A A A

Apfelsaison am Niederrhein – Lange Tradition trifft vielfältigen Genuss

09.09.2022

Rot oder grün, süß oder sauer, saftig oder fest – seit August beginnt so langsam die Apfelsaison am Niederrhein und bis Ende Oktober kommen immer mehr erntereife Sorten dazu. Wo es eine riesige Apfelauswahl gibt, wo die Apfelstadt liegt, wo ihr selbst Erntehelfer sein könnt, wo ihr mehr über alte Apfelsorten erfahrt und wo ihr den leckersten Apfelsaft bekommt, verrate ich euch hier…

 

Bevor ich euch das alles offenbare, gibt es ein paar Zahlen & Fakten rund um den Apfel. So etwas finde ich immer total spannend und macht einem erst bewusst, was für eine beeindruckende Tradition hinter dem Apfel steckt und was dieser für ein wertvolles und wichtiges Lebensmittel ist.

Gesundes Powerfood

Habt ihr zum Beispiel gewusst, dass der Apfel reich an Kalium, Calcium, Vitamin B, C und E & Co. ist? Die wertvollsten Stoffe stecken direkt unter der Schale, also am besten die natürliche „Verpackung“ mitessen. Nicht umsonst gibt es den Spruch „An apple a day keeps the doctor away“. Äpfel können euer Herz vor einem Schlaganfall oder Herzinfarkt schützen, das Risiko für Diabetes Typ 2 verringern und dafür sorgen, dass euer Gehirn im Alter fit bleibt. Wenn das nicht schon genug Gründe sind, um den Apfelkonsum jetzt in der Saison drastisch ansteigen zu lassen, dann weiß ich auch nicht. 😉 

 

 

Lange Tradition

Der Apfelanbau kann auch auf eine lange Geschichte zurückblicken, die in manchen Ecken bis ins achte Jahrhundert nach Christus zurückreicht. Besonders Klöster bauten Äpfel an und es gab 1582 sogar ein Gesetz, das Kurfürst August von Sachsen initiiert hat, dass Ehepaaren die Pflicht auferlegte, je zwei Obstbäume in ihrem Garten anzupflanzen.

Gerade am Niederrhein war früher die Versorgung vor allen Dingen durch Streuobstwiesen gegeben. Bauernfamilien haben das Obst auf dem Markt verkauft, aber auch für sich eingelagert, um sich viele Monate über mit frischem Obst ernähren zu können. Gegen Ende der 1950er-Jahre wurden die Streuobstwiesen immer weniger und moderne Plantagen kamen. Eine besorgniserregende Entwicklung, der heute vor allen Dingen ein Unternehmen am Niederrhein entgegentritt.

 

 

Die Privatkelterei van Nahmen

Allen voran ist da die Privatkelterei van Nahmen in Hamminkeln, die selbst auf eine über 100-jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken kann und heute Premium-Säfte & Co. anbietet. Von Anfang an lag der Familie Tradition am Herzen und hat bis heute die Streuobstwiese im Fokus. Eine solche durfte ich bei meinem Besuch bei Geschäftsführer Peter van Nahmen sogar besuchen und war überrascht, was es da alles für Sorten gab, wie etwa der Kaiser-Wilhelm-Apfel oder die rote Sternrenette und dass über 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten in so einer Streuobstwiese leben. Das Familienunternehmen arbeitet hier eng mit dem Naturschutzbund NABU zusammen und setzt sich seit über 25 Jahren für das Thema Nachhaltigkeit und den Erhalt von Streuobstwiesen als artenreiche Biosphären ein.

Alte Sorten bewahren

Begonnen hat die Zusammenarbeit damals der Vater von Peter und hat mit den regionalen Bauern Anbauverträge gemacht, um besonders niederrhein-westfälische Sorten zu erhalten. Die Bauern verpflichten sich natürlich nicht zu spritzen und bekommen höhere Erntepreise. Daraus ist etwa das Premium-Produkt „Apfelsaft von Streuobstwiesen“ entstanden, das separat gekeltert wird. Die entsprechenden Apfelbäume – es gibt über 85 verschiedene Apfelsorten – können über van Nahmen bezogen werden. Insgesamt wurden so in den letzten 25 Jahren über 18.000 Bäume herausgegeben, das sind etwa 200 Hektar bzw. 280 Fußballfelder.

Äpfel gegen Saft

Aber van Nahmen wird nicht nur von Bauern mit frischen Äpfeln & Co. beliefert, sondern auch von Privatpersonen, die in ihren Gärten noch Apfel-, Quitten-, Birnen- und Pflaumenbäume haben und in der Saison ihr Gut direkt nach Hamminkeln bringen. Zudem gibt es insgesamt 15 weitere Sammelstellen, die im Münsterland und am Niederrhein verteilt sind. Wenn ihr also Äpfel & Co. loswerden wollt, wisst ihr, wohin damit. Die ganze Aktion lohnt sich natürlich auch für euch. Ihr könnt euch ganz einfach Geld auszahlen lassen, ein Kundenkonto zum Sammeln anlegen oder bekommt die van Nahmen-Säfte zu einem deutlich günstigeren Preis.

 

 

Lehrreiches Shoppen

Ein Besuch bei der Obstkelterei rentiert sich auf jeden Fall gleich mehrfach. Im lichtdurchfluteten Hofladen mit Hofküche findet ihr u.a. über 30 Säfte im Gourmetsortiment, die national vertrieben werden und dann gibt es noch unser Mehrwegsortiment für den regionalen Markt. Insgesamt sind es allein über zehn verschiedene Apfelsäfte und viele weitere tolle, regionale und besondere Produkte. Mein Highlight ist hier definitiv der alkoholfreie Juicy Tea, eine Komposition aus bestem Saft und Tee, den es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Einkaufen könnt ihr hier von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 13 Uhr.

Direkt hinter dem Hofladen und neben dem Betriebsgelände könnt ihr auch den Obst-Lehrgarten besuchen. Hier wurde eine Streuobstwiese als Erlebnisraum gestaltet, um die Bedeutung dieser einzigartigen Biosphäre und die besondere Lebensqualität für uns Menschen anschaulich zu machen. Dazu wurden 25 verschiedene, auch selten gewordene Kulturobstsorten, darunter Apfel-, Birnen- und Pflaumenarten, angebaut und mit kleinen Informationstafeln versehen. Zwei zusätzliche große Schilder veranschaulichen u.a. welche Tiere in einer Streuobstwiese leben. Geöffnet ist der Obst-Lehrgarten vom 1. April bis 31. Oktober von Montag bis Samstag von 9 bis 18 Uhr und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

 

 

Lieblingssorten

Der Apfel gehört übrigens nicht nur zu den ältesten Kulturobstarten, sondern ist auch das beliebteste Obst der Deutschen. Pro Jahr werden etwa 24 Kilo Äpfel gegessen und hier gibt es ganz klare Präferenzen, was die Sortenauswahl angeht. Zu den Lieblingssorten gehören Elstar, Braeburn, Jonagold, Gala und Golden Delicious. Meine favorisierte Sorte ist der knackige Winter- bzw. Weihnachtsapfel Wellant. Sein Geschmack ist leicht süß-würzig und gleichzeitig fein säuerlich und ist sogar für Apfelallergiker geeignet.

Der St. Töniser Obsthof

Bekommen könnt ihr den Wellant im Laufe des Herbstes u.a. beim St. Töniser Obsthof. Der Hof in der schönen Apfelstadt Tönisvorst von Rudolf Steves ist übrigens sieben Tage die Woche geöffnet und bietet neben einem Hofladen mit vielen Produkten aus eigenem Anbau auch ein Hofcafé und Freizeitaktivitäten wie ein Volleyballplatz und ein Streichelzoo.

 

 

Natürlich könnt ihr hier auch einige Apfelsorten kaufen wie Fuji, Boskoop (für Diabetiker geeignet), Jonagored, Braeburn, Rubinette, Elstar, Topaz, Pinova und eben Wellant. Wenn ihr auch Probleme mit einer Apfelallergie habt, dann empfiehlt Rudolf nicht nur den Wellant, sondern auch den Braeburn, der nahezu beschwerdefrei vertragen wird. Aus den eigenen Äpfeln & Co. produziert der Obsthof in der hauseigenen Kochküche u.a. Brotaufstriche, Likör, Sirup und Saft. Der Apfelsaft wird aus mehreren Apfelsorten „komponiert“ und ist als 100%iger Presssaft natürlich ganz ohne Zucker. Noch ein Tipp von mir: Ihr müsst unbedingt den hausgemachten Apfelstreusel genießen, der wie bei Oma schmeckt. Den könnt ihr direkt mit nach Hause nehmen oder im Café dazu noch einen leckeren Kakao oder eine Kaffeespezialität bestellen.

Von montags bis freitags hat der Obsthof von 8 bis 18.30 Uhr geöffnet, samstags von 8 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr. 

Die Apfelstadt am Niederrhein

Aber warum ist Tönisvorst eigentlich die Apfelstadt am Niederrhein? Hier gibt es über 400.000 Apfelbäumen, die einen Ertrag von rund 40 Millionen Äpfeln bringen und damit die Kleinstadt mit rund 30.000 Einwohnern und die umliegenden Gemeinden versorgt. Besonders die Apfelsorte „Roter Königsapfel“ ist einzigartig für die Region, der aber nur als Saft genießbar ist. Darüber hinaus führen viele schöne Radwege über das Knotenpunkt-System entlang der Apfelfelder und es ist sogar eine Apfel-Schlemmer-Tour buchbar, bei der man mehr über die Geschichte von Tönisvorst und seinen einzigartigen Bezug zum Apfel erfährt. Besonders attraktiv ist die Apfelstadt während der Blütezeit, wenn sich die Apfelplantagen in der Huverheide in ein prächtiges Blütenmeer verwandeln.

 

 

Der Bauernmarkt Lindchen

Eine andere verlässige Bezugsquelle für Äpfel, aber nicht nur für die, ist der Bauernmarkt Lindchen in Uedem. Seit 1968 verkauft Familie Hesseling hier Obst und Gemüse aus eigenem Anbau, Wurstwaren vom Pfalzdorfer Landschwein, Eingemachtes, Beet- und Balkonpflanzen sowie Saft und Wein.

Das Lindchen legt größten Wert auf Qualität und Frische. Vom Feld bis zum Verkauf in dem Hofladen werden die Lebensmittel von einem Qualitätsbeauftragten kontrolliert und teils sorgfältig von Hand geerntet. Ein Großteil der im Hofladen angebotenen Produkte stammt aus eigenem Anbau und seit einigen Jahren werden vom Lindchen sogar Bio-Produkte angebaut.

Besonders praktisch: Man kann auf der Webseite vom Lindchen seine Wunschprodukte bequem vorbestellen und zum Wunschtermin abholen.

Rezept-Tipps…

… gibt es ebenfalls online wie etwa der Kohlrabi-Salat mit Apfel.

 

 

Was ihr an Zutaten für zwei Personen benötigt? 300g Kohlrabi, 2 TL Pekannüsse oder Walnüsse, 1 Apfel, z.B. Wellant, 2 EL Apfelessig, 4 EL Oliven- oder Rapsöl, 2 TL Honig, Salz, Pfeffer, 1 rote Zwiebel, etwas Rucola und optional Feta.

Auch die Zubereitung ist einfach und schnell gemacht: Kohlrabi schälen, vierteln und in sehr dünne Scheiben schneiden, Scheiben mit 1/2 TL Salz bestreuen, mischen und 10 Min. ziehen lassen. Dann Pekannüsse in einer Pfanne ohne Fett anrösten. Als nächstes Zwiebeln in feine Ringe schneiden, Apfelessig, Honig, etwas Salz, Pfeffer und Öl verschlagen. Den Apfel vierteln, entkernen, in sehr dünne Spalten schneiden und sofort mit der Sauce mischen. Dann Kohlrabischeiben trocken tupfen und alles mit der Sauce mischen und mit Pekannüssen bestreuen. Dazu Rucola reichen und optional mit Feta Käse bestreuen.

Geöffnet ist das Lindchen Montag bis Freitag von 7.30 bis 18.30 Uhr und Samstag von 7.30 bis 16 Uhr.

 

 

Clostermann Organics

Ihr habt Lust selbst mal als Erntehelfer aktiv zu werden und wolltet schon immer mal wissen, wie es hinter den Kulissen eines Demeter-Hofes aussieht? Dann könnt ihr das bei Clostermann Organics im September und Oktober in Wesel-Bislich tun. Ob einen ganzen Tag von 8 bis 16.45 Uhr, einen Vormittag von 8 bis 12.30 Uhr oder lieber am Nachmittag von 13.30 bis 16.45 Uhr – gestartet wird auf dem Hof mit einer kleinen technischen Einweisung, was es beim Äpfel pflücken zu beachten gilt. Dann geht es auch schon mit dem Erntewagen ab in die Plantagen. Familie Clostermann freut sich jetzt schon auf zahlreiche helfende Hände.

Erntehelfer für einen Tag

Wie ihr euch zum Ernten anmelden könnt? Um die Liste mit Tagen und Zeiten zu erhalten, die im September und Oktober verfügbar sind, schreibt bitte eine Mail an Leslie Clostermann unter erntehelfer@clostermann-organics.com. Im nächsten Schritt könnt ihr dann in der Liste anhand der grünen Felder sehen, ob der Tag eurer Wahl noch verfügbar ist und Clostermann über die o.g. Mailadresse eine Rückmeldung geben. Ihr bekommt dann nochmal eine Bestätigungsmail zugeschickt. Belohnt werdet ihr mit Frischem vom Baum.

Über 30 Apfelsorten

Wenn ihr die Äpfel lieber frisch geerntet kaufen wollt, könnt ihr das im Hofladen tun, der von September bis Juni jeden Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet ist.

Hier bekommt ihr rund 30 verschiedene Sorten knackige Demeter-Äpfel direkt von der Obstplantage und weitere eigene Zusatzprodukte wie naturreiner Apfelsaft, rheinisches Apfelkraut ohne Zuckerzusatz, Apfelsecco und natürlich der prämierte alkoholfreie Frucht-Secco „Appléritif“. Zusätzlich gibt es hier auch frisches Saisongemüse, Honig von den eigenen Hofbienen und weitere Bio-Produkte für den alltäglichen Gebrauch.

Noch ein Termin-Tipp

Am 18. September findet von 11 bis 17 Uhr die „Tour de Pomme“ statt und Familie Clostermann lädt zur großen Apfelernte auf den Neuhollandshof ein. Bei dem Fest für die ganze Familie gibt es neben Handgemachtem, Kräutern, Ölen, Nistkästen und vielem anderen Schönen auch die mobile Saftpresse von Alexander und Mareike Haaken. Hier könnt ihr hautnah sehen, wie die gepflückten Äpfel zu sortenreinem Saft verarbeitet werden. Natürlich stehen auch die Erntezüge wieder bereit, denn an diesem Tag könnt ihr als Familie Äpfel ernten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über mich

Ich bin Nicole, freie Journalistin, waschechte Niederrheinerin und ganz verliebt in meine Heimat!

Ich möchte euch mit zu meinen Lieblingsplätzen nehmen, Menschen und Unternehmen vorstellen, die den Niederrhein ausmachen, von tollen Events berichten, euch interessante Insider-Tipps in Sachen Shopping, Restaurants & Co. geben und noch vieles mehr – ihr dürft gespannt sein!

Ich freue mich, wenn ihr mich auf meiner Reise durch den Niederrhein begleitet!

 

Hier findet ihr mich auch