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Auf Schatzsuche im StiftsMuseum Xanten

15.05.2020

Echte Schätze entdecken, in die geheimnisvolle Welt des Mittelalters eintauchen und sich auf eine spannende Zeitreise begeben – mein nächster Blogbeitrag führt mich in eines der schönsten kirchlichen Museen in Deutschland: das StiftsMuseum in Xanten. Das Ensemble aus Museum, Bibliothek und Archiv feierte vor wenigen Tagen seinen zehnten Geburtstag und beherbergt u.a. auf 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche über 400 Exponate – ausschließlich Originale (!) in den historischen Räumen des einstigen Viktorstifts. Neugierig? Bis Ende Mai ist der Eintritt sogar noch frei.

 

Immer wenn ich in Xanten bin, überwältigt mich der ganz besondere Charme dieser Stadt. Überall sieht man alte Bauwerke, historische Relikte und findet zauberhafte, kleine Läden, Cafés und Restaurants, die einem den Aufenthalt versüßen. Umso mehr freue ich mich, dass ich wieder hier sein, auf eine kleine Zeitreise durch zwei Jahrtausende Kirchen- und Kulturgeschichte gehen und mehr über Xanten und den Niederrhein erfahren darf. Mein Ziel – das StiftsMuseum, das optimal direkt neben der ehemaligen Stiftskirche, dem Xantener Dom gelegen ist. Mit meinem Fotografen Malte treffe ich mich mit der stellvertretenden Leiterin des Museums Elisabeth Maas und der wissenschaftlichen Volontärin Hannah Metzner zur kurzen Besprechung in der Forschungsbibliothek. Da unser Besuch kurz vor dem Lockdown stattfand, fällt für uns das Abstandhalten und der Mundschutz noch weg. Wer heute das StiftsMuseum besucht, muss einige Sicherheitsmaßnahmen beachten, wie das Desinfizieren der Hände vorab, das Tragen eines Mundschutzes, das Einhalten des Mindestabstandes und den vorläufigen Verzicht auf Führungen. Allerdings ist noch bis Ende Mai der Eintritt frei und – Achtung Spoiler – ein Besuch lohnt sich!

Originale live erleben

Zehn Schauräume, ein Filmraum, die Bibliothek und das Archiv liegen jetzt vor mir und ich bin schon gespannt, was mich so alles erwartet. Unser Startpunkt ist der Gewölbekeller. „Der Rundgang durch die Räume ist thematisch und chronologisch geordnet und besonders stolz sind wir darauf, dass wir nur Originale zeigen“, erklärt mir Elisabeth Maas das Museumskonzept, was aber noch mehr Besonderheiten bereithält. Unterstützt wird der Besucher bei seiner Zeitreise von einem mobilen Begleiter in Form von einem Audio-Guide in vier Sprachen und auch an die Kinder wird mit einem ganz speziellen und leicht verständlichen Audio-Guide gedacht. Was mir direkt auffällt, durch die „gedimmte“ Lichtinszenierung wirken die Räume geheimnisvoll, beinahe mysteriös und die kostbaren Exponate sind in den Vitrinen so positioniert, dass man von allen Seiten Einsicht hat. „Im ersten Raum starten wir mit der Römerzeit im Raum um Xanten bis ins 11. Jahrhundert. Hier befindet sich auch das älteste Stück unserer Ausstellung – eine Pyxis, eine Elfenbeindose mit heidnischen Symbolen wie z.B. Odysseus, die wohl um 500 in Syrien entstand und in Xanten für Hostien benutzt wurde“, erklärt mir die Kunsthistorikerin. Im Vordergrund stehen in diesem Raum aber nicht nur römische Münzen, Götterfiguren aus Bronze & Co., sondern vor allem die Legende des Heiligen Viktors. Kurz: es wird hier erklärt, wie es zum Bau des Viktorstifts Xanten und des Doms gekommen ist, neben dem sich das StiftsMuseum heute befindet. Bevor es in den nächsten Raum kommt, gibt es noch ein Highlight, das ihr selbst entdecken müsst. Soviel verrate ich schon mal – es ist begehbar und aus Marmor.

Besondere Kostbarkeiten

Wer mehr über die Baugeschichte des Xantener Doms erfahren möchte, wird im nächsten Raum fündig. Zahlreiche original Akten, Urkunden, Bestellungen und Verträge mit Baumeistern lassen erahnen, welches gigantische Projekt für damalige Verhältnisse da umgesetzt wurde. „Mehr Unterlagen gibt es in unserem StiftsArchiv, das wir später noch besuchen werden“, ergänzt Hannah Metzner, die seit ein paar Wochen das StiftsMuseum-Team unterstützt. Geht man ein paar Stufen in den nächsten Raum hinunter, findet man weitere kostbare Schätze und rätselhafte Reliquiare aus der Zeit des Xantener Viktorstifts. Ein echter Blickfang ist da u.a. ein Embriachikästchen, das von der Künstlerfamilie Embriachi um 1400 in Venedig stammt. „Wer etwas auf sich hielt, hatte so ein kunstvoll gestaltetes Kästchen zur Aufbewahrung von Schätzen – damals ein echtes Must-Have. In Xanten hat man Reliquien reingetan – also vor allem Knochen von Heiligen“, fügt Elisabeth Maas lächelnd hinzu. Apropos Must-Have… in der nächsten Vitrine befindet sich eine mit Goldfäden gewebte und mit Perlen bestückte sogenannte Almosentasche, die eine vornehme Dame um 1340 am Gürtel trug. Hergestellt in Paris bewahrte die Dame darin die Münzen bzw. Almosen auf, die sie in der Kirche beim Gottesdienst abgab. Das Pendant also zur heutigen Gürteltasche. 😉 Das nächste Highlight in diesem Raum – ein wunderschönes, barockes Kreuz mit Splittern vom wahren Kreuz Christi, das auch tatsächlich noch für Prozessionen zu Ostern und Pfingsten genutzt wird.

Stiftsherr als lukrativer „Job“

Auf der nächsten Ebene, im Erdgeschoss, angekommen, fällt mein Blick durch ein Fenster nach draußen in den wunderschönen Kreuzgang, der das StiftsMuseum mit dem Dom quasi verbindet und einen Bezug zum historischen Außenraum herstellt. „Den Kreuzgang besuchen wir ganz am Ende noch, der ist wirklich zauberhaft. Letztens hatte ich ein Gespräch mitbekommen und da sagte doch tatsächlich der Vater zum Sohn ‚Guck mal, wie bei Harry Potter`“, lacht Elisabeth Maas. Die nächsten Ausstellungsräume laden zum einen zum Anschauen eines kurzen Spielfilms ein und auch einige Gemälde mit Stiftherren findet man hier. Das Thema hier: die Geschichte und die Organisation des Stifts. Besonders interessant – die Stiftzugehörigkeit war durchaus attraktiv, denn die Stiftsherren bekamen sowas wie ein „Gehalt“ und so wollten viele adlige Söhne, die kein Erbe zu erwarten hatten, entweder zum Militär oder eben zur Kirche. Zur „Heiligenversammlung“ geht es im nächsten Raum. „Am besten gefällt mir die beseelt und ein bisschen verschmitzt lächelnde Heilige Maria um 1330, die auch noch die ursprüngliche Farbfassung behalten hat“, verrät mir die Kunsthistorikerin. Aber auch anderen Heilige wie Severus, der Patron der Weber, und Nikolaus, der Patron der Kaufleute sind hier zu finden.

Kunst trifft Mode

Um weitere kostbaren Einzelstücke rund um den Altar geht es einen Raum weiter. Ein Highlight hier – eine hochgotisch, goldene Turmmonstranz von etwa 1370, ein Schaugefäß für Hostien, das sehr kunstvoll gearbeitet ist und am Fuß Drachen zeigt, die das Böse verkörpern, die aber im Fuß gebannt und so keine Gefahr mehr darstellen. Kunstvoll sind auch die Amtstrachten bzw. die Paramente, die teilweise aus schweren Barockstoffen gefertigt wurden, und gleich zwei Räume füllen. Das älteste Stück der Sammlung ist nahezu perfekt erhalten und stammt aus dem Zeitraum um 1100. Erstaunlich welche Formen, Schnittmuster und Farben hier verwendet wurden.

Kurz vor der StiftsBibliothek auf die ich mich schon die ganze Zeit als kleiner Bücherwurm freue, wird die Stiftsgeschichte in einen größeren historischen Zusammenhang gesetzt und auch die unterschiedlichen Orden in Xanten spielen hier eine Rolle. „Das Herzstück unserer Sammlung sind die prächtigen Hand- und Druckschriften aus dem 12. bis 18. Jahrhundert, die wir hier zeigen. Teilweise wurde auf Pergament, also Tierhaut geschrieben und aufwendige Bilder gemalt. Dann kam der Buchdruck und hier ist die Weltchronik des Hartmann Schedel von 1493 ein besonders schönes Beispiel wie kunstvoll auch nachgearbeitet wurde. Aber wir haben noch viele weitere schöne Exemplare“, betont Elisabeth Maas und geht mit mir zielstrebig in Richtung Bibliothek.

460 Meter Buchkunstwerk…

Nach dem Ausschalten der Alarmanlage und ausgerüstet mit weißen Stoffhandschuhen betreten wir den Raum, den Besucher nur bei einer gebuchten Führung betreten dürfen. 15.000 Titel sind hier auf 460 Metern gebündelt und jedes Buch ist individuell und besonders. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. So viele alte Bücher habe ich noch nie auf einmal gesehen und bin ganz fasziniert, wie diese entweder mit Nadel und Faden gebunden wurden oder aber mit einem Holz- oder Ledereinband versehen sind. Ein paar Exemplare nimmt Elisabeth Maas aus dem Regal und blättert diese vorsichtig durch. Auch ich darf eine Bibel um 1617, die ganz schön Gewicht hat, vorsichtig aus dem Regal nehmen und mir näher anschauen. „Das älteste, gedruckte Buch, was wir hier haben, ist wahrscheinlich von etwa 1463“, ergänzt Hannah Metzner. „Und dank der Unterstützung durch die NRW-Stiftung konnten die Buchbestände in den vergangenen Jahren konserviert und damit benutzbar gemacht werden.“

… und mehr als 5.000 Urkunden

Kurz bevor meine Führung vorbei ist, darf ich noch einen Blick in eines der bedeutendsten Archive des Rheinlandes werfen, das allerdings Besuchern verborgen bleibt. Hier haben normalerweise Heimat- und Ahnenforscher oder interessierte Besucher die Möglichkeit, sich Dokumente & Co. zur Ansicht herausgeben zu lassen. Mehr als 5.000 Urkunden und einige tausend Akten ermöglichen dabei einzigartige Einblicke in die Geschichte. Jetzt geht es noch zum versprochenen Kreuzgang raus – ein weiteres Highlight, das ihr euch unbedingt einfach selber anschauen müsst!

Gut zu wissen

Geöffnet ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr und wie erwähnt, ist noch bis Ende Mai freier Eintritt. Ab dem 1. Juni beträgt der Eintritt für Erwachsene wieder vier Euro, ermäßigt drei Euro, und Kinder unter 18 Jahren bezahlen nix.

Mehr Infos findet ihr hier:

https://niederrhein-tourismus.de/museen/stiftsmuseum-xanten-2

https://www.stiftsmuseum-xanten.de

Mein Outfit:

Aufgrund vieler Nachfragen, was ich so trage, verrate ich euch ab sofort immer, wo ich die Sachen gekauft habe. Vielleicht habt ihr meinen gelben Hoody auch schon wiedererkannt. Ich habe ihn auf meiner Shoppingtour in Kempen – siehe letzter Blogbeitrag –bei B3 Home & Style (www.b3-kempen.de) auf der Judenstraße 4 erstanden. Er ist von Rich & Royal und es gibt ihn noch in vielen anderen coolen Farben. Meine Jeans von Only und meine Sneaker von New Balance sind Relikte aus meinem Kleiderschrank. 😉

 

 

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Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

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