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Besondere Wanderrouten – Teil 6: Der Effelder Waldsee-Pfad in Wassenberg

13.08.2021

Kennt ihr schon die zehn leichten und barrierefreien Wanderwege „Leichte.Wander.Welt.“ vom Naturpark Schwalm Nette? Einen habe ich für euch heute getestet – den Effelder Waldsee-Pfad in Wassenberg mit angenehmen 4,7 Kilometern. Neben einer abwechslungsreichen, niederrheinischen Landschaft findet ihr auf dieser Route übrigens auch bezaubernde Einkehrmöglichkeiten – das perfekte Ausflugsziel für die ganze Familie inklusive der Großeltern.

 

Der Startpunkt der Tour am Parkplatz an der Waldseestraße, Ecke Bruchstraße ist leicht zu finden, das Wetter nahezu perfekt und wir schauen uns erstmal auf der Infotafel den Wegverlauf an, der einmal um den See führt. Zusätzlich findet ihr hier eine kurze Streckenbeschreibung, Tipps und Besonderheiten zur Tier- und Pflanzenwelt, aber auch weitere Infos über die Hintergründe dieser besonderen Wanderwege.

 

 

Die Leichte.Wander.Welt.

Denn jeder, ob mit oder ohne Handicap soll die Möglichkeit haben, die Einzigartigkeit der niederrheinischen Natur zu erleben und das Projekt „Leichte.Wander.Welt.“ setzt sich genau dafür ein. Insgesamt hat der Naturpark Schwalm-Nette und die Biologische Station Krickenbecker Seen zehn leichte und barrierefreie Wanderwege entwickelt, die auch nach dem Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ zertifiziert sind. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR).

Die Routen sind von ein bis acht Kilometer lang und damit alle Menschen diese nutzen können, wurden bestimmte Qualitätskriterien berücksichtig: Die Wege sind mindestens 1,5 Meter breit und können mit dem Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen befahren werden. Darüber hinaus wurden extra Parkplätze für Menschen mit Behinderung eingerichtet. Außerdem gibt es entlang der Strecke Sitzmöglichkeiten, Ruhezonen und Gastronomie, die auf den Infotafeln am Startpunkt eingezeichnet sind. Kurz: Eine wirklich tolle Möglichkeit allen Menschen Naturerlebnisse am Niederrhein zu bieten.

Für uns geht es jetzt erstmal vom Parkplatz aus erstmal an Äckern, dem Außengelände des Sees entlang und vorbei am Amici Beach Club. Kurze Zeit später entdecken wir das erste Hinweisschild relativ am Anfang eines Weges mit dem bekannten W, allerdings in braun mit einem weißen W – die Kennzeichnung für die neue „Leichte.Wander.Welt“. An diesem Zeichen, das überall sichtbar angebracht ist, könnt ihr euch wunderbar orientieren.

 

 

Interaktiver Wegbegleiter

Ein paar Meter weiter wird es direkt interaktiv. An einer, ich nenn es mal Säule, bekommt ihr mehr Informationen über den Grenzübergang Effeld, an dem wir uns gerade befinden, inkl. QR-Code, der euch mehr zu dem Thema verrät. Direkt daneben ist eine rostige Erzählfigur, die man durch Kurbeln eines Stabes und drücken eines Knopfes zum Reden bringt. Dargestellt ist ein Mitglied des Schützenvereins, der davon berichtet, dass die Kaffeesteuer bis 1953 unglaublich hoch war. Allerdings gab es an der nahen holländischen Seite ein Laden mit Gaststätte mit dem Namen „Et Männke“, der von dem Geschwisterpaar Harry und Mie betrieben wurde. Einmal haben die Effelder sogar mit dem gesamten Schützenzug Kaffee erfolgreich über die Grenze geschmuggelt. Eine schöne und vor allen Dingen informative Überraschung am Wegesrand, oder?

Auf in die Niederlande

Von hier aus führt uns das „W“ weiter geradeaus – leicht rechts, aber nicht direkt rechts – und hier befinden wir uns auch schon in den Niederlanden. Links steht ein Pony auf der Weide, rechts passiert man ein schönes, grünes Haus und auch Radfahrer kommen uns entgegen. Vor einem kleinen Hof auf der rechten Seiten steht ein kleiner Tisch mit Blaubeeren, Johannisbeeren & Co., die man für kleines Geld, was man in die Spardose wirft, mitnehmen kann. Frischer geht’s nicht!

Jetzt geht es am Hof vorbei direkt nach rechts und wir wandern ein ganzes Stück immer geradeaus zwischen Obstplantagen mit Äpfeln und Birnen. Zwischendurch entdecken wir Insektenhotels, eine Bank zum Ausruhen, und einen Hof mit einem riesigen Apfel vor dem Tor. Ein paar Schritte weiter sehen wir einen kleinen Springbrunnen und ein kleines, typisch holländisches Städtchen liegt vor uns. Es trägt den Namen Etsberg und besteht aus vielen kleinen Häusern mit großen Fenstern, durch die man ins Wohn- oder Esszimmer schauen kann. Keine 200 Meter (Achtung: Entfernungseinschätzung einer Frau) weiter und nach ein paar Schritten führt uns das „W“ dann schon nach rechts und was sofort wieder nach links.

 

 

Tierische Beobachter

Neben einer großen Wiese mit rotem Mohn und anderen Wildblumen auf der rechten Wiese, entdecken wir auf der linken Seite ein kleines, wahrscheinlich privates, Wildgehege. Fünf Rehe zähle ich, die alle süße Tupfen auf dem Rücken haben. Ein paar verstecken sich im hohen Gras und einige scheinen mich zu beobachten, wie ich sie gerade auch. Ich könnte ihnen noch stundenlang zuschauen, aber unser Wanderweg ist ja noch lange nicht zu Ende.

Es geht übrigens auch tierisch weiter. Vorbei an Feldern mit kleinen und größeren Tannenbäumen – vermutlich künftige Weihnachstbäume – sehen wir rechts eine große Koppel mit Pferden. Auch hier nehme ich kurz Blickkontakt mit ihnen auf und beobachte sie kurz, bevor es wieder weiter geht.

 

 

Kaffee to stay oder to go

Durch ein kurzes Waldstück gehen wir geradaus auf einen hohen Zaun zu und hören schon viele lachende Kinder. Dahinter verbirgt sich ein kleines Paradies für die Kleinen mit einem riesigen Spielplatz und kleinen Fahrgeschäften. Als wir den Weg, vom Zaun aus rechts, weiter folgen, finden wir direkt drei holländische Cafés zum „Einkehren“, die alle gut besucht sind: De Huifarhuere, De Gitstop und das Aaah de Hueve. Viele Fahrräder parken hier und einige Gäste essen auch ein Stück Kuchen zu ihrem Kaffee. Sieht von der Entfernung schon sehr lecker aus. An einem Café gibt es übrigens auch „Kaffee to go“, falls ihr direkt weiterwandern wollt.

 

 

Heimat des Bachneunauges

Genau hier befindet sich auch der Rodebach und die Gitstapper Mühle, eine alte Wassermühle mit einem Mühlenweiher. 1377 wurde sie das erste Mal erwähnt und gehörte dem Herrn von Vlodrop. Betrieben wurde sie damals als Mahl- und Ölmühle, seit 1988 dient sie als Schau- und Museumsmühle. Hinweistafeln direkt gegenüber geben Einblicke in die natürliche Wasserwirtschaft und informiert darüber, dass der Rodebach einer der wichtigsten Laich- und Lebensräume des seltenen Bachneunauges ist, eine kleine aalartige Fischart.

Von hier aus geht es auf eine nächste Kreuzung zu und hier müsst ihr links abbiegen und wieder dem „W“ auf den kleinen Schildern folgen und in den Wald rechts von euch hineingehen. Nach ein paar Metern geht es an der nächsten Kabelung auch wieder nach rechts und ihr folgt einem langen Waldweg. Der Wanderweg ist total abwechslungsreich und ihr könnt alle Facetten des schönen Niederrheins genießen. Hier befindet ihr euch auch wieder in Deutschland.

Am Ende des Waldweges angekommen, kommt ihr an einer Straße aus, die euch wahrscheinlich von der Anfahrt her bekannt vorkommt – die Waldseestraße. Hier überquert ihr einfach die Straße und folgt der Straße vorbei an Spargel- und Kartoffelfeldern zurück zum Parkplatz.  Dabei passiert ihr auch wieder den Amici Lodges Camping und Freizeitpark am Effelder See. Hier könnt ihr mit eurem Reisemobil oder Wohnwagen einchecken oder direkt eine eigene Holzlodge buchen.

Gut zu wissen

Der über 40 Jahre alte und 3,8 km² große Effelder Waldsee ist übrigens ein Auskiesungssee mit drei der Natur vorbehaltenen Inseln und ungestörten Bereichen im Nordwesten sowie touristischer Nutzung im südlichen Teil.

Mehr zu den neuen Wanderwegen „Leichte.Wander.Welt.“ findet ihr online hier oder als kostenlosen Flyer u.a. in allen Naturparkzentren.

Ihr wollt mehr über barrierarme Angebote erfahren? Dann schaut auch auf der Homepage des Niederrhein Tourismus (NT) die Plattform „Unbeschwert reisen“ an. Hier hat der NT

Gastgeber und Freizeiteinrichtungen zusammengetragen, die Menschen mit besonderen Bedürfnissen unterstützen oder deren Betriebe nach den Kriterien „Reisen für alle“ zertifiziert sind. Das Ziel: Barrierefreies Reisen soll das Markenzeichen für einen Urlaub am Niederrhein werden. Deshalb hat sich NT mit den vier Kreisen Viersen, Kleve, Wesel und Heinsberg am Projekt „Reisen für alle – Der Niederrhein als Zielmarkt für Reisende mit besonderen Bedürfnissen“ der Bundesregierung beteiligt.

 

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

Ich freue mich, wenn ihr mich auf meiner Reise durch den Niederrhein begleitet!

 

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