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Die Privatkelterei van Nahmen – ein traditionsbewusstes Familienunternehmen mit Herz

23.10.2020

Schon lange freue ich mich auf den heutigen Tag und meinen Besuch bei van Nahmen in Hamminkeln. Ich habe schon so viel Gutes gehört und gelesen und bin jetzt umso neugieriger, welche Geschichten und vor allem welche Gesichter sich hinter der Privatkelterei verbergen. So viel verrate ich euch schon mal… folgende Begriffe spielen eine ganz besondere Rolle bei dem Familienunternehmen: Heimatverbundenheit, Nachhaltigkeit, Innovation, Qualität, Tradition, Genuss und Herzlichkeit.

 

Als ich mit meinem Fotografen Malte den Hof erreiche, fällt mir auf dem großen Gelände sofort der Hofladen mit der tollen Holzfassade auf. Hier bzw. in der modernen Hofküche direkt über dem Laden sind wir auch mit Marianna Dietsch vom Marketing und dem Geschäftsführer Dr. Peter van Nahmen verabredet. „Schön, dass ihr da seid! Wir haben uns schon überlegt, was wir mit euch machen heute. Gerne würde ich euch mehr zu unserer Firmengeschichte erzählen und anschließend führen wir euch zu unseren Streuobstwiesen und geben euch einen kleinen Einblick in die Produktion“, lädt uns Peter ein. Hört sich nach einem guten Plan an und ich bin schon ganz gespannt, was mich heute alles erwartet…

Obst wird erlebbar gemacht

„Gerade befinden wir uns in unserer Hofküche – hier wollen wir Obst erlebbar machen und haben das ganze Jahr über tolle Events hier und wegen Corona nur das Sicherheitskonzept überarbeitet und die Personenzahl reduziert. Einer meiner Lieblingsveranstaltungen ist die Apfelbackstube der Hamminkelener Landfrauen, die dann immer ihre gut gehüteten Traditionsrezepte dabei haben. Dann bekomme ich auch immer ein Stück leckeren Apfelkuchen ab“, schwärmt Peter. „Am 27. Oktober haben wir hier auch eine Autorenlesung des Niederrhein-Krimis „Das Alpaka“, einen Tag später kocht unser neuer Hofkoch Henning Buchmann Wild und am 27. November dreht sich alles um die Weihnachtsbäckerei. Ein Highlight-Termin wird auch der „Chefs Table – Küche trifft Saft“ am 1. und 2. Dezember mit dem WDR-Koch Helmut Gote sein, der aus der Adventzeit eine vorweihnachtliche Gourmetzeit macht.“ Da muss ich mir auf jeden Fall den ein oder anderen Termin notieren! Einen kleinen Überblick findet ihr übrigens hier: https://www.vannahmen.de/shop/hofladen-veranstaltungen

Vom Apfelkraut bis zum ersten sortenreinen Saft

Dann schmunzelt Peter und schaut aus dem Fenster auf das Firmengelände. „Ich erinnere mich noch genau daran, wie alles damals angefangen hat, heute ist alles viel komplexer. Es macht aber wahnsinnig viel Spaß, neue Dinge zu entdecken und auszuprobieren. Ähnlich erging es wohl damals meinem Urgroßvater, der das Unternehmen 1917 als rheinische Apfelkrautfabrik gegründet hat. Mein Großvater hat den Betrieb dann 1930 um die Produktion von Apfelsaft und Säfte aus regionalem Obst erweitert. Zusammen mit meinem Vater habe ich dann den ersten sortenreinen Obstsaft auf dem Markt gebracht und Saft als Genussmittel etabliert“ erzählt Peter stolz. „Heute haben wir über 30 Säfte im Gourmetsortiment, die national vertrieben werden und dann gibt es noch unser Mehrwegsortiment für den regionalen Markt. Insgesamt haben wir 10 verschiedene Apfelsäfte und der erste sortenreine Apfelsaft war damals die rote Sternrenette“, ergänzt Marianna. Rote Sternrenette? Habt ihr von der Apfelsorte schon mal gehört? Aufgrund der tief dunkelroten Schale war die typisch niederrheinische Apfelsorte damals auch als klassischer Weihnachtsapfel bekannt, erfahre ich gerade von Marianna. Und die kleinen Punkte auf dem Apfel erinnern an Sterne und damals polierte man ihn, um ihn als Weihnachtsdekoration zu nutzen. „Ein Apfel kann auch Emotionen tragen und mit dem Saft der roten Sternrenette erinnern wir vielleicht den ein oder anderen an seine Kindheit“, lächelt Peter.

Streuobstwiesen als Herzensprojekt

„Tradition liegt uns sehr am Herzen und in unserer über 100-jährigen Unternehmensgeschichte war und ist vor allen Dingen die traditionelle Streuobstwiese immer im Fokus“, erklärt Peter weiter. „Früher war die Versorgung am Niederrhein nämlich vor allen Dingen durch Streuobstwiesen gegeben. Bauernfamilien haben das Obst auf dem Markt verkauft, aber auch für sich eingelagert, um sich viele Monate über mit frischem Obst ernähren zu können. Gegen Ende der 1950er-Jahre wurden die Streuobstwiesen immer weniger und moderne Plantagen kamen. Eine besorgniserregende Entwicklung, der wir entgegenwirken wollten. Mit dem Erhalt wollen wir auf der einen Seite natürlich alte, traditionelle Obstsorten bewahren, aber hättet ihr gewusst, dass in Streuobstwiesen über 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten beherbergen?“ Wahnsinn! Streuobstwiesen kenne ich vor allen Dingen aus meiner Kindheit, aber Gedanken darüber, dass diese niederrheinische Tradition immer weniger wird und dass Streuobstwiesen ein wichtiger Lebensraum für so viele Tiere ist, habe ich mir bisher noch nie gemacht. Aber schön zu sehen, dass ein Unternehmen wie van Nahmen die Streuobstwiesen zu einem Herzensprojekt gemacht haben und dieses wichtige Stück Niederrhein-Erbe erhält.

Zusammenarbeit mit dem NABU

„Wir arbeiten auch eng mit dem Naturschutzbund NABU zusammen und setzen uns schon insgesamt seit über 25 Jahren für das Thema Nachhaltigkeit und den Erhalt von Streuobstwiesen als artenreiche Biosphären ein“, ergänzt Peter. „Mit der Zusammenarbeit hat damals mein Vater Rainer begonnen und mit den regionalen Bauern Anbauverträge gemacht, um besonders niederrhein-westfälische Sorten zu erhalten. Die Bauern verpflichten sich natürlich nicht zu spritzen und bekommen höhere Erntepreise. Daraus ist unser Premium-Produkt „Apfelsaft von Streuobstwiesen“ entstanden, das separat gekeltert wird. Die entsprechenden Apfelbäume – es gibt über 85 verschiedene Apfelsorten – können sie über uns beziehen… jetzt startet bald die nächste Aktion und Ende November verteilen wir die Bäume wieder. Insgesamt haben wir in den letzten 25 Jahren 18.000 Bäume herausgegeben, das sind etwa 200 Hektar bzw. 280 Fußballfelder.“ Diese Zahlen müsst ihr euch mal durch den Kopf gehen lassen! Ein tolles Projekt für die Bauern, aber auch für die Natur und letztendlich für den Kunden, der dieses Premium-Produkt genießen darf.

Sammelstellen für Jedermann

„Aber nicht nur unsere Bauern beliefern uns mit frischen Äpfeln & Co., sondern auch ganz normale Privatpersonen, die in ihren Gärten noch Apfel-, Quitten-, Birn- und Pflaumenbäume haben“, erklärt Marianna. „Wir können gleich ja mal rausgehen und schauen, ob gerade jemand seine Äpfel zu uns bringt. Gerade ist Hochsaison und in einer guten Saison haben wir hier 3.000 bis 3.500 Privatpersonen, die uns beliefern.“ Und tatsächlich, wenige Minuten später, beobachten wir aus dem Fenster der Hofküche ein Auto, beladen mit erntefrischen Äpfeln. „Es gibt aber auch insgesamt 15 Sammelstellen, die im Münsterland und am Niederrhein verteilt sind, damit haben wir in den 1950er-Jahren angefangen“, ergänzt Peter. „100 Kilogramm Äpfel ergeben übrigens 80 Flaschen Saft. Die Privatperson, die uns ihre Äpfel bringt, bekommt unseren Saft zu einem deutlich vergünstigten Preis. Alternativ kann sie sich das Geld auch auszahlen lassen oder ein Kundenkonto anlegen, auf dem sie sammeln kann.“ Mir fällt direkt ein Freund von mir ein, der in seinem Garten auch jede Menge Apfelbäume hat und jeden Tag fleißig die Äpfel aufsammelt… von diesen Sammelstellen muss ich ihm unbedingt erzählen.

Saft trifft Tee

Bevor wir unsere kleine Tour auf dem van Nahmen-Gelände starten, gibt es noch eine kleine Stärkung in Form von der neuesten Kreation des Hauses – den Sparkling Juicy Tea. „Den müsst ihr unbedingt probieren. Mein persönlicher Favorit ist die Sorte Rose-Darjeeling-Rhabarber“, verrät uns Marianna und genau den testen wir jetzt. Fachmännisch gehalten, wie eine Flasche Wein, schenkt uns Peter die alkoholfreie, prickelnde Alternative zu Prosecco & Co. ein und erzählt uns mehr über die Entstehung: „Auf einer Asienreise sind wir auf die Idee gekommen, Saft mit Tee zu verbinden. Der ganze Entwicklungsprozess war total spannend und wir haben sogar mit einem Teesommelier zusammengearbeitet. Es gab dabei jede Menge Herausforderungen… der Tee durfte nicht zu lange ziehen, sonst wurde er bitter und so haben wir kurzerhand das Cold-Brew-Verfahren angewandt, wie man das vom Kaffee auch kennt. Dazu gesellt sich noch Rhabarber von einem Bauern aus Rees und wenige Tropfen Rosenwasser. Am besten genießt man den Sparkling Juicy Tea eisgekühlt.“ Mega lecker, davon muss ich mir später eine Flasche noch mitnehmen.

„Alternativ haben wir noch unseren Frucht-Secco mit 0 % Alkohol und 100 % Frucht – der perfekte Speisebegleiter oder Apéritif. Meine Lieblingssorte ist übrigens Apfel-Heidelbeer-Kirsche“, erzählt uns Peter. Auch die Säfte von van Nahmen eignen sich übrigens als ideale Ergänzung zu eurem Essen. Wenn ihr wissen wollt, zu welchem Essen sich die rote Sternrenette am besten eignet oder der Apfelsaft von Streuobstwiesen, dann testet den Saft-O-Mat unter: https://www.vannahmen.de/welcher-saft-darf-es-fuer-sie-sein/

Kleiner Blick hinter die Kulissen

„Kommt, wir gehen mal zu unserer Produktion, wir schauen mal, ob ich euch da einen kleinen Einblick gewähren kann“, startet Peter unsere kleine Entdeckungstour. „Hier vorne kommen die Äpfel, Quitten & Co. von den Privatpersonen an“, führt uns Peter herum. So viele Äpfel & Co. habe ich noch nie auf einmal gesehen und bin ganz angetan von dem Geruch von dem frischen Obst, herrlich, wie das duftet. „Vor der Verarbeitung werden die Äpfel dann gründlich gewachsen und auf einem Verleseband die schlechten Äpfel ausgelesen. In einer Obstmühle werden die Äpfel gemahlen und ausgepresst. Damit der Saft haltbar wird, pasteurisieren wir ihn und so bleiben auch alle wertvollen Inhaltsstoffe erhalten“, erklärt mir Peter auf dem Weg durch die einzelnen Stationen. Spannend mal überall einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu bekommen und mehr über die Entstehung eines van Nahmen-Obstsaftes zu erfahren.

Expedition Streuobstwiese

„Ich zeige euch aber auch noch unseren Obstbongert“, geht es direkt weiter. Wenn ich ehrlich bin, bin ich kurz über das Wort Bongert gestolpert, ihr vielleicht auch gerade, aber das ist einfach eine alte und typisch niederrheinische Bezeichnung für einen Obstgarten oder eine Streuobstwiese, die heute leider nicht mehr so geläufig ist. Auf dem Weg dorthin fällt mir eine E-Bike-Ladestation mit der schönen Bezeichnung „Saft für Ihr Rad“ auf – sehr originell, da musste ich sofort drüber schmunzeln. Und kaum haben wir den kleinen Parkplatz dahinter passiert, kommen wir zu einer kleinen Streuobstwiese, die mit 25 unterschiedlichen Sorten bestückt ist. „Diese symbolische Streuobstwiese wird auch oft von Schulklassen besucht und in Zukunft soll das hier eine kleine Rast-Station für Fahrradfahrer und Wanderer werden, die bei uns dann auch einen Picknickkorb, gefüllt mit Leckereien, erwerben können“, erzählt Peter. „Vor ein paar Monaten haben wir hier auch Schautafeln angebracht, die zeigen, wie landschaftsprägend die Streuobstwiese für die Region ist und welche Tiere hier leben.“ Hättet ihr gewusst, dass sich der leider fast ausgestorbene Steinkauz sich besonders in Streuobstwiesen heimisch fühlt?

„Zwei Minuten entfernt haben wir noch eine größere Streuobstwiese, die wir vor 25 Jahren angelegt haben, da wächst u.a. einer der ältesten Apfelsorten, der Kaiser Wilhelm, sollen wir uns die noch anschauen?“, fragt uns Peter. Klar! Sehr gerne. Dort angekommen gestaltet sich der Weg auf die Streuobstwiese etwas schwierig. „Normalerweise sind hier auf dem Grundstück noch Kühe, die sind aber wohl gerade im Stall, aber der Bauer hat das Gelände wohl abgeschlossen… macht es euch was aus, eben drüber zu klettern?“ Kriegen wir hin und ein paar Klettereinheiten später, geht es vorbei an der winzigen Pillebirne zum Kaiser Wilhelm-Apfel. „Seinen Namen hat er übrigens bekommen, weil Kaiser Wilhelm I. 1875 so angetan von dem himbeerartigen Geschmack war, dass er gerne seinen Namen für diese Sorte gab. Der Apfel hat aber auch so einen goldartigen Kranz oben, was auch sehr majestätisch wirkt“, erklärt mir Peter. Ich darf ihn auch direkt frisch gepflückt probieren und bin begeistert. So einen leckeren Apfel habe ich schon ewig nicht mehr gegessen. „Ich sammle die hier immer für meine Kinder für die Schule… und wenn gegen Ende des Winters keine mehr da sind, fragen sie schon immer, wann es den Kaiser Wilhelm wieder gibt“, lacht Peter. Ich bin jetzt auch Kaiser Wilhelm-Fan, aber auch von der roten Sternrenette und natürlich vom Sparkling Juicy Tea… ich freue mich schon auf die nächsten tollen Kreationen und weitere Neuigkeiten, die es bestimmt bald wieder von der Privatkelterei gibt und eins steht fest: Ich komme definitiv wieder! ?

Kleiner Geschenk-Tipp

Fast vergessen… wenn ihr noch ein Geschenk für den nächsten Geburtstag oder schon zu Weihnachten sucht, dann müsst ihr unbedingt dem Hofladen von van Nahmen einen Besuch abstatten. Hier gibt es neben allen Säften, darunter auch passend für die kalte Jahreszeit zwei verschieden Glühpunschsorten – Winterapfel und ganz neu Beerenzauber –, auch tolle Feinkostartikel von regionalen und befreundeten Manufakturen, wie mir Peter noch verraten hat. Darunter auch Produkte von den regionalen Produzenten von „Feines vom Land“, verschiedene Marmeladen und sogar das Malzbier Feldschlösschen von der Niederrhein-Westfälischen Braumanufaktur von Wilhelm Kloppert. Auch zwei meiner Grundnahrungsmittel habe ich entdeckt – das Sylter Meersalz und das Jordan Olivenöl. Sehr zu empfehlen! Noch ein Hinweise zum Schluss: Ihr findet hier auch schon liebevoll zusammengestellte Präsentkörbe, die ihr direkt so mitnehmen könnt.

Mehr über die Privatkelterei van Nahmen könnt ihr übrigens hier entdecken:

https://niederrhein-tourismus.de/genuss/van-nahmen-hofladen

 

 

 

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Über mich

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