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Der LVR-Archäologischen Park Xanten: Hier wird Geschichte lebendig

05.06.2020

Lust auf eine Zeitreise durch die römische Antike in Deutschlands größtem archäologischen Freilichtmuseum? Dann schnell nach Xanten! Vor vielen Jahren war ich schon mal privat im LVR-Archäologischen Park Xanten (= APX) und freue mich heute auf eine persönliche Führung von Archäologe Sebastian Held. Unsere HotSpots: Das LVR-RömerMuseum, die Schiffswerft mit der Holzwerkstatt, der Hafentempel und die große Arena. Ein Besuch lohnt sich hier für die ganze Familie, aber dazu später mehr, und das Beste: Der Eintritt ist bis auf Weiteres frei.

 

Unser Startpunkt für unsere kleine, private Führung ist der Eingang direkt am LVR-RömerMuseum an einem Stadtmodell der rekonstruierten, römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana. „Und genau in dieser Stadt, genauer gesagt in einer der bedeutendsten Metropolen der germanischen Provinzen Roms, befinden wir uns gerade. Zur Blütezeit wohnten hier mehr als 10.000 Menschen“, erklärt Sebastian Held, der als Archäologe hier im APX als wissenschaftlicher Referent für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Eigentlich sollte hier Industrie entstehen, aber dann wurden die Überreste der römischen Stadt gefunden. So entstand 1977 der Park mit einem der bedeutendsten archäologischen Bodendenkmäler Deutschlands.“ Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, wie hier vor vielen Jahren diese Siedlung den Niederrhein geprägt hat.

Das Herzstück: RömerMuseum

Ich wollte übrigens auch mal Archäologie studieren und war ganz begeistert von den Indiana Jones-Filmen damals, hab mich aber dann doch für das nicht so actionreiche Germanistik-Studium entschieden. Aber Archäologie find ich immer noch total spannend und freue mich schon auf unseren nächsten Stopp – das LVR-RömerMuseum. „Das ist das Herzstück unseres Parks, das 2008 eröffnet wurde. Hier müssen wir allerdings einen Mundschutz tragen und leider sind die interaktiven Module zurzeit nicht benutzbar“, ergänzt Sebastian. Neben einem vorgegebenen Laufweg zu den verschiedenen Ebenen sind das aber schon die einzigen, kleinen Einschränkungen, mit denen der Besucher durch Corona leben muss. Als wir das Museum betreten, fällt mir zuerst die moderne Bauweise aus Stahl und Glas, aber auch die extrem hohen Decken auf… ganz anders, als man es von einem Museum erwartet. „Wir befinden uns hier in der direkten Nähe der ausgegrabenen Fundamente der Eingangshalle der römischen Thermen. Und genauso hoch und erhaben waren diese damals tatsächlich“, erklärt mir Sebastian. Ganze 25 Meter hoch und eine Länge von 70 Metern misst das Museum, das einen chronologischen Rundgang durch die Geschichte ermöglicht. Los geht es bei der Zeit Cäsars bis zur Frankenzeit, dem Untergang der Römer. Kurz: eine ereignisreiche Zeitreise durch die römische Geschichte Xantens.

Über 2.500 Exponate…

… warten hier darauf entdeckt zu werden. Das Besondere: Sie befinden sich auf frei im Raum angehängte Rampen und Ebenen. Darunter außergewöhnliche Grabbeigaben über Waffen wie ein für damalige Zeiten ungewöhnliches Handgeschütz mit spitzen Pfeilen über kostbare, römische Reiterhelme mit echtem Roßhaar, die originalgetreu rekonstruiert wurden. Langsam nähern wir uns den tatsächlichen Baderäumen, die man u.a. von oben von einer der Ebenen aus sehen kann. „Der Schutzbau, den wir darüber gebaut haben, entspricht den Maßen und Strukturen des antiken Gebäudes“, ergänzt Sebastian. Greifbarer kann man Geschichte nicht machen. Sehr beeindruckend und eine gelungene Kombination, die ich so noch in keinem Museum gesehen habe.

Besonders interessant finde ich auch den Ausstellungsbereich, dem ich den Titel „Schöner Wohnen in der Antike“ geben würde. Hier fällt mir besonders die prachtvolle Wandmalerei ins Auge, die ebenfalls teilweise rekonstruiert wurde. „Die Besitzer dieser Wand waren schon vermögender. Nicht jeder konnte sich so eine kunstvolle Malerei leisten“, fügt Sebastian hinzu. Aber auch die teilweise filigranen Griffe & Co. u.a. aus Knochen, die ich in einer Vitrine entdecke, sind bemerkenswert verarbeitet. „Knochen waren das Plastik der Antike sagt man. Durch die Schlachtungen hatte man das Material ja da und so für viele Dinge genutzt.“ Vorbei an dem nächsten Ausstellungsbereich, der das Handwerk der damaligen Zeit umfasst, erreichen wir schon mein nächstes Highlight – die Überreste eines Lastenschiffes, dass für den Transport genutzt wurde und einfach mal so frei in zwölf Meter Höhe schwebt.

Moderne Medien

Eine weitere Besonderheit hier im LVR-RömerMuseum: überall kommen moderne Medien zum Einsatz, wie z.B. ein aufwändig produzierter, animierter Film über das zivile Leben in Colonia Ulpia Traiana – perfekt platziert über dem Modellbau der römischen Stadt. Kleine Tipp: Nicht zu weit nach vorne beugen oder in den Modellbereich reingreifen, dann wird der Alarm ausgelöst. Mein Fotograf Malte wollte eine Nahaufnahme von den Gebäudemodellen machen und schon hatten wir eine akustische Kostprobe von so einem Museums-Alarm. „Das passiert schon mal öfters“, lacht Sebastian. „Aber das müssen wir machen, um das Modell vor Beschädigungen zu schützen.“

Auf zur Werft

Und Schiffe ist auch schon das richtige Stichwort, denn die angrenzende Werft steht als nächstes auf unserem Programm – einer der neueren Attraktionen des Parks. Hier entstehen fahrtüchtige Nachbauten von römischen Schiffen, die teilweise auch schon auf der Xantener Südsee zu Wasser gelassen worden sind. „Mit diesem Projekt wollen wir einen besonderen Augenmerk auf die Schifffahrt und den Rhein als Lebensader der römischen Stadt legen“, erklärt Sebastian. Aktuell wird ein Patrouillenboot mit 26 Ruderplätzen gebaut. Im wahrsten Sinne des Wortes mit an Bord sind die beiden Auszubildenden Stefan und David, die Teil eines Inklusionsprojektes sind. Stefan baut die Schiffe sogar im Verhältnis 1:10 nach und nutzt jede freie Minute, um sein Projekt fertig zu stellen. „2.500 Nägel brauche ich zum Nachbau des Patrouillenbootes und 52 Ruder muss ich einzeln anfertigen. Zwei bis drei Stunden brauche ich pro Ruder etwa. Aber das macht total viel Spaß“, freut sich der Auszubildende. Schön zu sehen, dass er in der Holzwerkstatt mehr als gut aufgehoben ist und sein Hobby quasi zum Beruf macht.

Instagram-HotSpots

Unser nächster HotSpot des APX ist der Hafentempel – das beliebteste Fotomotiv im APX, verrät mir Sebastian. Und ich werde auch direkt Zeuge bei dem ein oder anderen Selfie der anderen Besucher natürlich inklusive dem prachtvollen Bauwerk, das mit seinen hohen Säulen sehr erhaben wirkt. „Der Hashtag #hafentempel wird übrigens am häufigsten bei einem Besuch bei uns verwendet“, freut sich Sebastian. Die Rekonstruktion des Hafentempels ist aber auch allein durch die Höhe von 27 Metern mehr als beeindruckend und war nach dem Kapitol der zweitgrößte Tempel der römischen Stadt.

Das Amphitheater ist ein weiterer eindrucksvoller Teil römischer Geschichte, unser nächster HotSpot. „Hier wurde die Bevölkerung mit Gladiatorenkämpfen und Tierkämpfen unterhalten. Bis vor einiger Zeit wurde die Arena für Konzerte, Musicals, Opern & Co. genutzt“, erklärt mir Sebastian. „1991 war sie sogar Schauplatz für die TV-Show ‚Wetten, dass…?`. Es gibt sogar noch ein Youtube-Video davon, das hab ich mir die Tage noch angeschaut. Für die Stadtwette sollten damals acht Fallschirmspringer hier in der Arena landen.“ Ihr könnt hier übrigens nicht nur diese tolle Kulisse genießen, sondern auch, erklimmt man alle Stufen, eine tolle Aussicht über Xanten und das APX. Kleiner Tipp: Hier ist der perfekte Ort für eine kleine Pause! Von hier aus sieht man übrigens auch die römischen Herbergen und Handwerkerhäuser. Was es hier zu entdecken gibt, dürft ihr aber selbst herausfinden. 😉

Spaß für die ganze Familie

Das i-Tüpfelchen für den perfekten Ausflug für die ganze Familie sehe ich auf meinem Rückweg – ein riesiger Abenteuerspielplatz inkl. Wasserspielplatz. Hier können die Kleinen, aktuell begrenzt auf 20 Kinder, klettern und mit Kanälen, Pumpen, Schleusen und einer Archimedischen Schraube experimentieren. Die Großen können sich währenddessen auf den Bänken und Tischen im Schatten der Bäume ausruhen und die Kleinen beim Toben beobachten. „Auch unser Spielehaus wird bald wieder öffnen und dann können wieder die antiken Vorläufer von kniffeligen Brett- und Wurfspielen ausprobiert werden“, ergänzt Sebastian, bevor wir uns schon so langsam verabschieden müssen. „Vielleicht kommt ihr uns wieder besuchen, wenn wir wieder mit unseren Veranstaltungen loslegen können.“ Das hört sich doch gut an und kommen natürlich gerne wieder! Sobald es mit den Events losgeht, könnt ihr die Termine auf der Homepage des APX finden: https://apx.lvr.de.

Gut zu wissen

Wie schon erwähnt, ist der Eintritt aktuell frei. Geöffnet ist zurzeit dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, montags ist geschlossen. Auch die Gastronomie des APX in einer alten Kaffeemühle wird in Kürze wieder mit einem neuen Pächter eröffnet.

Ihr wollt mehr über das APX erfahren?

Hier geht es weiter:

https://niederrhein-tourismus.de/kultur/lvr-archaeologischer-park-xanten-2

 

 

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Über mich

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