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Besondere Wanderrouten – Teil 10: Waldmärchenpfad Haaren in Waldfeucht

28.10.2022

Lust auf eine spannende Natur-Erlebnis-Tour, die euch nicht nur knapp vier Kilometer durch Felder, Wiesen und durch den Wald leitet, sondern euch auch in eine Märchenwelt mit 12 Stationen entführt, in der ihr mehr über die Tier- und Pflanzenwelt erfahrt? Ein Bienenlehrpfad und ein Barfußpfad ergänzen das Erlebnis. Hört sich nach der perfekten, besonderen Wanderoute an, oder? Zu finden ist diese in Waldfeucht-Haaren und hört auf den schönen Namen „Waldmärchenpfad“.

 

Für meine Reihe der besonderen Wanderrouten versuche ich immer abwechslungsreiche und nicht alltägliche Touren für euch zu finden und zu testen. Mit dem Waldmärchenpfad Haaren im Kitscher Bruch habe ich ein echtes Schmuckstück entdeckt, das besonders für Kinder geeignet ist. Das Projekt umgesetzt, hat der Imkerverein Waldfeucht und Umgebung e.V. und dazu einen begleitenden Flyer konzipiert. Diesen gibt es in zwei verschiedenen Varianten: einmal für Kinder in Form eines Märchens mit der kleinen Biene Melli und einmal für Erwachsene, die mehr über die historische Geschichte des Pfades erfahren. Bevor ihr also den Waldmärchenpfad erkundet, empfehle ich euch den/die Flyer online herunterzuladen oder an der ersten Station des Pfades, am Café „Zur Klus“, abzuholen.

 

 

Der Startpunkt: Café „Zur Klus“

Das Café ist auch gleichzeitig der Ausgangspunkt für den knapp vier Kilometer langen Rundweg, für den ihr etwa eine Stunde braucht, durch ein kleines Naturidyll der Gemeinde Waldfeucht führt und all eure Sinne ansprechen wird. Hier findet ihr auch schon eine erste Hinweistafel, die euch den Verlauf des Waldmärchenpfades mit den verschiedenen Stationen zeigt und weitere Informationen bereithält. Es handelt sich sogar um einen barrierefreien Rundweg, der mit insgesamt 12 Beobachtungs- und Erlebnisstationen jede Menge über die Tier- und Pflanzenwelt offenbart – ein langweiliger Spaziergang wird das auf keinen Fall.

Mit beiden Flyern ausgestattet, kann es auch schon losgehen und wende mich nochmal dem Café zu. Hier könnt ihr wunderbar einkehren, er dient als touristischer Informationspunkt und ist sogar ein geschichtsträchtiger Ort. Vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert wurde an dieser Stelle die Taufkirche St. Jans Klus von iroschottischen Mönchen erbaut. Das Gebäude, in dem sich das Café befindet, wurde dann etwa im 17. Jahrhundert errichtet und diente bis 1824 als Pfarrkirche.

Das Café ist auch der Ort, in dem die Kinder durch den Flyer das erste Mal der Biene Melli begegnen. Hier sitzt sie auf der uralten Esskastanie und hört auf einmal ein unheimliches Geräusch, das sie näher erkunden will. Ich kann mich gar nicht entscheiden, welchen der Flyer ich weiter verfolgen soll… ein bisschen interessiert mich schon, was Melli noch alles erlebt.

 

 

Von der Kitscher Mühle…

Melli fliegt, wie ich, also in Richtung zweite Station, die ich über einen langen Feldweg den ich an einer Gabelung einmal links abbiegen muss, erreiche. Keine Sorge, der Waldmärchenpfad ist gut ausgeschildert und ihr könnt diesen nicht verfehlen.

Nach ein paar Metern auf der linken Seite sehe ich eine Bank und direkt daneben befindet sich ein Pfosten mit einem Schild – die zweite Station „Blick zur Kitscher Mühle – Zeit für eine kleine Auszeit“. Und die nehme ich mir jetzt auch und genieße den Blick über die alte Kulturlandschaft. Die Kitscher Mühle, die zum Gut Kirenz gehörte, bestand aber nur bis ins 18. Jahrhundert, deswegen ist auch die Mühle nicht mehr zu sehen. Allerdings gibt es am Ortsausgang nach Karken einen Bauernhof, der durch seinen Namen „Kitscher Mühle“ die Erinnerung an die alte Wassermühle bewahrt. Auch die Biene Melli stoppt hier kurz und trifft dort auf einen Zitronenfalter, bevor sie von dem seltsamen Geräusch weitergezogen wird.

 

 

… zur Spechthöhle

Wir gehen auch weiter und passieren ein Schild, dass uns darüber informiert, dass wir uns im Naturschutzgebiet „Kitscher Bruch/Kirchhover Bruch“ befinden. Der Weg führt weiter in den Wald hinein und ein paar Meter weiter, entdecken wir auch die Station 3: „Spechthöhle/Totholz – Hör mal wer da klopft“. Und tatsächlich hören wir hier genau das, was auch Melli gehört hat, ein Specht, der dabei ist, eine Bruthöhle in einen alten, abgestorbenen Baum zu „zimmern“. Aber das ist noch nicht alles, was der Specht hier macht. Er sucht unter der Borke kleine Insekten und Larven. Habt ihr gewusst, dass das Hämmern auch eine soziale Funktion hat? Damit vermittelt der Specht seinen Artgenossen, dass hier sein Reich ist.

Auch die nächsten beiden Stationen, alle will ich euch nicht verraten, geben einen guten Eindruck, was man alles in einem Wald entdecken kann und wer hier so lebt. Auch Melli begegnet dem ein oder anderen Waldbewohner.

 

 

Zwischenstopp: Peter-Müller-Park

Habt ihr eigentlich mal im Wald bewusst tief eingeatmet? Ich mache das auf meinem Weg die ganze Zeit und genieße diese frische Luft, die ein bisschen erdig riecht, aber auch Moos und Holz dominieren die Luft. Während ich ein bisschen vor mich hinträume, kommen wir an dem Peter-Müller-Park vorbei, der zwar nichts mit dem Waldmärchenpfad zu tun hat, aber trotzdem dazu einlädt, einen Blick hineinzuwerfen. Es handelt sich um einen Privatpark, der das ganze Jahr geöffnet hat und 2020 den Heimatpreis gewonnen hat.

Verschiedene Bänke zum Ausruhen, ein großer Teich, eine Hütte zum Unterschlupf finden, verschiedene Metallblumenskulpturen, die majestätisch in den Himmel ragen, ein sandiger Boden, auf dem man läuft und viele weitere Dinge, machen diesen Park zu einem ganz besonderen Ort. Aber da wir noch einige Stationen vor uns haben, bleibt es bei dem kleinen Abstecher und wir folgen dem Weg weiter. Zwischendurch müssen wir eine Straße überqueren und finden hier eine weitere Hinweistafel zum Waldmärchenpfad, die nochmal einen Überblick bietet. 

 

 

Schützt den Wald

Weiter in den Wald hinein, stoßen wir, vorbei an einem Feld, auf die Station 6 – „Der Gedichtstein – Lyrik im Walde“. Mit dem Stein wurde nicht nur der Schönheit der Natur ein Denkmal gesetzt, sondern das Gedicht fordert auch dazu auf, den Wald mit Bedacht zu betreten, auf ihn zu achten und ihm auch zuzuhören. Ein wichtiger Aspekt, der so perfekt in den Fokus gerückt wird.

Auch die Biene Melli verweilt in dem Märchen kurz auf dem Stein und ergänzt etwa, dass es wichtig ist, auch die Tiere im Wald nicht zu stören, auf dem Weg zu bleiben und keine Pflanzen abzuzupfen.

 

 

Der Imkerlehrpfad

Am Stein biegen wir rechts ab und folgen dem Weg entlang eines Baches. Und wieder erreichen wir nach ein paar Metern, die nächste Station 7: „Der Imkerlehrpfad – Rendezvous mit einer Königin“. Dieser ermöglicht auf verschiedenen Hinweisschildern Einblicke in die Welt der Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen, die Teil des Naturerlebnispfades sind.

Aber wie genau unterscheiden sich diese voneinander. Diese Antwort liefert der Flyer: „Die meisten Bienen sind sogenannte Solitärbienen. Das bedeutet, dass jedes Weibchen ein eigenes Nest baut und darin die Nahrung für ihre Larven sammelt. Hummeln sind soziale Insekten. Im Frühjahr beginnt die Königin mit dem Bau des Nestes. Fast alle ihre Nach- kommen sind Arbeiterinnen. Erst später im Jahr schlüpfen Männchen und neue Königinnen. Wespen sind häufig in Büschen und im Gestrüpp zu finden. Es existieren soziale und solitäre Arten. Soziale Wespen bilden Staaten, solitäre Wespen bauen einzelne Nester.“ Wieder was gelernt!

Übrigens ist auch die Biene Melli hier zu Hause. In dem Märchen versucht sie an dieser Stelle den Kindern zu erklären, dass die Bienen wichtig für die Menschen sind. Sie sammeln Blütenpollen, fliegen von Blüte zu Blüte und bestäuben die Pflanzen. Durch sie können wir u.a. im Sommer Kirschen und im Herbst Äpfel und Birnen essen.

 

 

Der Barfußpfad

Direkt am Imkerlehrpfad befindet sich auf der Barfußpfad, den ich, trotz herbstlicher Temperaturen, unbedingt testen muss. Eine Bank bietet die Möglichkeit, sich bequem seiner Schuhe zu entledigen und natürlich auch, sich eine kleine Auszeit zu nehmen. Ich erkunde erstmal die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten von unterschiedlich großen Steinen über Sand bis hin zu Rindenmulch.

Durch den unebenen Untergrund, der durch die verschiedenen Materialien bedingt ist, wird der Fuß beim Laufen wesentlich stärker aktiviert als auf glattem Untergrund oder in Schuhen. Das fördert die Stärkung der Füße und des Rückens und hat viele weitere positive Effekte auf den Körper: Es steigert die Durchblutung und bei kühlen Temperaturen kurbeln die Kältereize die Wärmeproduktion im Körper an – also ideal auch für den Herbst.

 

 

Weitere Stationen

Nach meinem kleinen „Fußbad“ geht es auf weitere Entdeckungstour und wir begegnen neben weitere Stationen, auch ein Landschaftswechsel in Form von Feld und Wiesen. Wir kommen sogar an dem Imkerverein vorbei, der den Waldmärchenpfad initiiert hat. Hier gibt es auch einen Imkerlehrstand, der gerade von einer kleinen Familie erkundet wird.

Dem weiteren Weg folgend, nähern wir uns Pferdekoppeln und biegen rechts in eine kleine Baumallee. An der Ecke finden sich auch die Station 10: „Die Obstwiese – Naturparadies mit Mehrwert“. Gerade Streuobstwiesen sind für die Landschaft wichtig, weil sie Lebensraum für viele verschiedene Tiere und Pflanzen sind. Um diese Bestände zu erhalten, fördert u.a. der Naturschutzbund des Kreises Heinsberg die Pflege alter Obstwiesen und die Verwertung des Obstes, verrät uns der Flyer.

Auch die Biene Melli ist ein Fan von Streuobstwiesen, weil sie hier besonders im Frühjahr reichlich Pollen findet und die Apfel- und Birnenbäume einen zarten Duft verströmen.

Ab hier sind es nur noch zwei weitere Stationen und schon ist der Waldmärchenpfad zu Ende, der nicht nur sehr lehr-, sondern auch abwechslungsreich war.

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

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