, die u.a. zeigen, was früher gegessen wurde: Fisch, Geflügel, aber auch Muscheln und jede Menge Schwein. Immer weiter geht es durch die Räume tiefer in die Geschichte von Moers, auch die düsteren Zeiten als Moers von den Spaniern eingenommen wurde. Hier wage ich mich nochmal an eine interaktive Möhre und versuche mit einer kleinen Armbrust in eine Öffnung zu treffen und so Moers sozusagen von den Spaniern zu befreien. Was soll ich sagen, ein Schuss, ein Treffer. 😉 Diana Finkele war ganz irritiert, denn auf Anhieb hat  schon ewig kein Besucher mehr direkt  getroffen. Ganz wie Moritz von Oranien, denn der brauchte auch zwei Anläufe, Moers zu befreien.  „Ein ehrenamtlicher Denkmalpfleger war übrigens überzeugt, dass mit der Geschosskugel, die wir hier in der Wand im Museum eingebaut haben, Moers befreit wurde“, lächelt Diana Finkele schelmisch und zeigt mir eine große Karte, in der eine Kugel eingebunden ist. „Das Berühren dieser Kugel soll übrigens Glück bringen.“ Und das probiere ich natürlich auch direkt aus, etwas Glück kann ja nie schaden.

„Nach der Befreiung kam Gräfin Walburgis aus dem Exil nach Moers zurück. Eine ihrer letzten Amtshandlungen war die Genehmigung eines Schützenfestes, 10 Tage später starb sie (am 25. Mai 1600). Weil sie keine eigenen Kinder hatte, hatte sie schon einige Jahre zuvor Moritz von Oranien zu ihrem Nachfolger ernannt. Wenige Jahre nachdem Moritz von Oranien Moers die Herrschaft in Moers übernommen hatte, brannte die gesamt Altstadt 1605 ab. Aber was sollte aus Moers werden?“, erzählt mir Diana Finkele auf dem Weg durch die Ausstellung weiter. „Natürlich konnte es nur den Wiederaufbau geben.“ Wie sich Moers verändert hat, sehe ich in dem nächsten Raum auf einem riesigen, interaktiven Stadtmodell mit Touchpad und Leinwand. Einzelne Bereiche kann ich anklicken und mir Bilder und Infos von Moers aus der damaligen Zeit bis heute anzeigen lassen. Wie es mit Moers weitergeht… das müsst ihr selbst rausfinden… soviel verrate ich schon mal, es bleibt spannend. 😉

Heiraten im Moerser Schloss?

Mein nächstes Highlight in der Dauerausstellung – das Rokokozimmer mit Stuckdecke, Wandvitrinen und Kaminumrandungen aus dem Haus Müser bei Kamperbrück. Das Besondere: Man kann hier sogar heiraten. Der Rittersaal, den wir als nächstes besuchen, dient dann als Wartebereich für die Hochzeitsgäste. Hier begegne ich in Form von Bildern übrigens auch nochmal allen wichtigen Personen von Moers, inklusive der Gräfin Walburgis. Bevor unsere Tour durch die Dauerausstellung zu Ende ist, lerne ich noch einen weiteren baugeschichtlichen Abschnitt des Schlosses von Fabrikanten Wintgens in der Zeit des Biedermeiers kennen. „Bis zur heutigen Museumsnutzung spannt die Führung einen Bogen von knapp 800 Jahren. Bald entsteht auch eine ganz neue Abteilung in einem Gebäude ganz in der Nähe, hier durchleuchten wir die Geschichte von Moers im 20. Jahrhundert, wobei es auch eine Hanns Dieter Hüsch-Ausstellung geben wird“, verrät mir Diana Finkele noch. Mehr dazu, erfahrt ihr übrigens in einem meiner nächsten Blogbeiträge.

Ausgrabungen hautnah

Wenn ihr noch mehr über die Geschichte vom Moerser Schloss erfahren wollt, dann kann ich euch noch die Ausgrabungen im Schlosshof ans Herz legen, die mit einem Neubau kombiniert wurden. Und genau den besuche ich jetzt. „In den Jahren 2000 bis 2002 und 2004 bis 2006 wurden archäologische Grabungen hier im Schlosshof durchgeführt. Dabei förderten die Archäologen rund 25.000 Funde zu Tage“, erklärt mir die Museumsleiterin. „Der spektakulärste Fund ist dabei aber ein hochmittelalterlicher Lehmkuppelofen aus der Zeit um 1200 unter der Ringmauer, der komplett erhalten ist. Und durch die Ausgrabungen wurde auch klar, dass das Moerser Schloss eine der ältesten im Rheinland erhaltenen hochmittelalterlichen Ringburganlagen und damit ein Baudenkmal von überregionaler Bedeutung ist.“

Wählen & Wühlen

Meine letzte Station heute ist die Sonderausstellung zur Frauen- und Demokratiebewegung am Niederrhein vor 100 Jahren – „Wählen & Wühlen“, die noch bis zum 5. April verlängert wurde. „Die Schriftstellerin Hedwig Dohm hatte es im Jahr 1873 gewagt, das Stimmrecht öffentlich zu fordern. Der Weg bis zum 30. November 1918, dem Beginn des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, war aber noch weit“, erklärt mir die Museumsleiterin weiter. Die Sonderausstellung zeigt diesen langen Weg und die Frauen, die für ihr Recht kämpften. „Die aktivste Kämpferin für das Frauenwahlrecht am Niederrhein war übrigens die Düsseldorferin Lore Agnes“, berichtet Diana Finkele.

Gut zu wissen

Erwachsene, Kinder und Familien können aus einem größeren Angebot an Führungen durch die Dauerausstellung auswählen, so zum Beispiel den Klassiker „Die Herren von Moers und ihre Burg“, die Kostümführung mit der oranischen Prinzessin Luise Henriette oder die Handpuppenführung „Schlossparkhase Moritz bei den Rittern“.

Ein besonders spannendes Angebot gibt es aber für Kinder mit dem Grafschafter Musenhof, eine mittelalterliche Spiel- und Lernstadt. Hier können die Kleinen das Mittelalter hautnah in einem kleinen Städtchen live erleben und in verschiedene Rollen schlüpfen. Von der Töpferei über das Backhaus, ein Kaufhaus, einem Stall bis hin zur Schmiede, einem Wohnhaus bis zu einem Stadtturm wurde hier alles idealtypisch nachgebaut. Verschiedene museumspädagogische Angebote für Gruppen und Schulklassen runden das Konzept ab, aber auch Kindergeburtstage können hier gefeiert werden.

Kleiner Tipp: Das Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe der historischen Altstadt und am Eingang des Schlossparks – perfekt für einen kleinen Spaziergang oder eine kleine Shopping-Tour.

Geöffnet ist das Grafschafter Museum im Moerser Schloss dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

Mehr Infos findet ihr hier:

https://niederrhein-tourismus.de/museen/grafschafter-museum-im-moerser-schloss-2

 

 

 

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

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